3 Bewertungen ****
25.06.2008 
Atomkonflikt mit dem Iran

Bank Melli steuert Auslandsgeschäft Teherans

von Pierre Heumann

Sie ist mit Abstand das größte iransche Kreditinstitut: Jetzt ist die Bank Melli ins Visier der EU-Behörden geraten. Die Europäer verdächtigen das Institut, ein wichtiger Geldgeber des iranischen Atomprogramms zu sein. Doch die Sanktionen sind umstritten.

Eine Filiale der Bank Melli in Teheran. Jetzt hat die EU harte Sanktionen gegen das Institut verhängt. Foto: APLupe

Eine Filiale der Bank Melli in Teheran. Jetzt hat die EU harte Sanktionen gegen das Institut verhängt. Foto: AP

DÜSSELDORF. Mit ihren Sanktionen gegen die Bank Melli hat die EU nicht nur das größte, sondern auch das traditionsreichste iranische Geldinstitut und ein zentrales Bindeglied des Landes zum Ausland ins Visier genommen. Die Bank, die zum Kern der iranischen Wirtschaft gehört, wird verdächtigt, an der Finanzierung des Atomprogramms maßgeblich beteiligt zu sein. Ein ansehnlicher Teil der Importe, die für das Nuklearprogramm bestimmt sind, werde über Melli abgewickelt. "Die Bank Melli dient als Vermittler für Irans sensible Geschäfte", heißt es in der Begründung der EU.

Finanzkreise in Teheran bezeichnen die Sanktionen als die "schwerwiegendste Strafe gegen das Bankwesen der Islamischen Republik". Die Bank ist mit Abstand das größte iranische Geldinstitut. Die Summe ihrer Kundengelder sei größer als diejenige aller anderen iranischen Banken, sagt Saeed Laylaz, Chefredakteur der iranischen Wirtschaftszeitung "Sarmayeh" (Kapital). Die meisten staatlichen Einfuhren werden über Melli abgewickelt. Die EU hatte bereits Sanktionen gegen die iranische Bank Sepah beschlossen. Auch ihr wurde vorgeworfen, am iranischen Atomgeschäft beteiligt zu sein.

Der Boykott der Melli Bank in der EU werde dazu führen, dass andere ausländische Banken den auf mindestens 30 Mrd. Dollar geschätzten Aussenhandel abwickeln werden, so Laylaz: "Vor allem chinesische Banken sind am Geschäft interessiert." Die Einfuhren würden durch die Sanktionen nicht verhindert, "aber komplizierter und vor allem teurer," so Laylaz. Denn die Abwicklung der Einfuhren setze nun den Einsatz von Zwischenhändlern voraus, was den Import verteure. "Die jetzt schon hohe Inflation wird dadurch einen weiteren Schub erhalten," sagt Laylaz.

Die Melli-Bank kann zum Beispiel in den Vereinigten Arabischen Emiraten ohne Einschränkungen arbeiten, sagte ein Melli-Manager. Die Bank sei "sehr aktiv", sagt Hadi Motameni, Chef des Iranian Business Council in Dubai. Er rechnet damit, dass ein Teil des in der EU unerwünschten Geschäftes in die Golfregion abwandern werde. Allein in den Emiraten ist die Melli-Bank mit mehr als einem halben Dutzend Filialen vertreten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Zuletzt besucht / gesucht

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterStartup

Wo Markenartikler ihre Restposten losschlagen  Artikel in Merkliste

01.09.2008

Das erste Geschäftsjahr ist noch nicht vorbei und Brands4friends hat bereits eine Million Clubmitglieder. „So viel hatten wir nicht so schnell erwartet, eher erst in zwei Jahren“, sagt Constantin Bisanz, 35, Mitgründer und Geschäftsführer des Shopping-Clubs. Im September ist der Internet-Shop aus Berlin ein Jahr online und schon Marktführer. Das Konzept: Markenartikel zum Schnäppchenpreis. Artikel


weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Gesundheitsvorsorge 

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Welche Maßnahmen ergreift das Management zur bevorstehenden Influenza-Saison 2008/2009? Bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um uns diese Fragen zu beantworten. Unter allen Teilnehmern verlosen wir einen exklusiven USB-Stick aus Edelholz, handgefertigt in der Thalbach Design Manufaktur. Das Unikat hat eine Speicherkapazität von 2 GB. Hier geht es zur Umfrage: WEB-Link


Anzeige