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09.04.2008 
Gründung weiterer Exportförderzonen geplant

Bangladesch möchte mehr ausländische Investoren anlocken

von Boris Alex, bfai

Die instabile politische Situation in Bangladesch hat auch negative Auswirkungen auf die Investitionstätigkeit der einheimischen Unternehmen. Andererseits legten die ausländischen Direktinvestitionen zuletzt wieder leicht zu. In einem Weltbank-Ranking liegt Bangladesch noch vor Indien. Die Regierung versucht, mit Hilfe von Exportförderzonen Investoren aus der verarbeitenden Industrie und dem IT-Sektor ins Land zu locken.

DHAKA. Die bangladeschische Wirtschaft leidet zunehmend unter der geringen Investitionstätigkeit der einheimischen Unternehmen. Die privaten Investitionen sanken im ersten Quartal des Finanzjahres 2007/08 (1.7. bis 30.6.) um rund zwei Prozent. Sollten die für Ende 2008 geplanten Parlamentswahlen eine dauerhaft stabile Regierung hervorbringen, dürften allerdings auch die Aktivitäten der Privatwirtschaft wieder an Fahrt gewinnen, so die Einschätzung des bangladeschischen Fachinstituts Centre for Policy Dialogue (CPD).

Etwas besser sieht es bei den ausländischen Direktinvestitionen aus. Diese verzeichneten im betrachteten Zeitraum ein Plus von 11 Prozent auf 263 Millionen US-Dollar. Ob die bereits für 2006/07 anvisierten Nettozuflüsse in Höhe von 1 Mrd. Dollar im laufenden Finanzjahr realisiert werden können, wird von den Analysten des CPD dennoch bezweifelt. Auch im letzten Finanzjahr gingen die Investitionen aus dem Ausland - trotz eines viel versprechenden Starts - auf das Gesamtjahr gesehen um rund 6 Prozent auf 793 Mill. Dollar zurück. Einzig der Öl- und Gassektor sowie die Telekommunikationsbranche verzeichneten ein Plus. Dies sind auch die Branchen, die absolut gesehen die meisten Direktinvestitionen verbuchen konnten.

Die USA waren 2006/07 mit knapp 176 Mill. Dollar der größte Einzelinvestor in Bangladesch, gefolgt von Ägypten und den VAE. Meist handelt es sich bei den Investitionen um einmalige Zuflüsse in Großprojekte - beispielsweise im Energie- oder Telekomsektor - und stellen keinen kontinuierlichen Zustrom an ausländischen Direktinvestitionen aus bestimmten Ländern dar. Die Zuflüsse aus Deutschland gingen um rund ein Drittel auf 1,1 Mill. Dollar zurück. Damit belegt Deutschland bei den Herkunftsländern Rang 20.

Dabei sind die Investitionsbedingungen in Bangladesch laut Weltbank im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht. In der aktuellen Auflage der jährlich erscheinenden Studie "Doing Business" belegt Bangladesch Rang 107 und schneidet damit besser ab als sein Nachbar Indien, das 13 Plätze dahinter rangiert. In der Kategorie Investorenschutz liegt das Land sogar weltweit in der Spitze. Innerhalb der Gruppe der 51 "Low Income" Länder belegt Bangladesch Rang 10.

Die Weltbankstudie identifiziert aber auch die Hauptprobleme für Investoren in Bangladesch. Zwar benötigt ein Unternehmen für die Unternehmensgründung nur acht Genehmigungen und damit weniger als in Pakistan oder Indien. Allerdings ist der Zeitaufwand für das Verfahren mit durchschnittlich 74 Tagen um ein Vielfaches höher als in Pakistan (24 Tage) und Indien (33 Tage). Laut Weltbank ist die ineffiziente bangladeschische Bürokratie der Hauptgrund für diese Diskrepanz. Denn die wenigsten Behörden seien miteinander vernetzt und viele Verwaltungsschritte erfolgten noch nicht auf elektronischem Wege, so ein Analyst der Weltbank in Dhaka.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Investoren erhalten zehnjährige Steuerbefreiung auf Unternehmensgewinne

Um den Standort Bangladesch für ausländische Investoren attraktiver zu machen, hat die Regierung bereits in den 80er Jahren die ersten Exportförderzonen gegründet. Inzwischen gibt es acht "Export Processing Zones" (EPZ), in den nächsten Jahren sollen weitere zehn hinzukommen. Bislang wurden laut Bangladesh Export Processing Zones Authority (BEPZA) zwei genehmigt, die bis Ende 2009 den Betrieb aufnehmen dürften. Bei den EPZ handelt es sich um Mischzonen, in denen sich überwiegend Unternehmen aus der Textil- und Bekleidungsindustrie aber auch anderen Branchen wie der Kfz-Zulieferindustrie und der Informations- und Telekommunikationstechnik (ITK) angesiedelt haben.

Laut BEPZA stammen die meisten Investoren aus Japan, Korea (Rep.) und der VR China. Die Behörde möchte künftig verstärkt Unternehmen aus Europa für eine Ansiedlung in den bangladeschischen Exportförderzonen gewinnen. Zudem soll sich der Branchenmix zugunsten technologiegetriebener Sektoren wie Kfz, Elektronik, Nahrungsmittelverarbeitung und ITK verschieben. Auch Ansiedlungen von Dienstleistungsbranchen wie Business Process Offshoring (BPO) oder Software-Entwicklung sollen stärker gefördert werden, so der BEPZA-Vorsitzende Ashraf Abdullah Yussuf.

Die Behörde überlegt derzeit, ob die Gründung neuer EPZ künftig gemeinsam mit ausländischen Investoren im Rahmen von Public Private Partnership finanziert werden sollen. Bislang ist die BEPZA der einzige Betreiber der Exportförderzonen und für den Aufbau und die Bereitstellung der Infrastruktur zuständig. Investoren müssen je nach Region zwischen 1,00 und 2,75 Dollar Miete pro Monat für 1 qm Grundstück, Fabrikhalle und Lagerhalle zahlen. Hinzu kommen die Kosten für Wasser, Gas und Strom. Die durchschnittlichen Monatsgehälter liegen laut BEPZA je nach Qualifizierungsgrad zwischen 20 und 60 Dollar.

Im Gegenzug erhalten die Investoren eine Reihe fiskalischer und nicht-fiskalischer Vergütungen. Darunter eine zehnjährige Steuerbefreiung auf Unternehmensgewinne, die zollfreie Ein- und Ausfuhr von Maschinen, Vorprodukten und Rohstoffen sowie die vollständige Repatriierung von Gewinnen und Dividenden. Zudem dürfen 10 Prozent der Produktion auf dem lokalen Markt abgesetzt werden. Im Finanzjahr 2006/07 lag das Exportvolumen der bangladeschischen EPZ bei 2,1 Mrd. Dollar. Für das laufende Finanzjahr rechnet die BEPZA mit einem weiteren Anstieg auf 2,5 Mrd. Dollar. Die Investitionen ausländischer Unternehmen innerhalb der EPZ verzeichneten im 1. Halbjahr 2007/08 ein Plus gegenüber der Vorjahresperiode von 135 Prozent.


Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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