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09.02.2008 
Lukrative Märkte in Europa

Bauboom trotz Hypothekenkrise

von Katja Simon, bfai

Gebaut wird immer - und immer öfter im Ausland. Deutsche Baufirmen sind rund um den Globus gut im Geschäft. Für mittelständische Unternehmen bestehen die besten Chancen indes direkt vor der Haustür - in Europa.

Die weltweite Baukonjunktur boomt. Foto: dpaLupe

Die weltweite Baukonjunktur boomt. Foto: dpa

KÖLN. Der mit Abstand größte Wolkenkratzer der Welt entsteht derzeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten: der Burj Dubai. Dass Hochtief über verschiedene Töchter an dem Prestigeprojekt mitwirkt, überrascht nicht weiter. Doch auch andere deutsche Firmen sind beteiligt: Das Fundament legte Bauer Spezialtiefbau, ein Mittelständler aus dem bayerischen Schrobenhausen, in Zusammenarbeit mit einem lokalen Unternehmen. Die Deckenschalung lieferte die Schwarzwälder Meva Schalungs GmbH. -Systeme

Die deutsche Bauwirtschaft ist in zunehmendem Maße weltweit aktiv. Der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie bezifferte die Aufträge aus dem Ausland an deutsche Unternehmen 2006 auf 25,8 Milliarden Euro, dies entsprach einer Steigerung von 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Damit hat die deutsche Bauindustrie im internationalen Geschäft im vergangenen Jahr zum Weltmarktführer USA aufgeschlossen", erklärt Hans-Peter Keitel, Präsident des Hauptverbandes. Nicht nur die großen Unternehmen wie Hochtief und Bilfinger Berger sind im Ausland tätig, sondern auch immer mehr - vor allem spezialisierte - Mittelständler.

Dem Großteil der deutschen Baubranche, die hauptsächlich aus kleinen und mittleren Betrieben besteht, fällt der Schritt über die Grenze jedoch schwer. Dabei gibt es im Ausland durchaus gute Chancen: Die weltweite Baukonjunktur boomt, die steigende Wirtschaftskraft und das Bevölkerungswachstum sorgen für immer größeren Baubedarf. Insbesondere in den wachstumsstarken Schwellenländern entsteht eine Vielzahl anspruchsvoller Projekte.

Doch müssen es nicht unbedingt das ferne Dubai oder Sydney sein. Auf diesen Märkten sind hauptsächlich die großen oder hochspezialisierten Unternehmen im Geschäft. Für den Mittelstand lohnt hingegen schon der Blick in die europäischen Nachbarländer. Die Baubranche in Europa wird in den kommenden Jahren weiter solide wachsen, prognostiziert das Forschungsnetzwerk Euroconstruct. Auch wenn im Vergleich zum Rekordjahr 2006 die Entwicklung etwas flacher verlaufen soll. Der Weg in die direkten Nachbarstaaten dürfte für die mittelständischen Bauunternehmen am leichtesten zu bewältigen sein. Dies bestätigt auch Karl Robl, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB). So sind bereits viele Bauunternehmen aus dem Grenzgebiet zum Beispiel in Frankreich oder den Niederlanden aktiv - Tendenz steigend.

Wie das geht, zeigt die Firma Holzbau Terhalle aus Ahaus, nahe der niederländischen Grenze. Der erste Auftrag im Ausland kam vor fünf Jahren durch Kontakte zu niederländischen Unternehmen zustande, für die Holzbau Terhalle zuvor in Deutschland tätig war. Mittlerweile hat die Zimmerei, die 110 Mitarbeiter beschäftigt, mit ihren Holzbaukonstruktionen erfolgreich eine Nische im europäischen Markt besetzt. Seit drei Jahren führt Holzbau Terhalle auch im Vereinigten Königreich und in Spanien sowie seit zwei Jahren in der Schweiz Aufträge aus. Vor einem halben Jahr kam noch der belgische Markt hinzu. Dabei profitiert die Firma nicht nur von ihrer Spezialisierung, sondern auch vom guten Ruf, den das deutsche Bauhandwerk im europäischen Ausland genießt.

Auf dem europäischen Markt kommt deutschen Unternehmen in jüngster Zeit zudem ein Preisvorteil zugute, den viele noch nicht wahrgenommen haben. Durch die schlechte deutsche Baukonjunktur der letzten zehn Jahre sind die Angebotspreise weniger stark gestiegen als in den anderen Ländern. Daraus ergeben sich nunmehr Chancen für die Firmen, die vorher im Ausland nicht konkurrenzfähig waren.

Wer den Schritt ins Ausland wagt, genießt auch aus strategischer Sicht Vorteile. Als zusätzliches Standbein macht es die Unternehmen unabhängiger von der inländischen Baukonjunktur. "Während die Nachfrage im Inland stagniert oder sogar rückläufig ist, sind unsere Leistungen im Ausland gefragt", fasst Heinz -Bernd Röring, verantwortlich für Marketing und Vertrieb bei Holzbau Terhalle, die steigende Bedeutung des Auslandsgeschäfts für seine Firma zusammen. Daher ist das Unternehmen an einer langfristigen Zusammenarbeit mit seinen ausländischen Auftraggebern interessiert.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Hürden nicht unterschätzen

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