Mit dem Thema Holocaust wird der Gast aus Deutschland von israelischen Geschäftspartnern nicht oft konfrontiert werden. Sollte das Thema dennoch zur Sprache kommen, ist Einfühlungsvermögen erforderlich. Ansonsten bieten sich allgemeine Themen wie Kultur, Reisen, Sport, Landeskunde und viele andere an, bei denen weitaus weniger Brisanz zu befürchten ist. Auch Wirtschaft ist ein Thema, das unter Geschäftsleuten für Gemeinsamkeit sorgt.
Humor wird in Israel groß geschrieben. Witze, die in den Bereich "politischer Unkorrektheit" fallen könnten, werden unter Personen, die miteinander nicht vertraut sich, gemieden. Dazu gehört, sich nicht über religiöse Gruppierungen, nationale Minderheiten und Frauen lustig zu machen. Jüdische Witze sollte der Besucher nur dann zum Besten geben, wenn ihn mit den Gesprächspartnern eine längere Beziehung verbindet, die Missverständnisse über seine Einstellung gegenüber Juden verhindert.
Auf jeden Fall sollten es Besucher unterlassen, sich über ultraorthodoxe Juden kritisch oder belustigt zu äußern. Das gilt auch dann, wenn der ultraorthodoxe Lebenswandel ihnen seltsam und unzeitgemäß erscheint, was bereits bei der im israelischen Klima unbequemen, schwarzen Kleidung mit Anzug oder langem Gehrock beginnt. Auch wenn viele Israelis selbst den Ultraorthodoxen ablehnend gegenüber stehen, betrachten sie dies als einen Familienstreit. Es gilt als verletzend, Ultraorthodoxe in auffälliger Weise "als Andenken" zu fotografieren.
Gegenüber moslemischen Israelis sind kritische oder belustigte Äußerungen über Werte und Verhalten der arabischen und/oder islamischen Gesellschaft zu unterlassen. Auch Moslems sollten nicht ungefragt fotografiert werden.
Der jüdische Kalender ist lunisolar (Mondkalender mit Schaltmonaten); die Feiertage fallen zwar stets in dieselbe Jahreszeit, haben aber kein festes Datum im gregorianischen Kalender. Die exakten Daten der Feiertage für das jeweilige Kalenderjahr können in der bfai-Publikation "Feiertage im Ausland" eingesehen werden.
Der landesweite wöchentliche Ruhetag ist der Samstag (Schabbat), während am Sonntag normal gearbeitet wird (nicht jedoch an ausländischen Botschaften). Die landesweiten gesetzlichen Feiertage richten sich nach dem jüdischen Kalender.
Weihnachtsgrüße an israelische Geschäftspartner gelten als ungeschickt, es sei denn, es handelt sich um christliche Geschäftspartner. Grußkarten zum gregorianischen neuen Jahr sind weniger bedenklich. Gegenüber jüdischen Israelis sind Grußkarten zum jüdischen Neuen Jahr (Rosch Haschana) eine zuvorkommende Geste. Dies gilt natürlich auch für Glückwunschkarten für muslimische Geschäftspartner zu islamischen Festtagen. Hier bietet sich vor allem der "Id al-Fitr" an, mit dem der Fastenmonat Ramadan feierlich beendet wird.
Die großen Hotels halten die jüdischen Speisegesetze ein. Deshalb sollte der Gast nach einer Fleischmahlzeit nicht um Milch zum Kaffee bitten, sondern darauf verzichten oder auf den unbedenklichen pflanzlichen Kaffeeweißer zurückgreifen. Dasselbe gilt für koschere Restaurants und selbst für das Speisen in Flugzeugen der israelischen Luftfahrtgesellschaft El-Al. Am Schabbat und an religiösen Feiertagen sollte in Hotelrestaurants und -hallen nicht geraucht werden. Über Pessach ist der Verkauf von Brot in jüdischen Ortschaften und Stadtteilen untersagt. Allerdings setzen die Behörden das einschlägige Gesetz nicht ernsthaft durch.
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