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28.08.2006 

Besprechungen beginnen normalerweise nicht vor 9 Uhr. Eine frühere Anberaumung würde als unhöflich gelten. Beliebt sind der späte Vormittag (10 Uhr oder 11 Uhr) und der frühe Nachmittag (etwa 15 Uhr oder 16 Uhr). Prinzipiell ist bei Terminen Pünktlichkeit angesagt, aber nicht auf die Minute und auch kein Eintreffen vor der Zeit. Meist ist ein Erscheinen mit fünf- bis zehnminütiger Verspätung, die auch ein akademisches Viertel erreichen kann, durchaus in Ordnung. Bei (absehbaren) größeren Abweichungen gebietet es die Höflichkeit, kurz telefonisch Bescheid zu geben und wenn möglich einen neuen geschätzten Ankunftstermin mitzuteilen. Als Verhandlungssprache steht Englisch außer Frage. Auch Informationsmaterial wie Broschüren und Kataloge kommt an diesem Erfordernis nicht vorbei.

Der Brite ist vom Grundsatz her darum bemüht, eine lockere Atmosphäre zu schaffen, in der unverkrampft die Dinge des Lebens erledigt werden können. Hierzu gehört neben der räumlichen Umgebung auch der freundliche Umgang mit dem Gegenüber. In sprachlicher Alternativlosigkeit bedeutet das "you" selbstredend nichts. Relativ schnell kommt in der Regel auch die Benutzung des Vornamens hinzu, die zwar eine vertraute Atmosphäre schafft, aber weit entfernt ist von jedweder Vertraulichkeit. Falsch wäre der Eindruck, man hätte damit Formalitäten und Hierarchien hinter sich gelassen beziehungsweise es gäbe sie nicht. Der Brite liebt es informell und ist vom Typus her eher lässig bis nachlässig. Der Gastgeber sollte allerdings das grüne Licht zur Verwendung der Vornamen geben. Eher unüblich ist der Gebrauch beruflicher oder akademischer Titel, während dem geadelten Sir immer der Vorname folgt (Sir John).

Meister des Understatement

Die Briten sind Meister des Understatement. Wenn der britische Geschäftspartner sagt, er habe sich auf das Gespräch nur wenig vorbereiten können, weil er am Wochenende das schöne Wetter zum Golfspielen genutzt habe, dann bedeutet dies kein schamhaftes Zugeben von Unkenntnis, sondern ist eher Ausdruck von Auflockerung, dem der Partner eine humorvolle Entgegnung entgegensetzen sollte.

Im Geschäftsleben sind die Engländer besonders emotionslos und meist überaus zurückhaltend. Mimik und Gestik sind auf ein Minimum reduziert. Von besonderer Wichtigkeit ist für den Briten die Fairness. Druckausübung, Übertölpelung sowie der Eindruck des Über-den-Tisch-Ziehens gehören zu kaum wieder korrigierbarem, unfairen Fehlverhalten. Im weiteren Sinne bedeutet Fairness, dem anderen immer eine Chance zu belassen, ihn nicht in die Ecke zu drängen. Der Geschäftspartner wird derartiges Verhalten positiv zu würdigen wissen.

Der scheinbar lockere Umgang in den Firmen folgt intern klar definierten, für den Außenstehenden unsichtbaren Regeln. Es sollte den ausländischen Geschäftspartner nicht überraschen, wenn die (Chef-) Sekretärin (P.A. - Personal Assistant) in die Besprechung hineinplatzt und ihren Boss um eine Unterschrift bittet ("Brian, can you sign that, please"). Bei (Geschäfts-) Besprechungen sollten sich zwar alle Anwesenden beteiligen. Die Entscheidung obliegt aber letztendlich dem Ranghöchsten, der sie auch verantwortlich zu vertreten hat. Dieser hat sich insbesondere durch fachliche Kompetenz auszuzeichnen.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Zwischenergebnis schriftlich festhalten

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