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24.10.2008 
Im laufenden Jahr

China wird weltweit zweitgrößter Importeur von Erdöl

von Bernd Schaaf und bfai

Chinas Erdölhunger ist schier grenzenlos. Das Land dürfte 2008 Japan als Nachfrager überflügeln und weltweit nach den USA an die zweite Stelle aufrücken. Das bringt für China auch Schwierigkeiten mit sich.

SHANGHAI. China treibt die Importrechnung für diese Produkte steil nach oben. Die Entwicklung zwingt Peking zur Diversifikation, um die Abhängigkeit von nur wenigen Lieferanten zu reduzieren. Im Visier steht insbesondere Venezuela, das bereits 2012 etwa 45% seiner Produktion ins Reich der Mitte exportieren will. Bislang ging die Hälfte der Ausfuhr in die USA. China tritt unterdessen weltweit immer mehr als Akquisiteur von Erdölfirmen auf.

Die Volksrepublik muss einen immer größeren Anteil ihrer Importrechnung auf die Einfuhr von Erdöl- und Erdölerzeugnissen verwenden. Wurden 2000 noch entsprechende Produkte (SITC 33) im Wert von 18,9 Mrd. Dollar aus dem Ausland bezogen, schnellte dieser Wert bis 2007 auf 99,2 Mrd. Dollar hoch. 2008 hat sich diese Entwicklung weiter beschleunigt. Im ersten Halbjahr stiegen die Einfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 86,7 Proeznt auf 82,4 Mrd. Dollar. Im Gesamtjahr dürften daher nach bfai-Schätzungen Branchenerzeugnisse im Wert von 160 Mrd. bis 180 Mrd. Dollar aus dem Ausland bezogen werden. Mit diesem Ergebnis könnte die VR China als Ölimporteur weltweit nach den USA und knapp vor Japan auf Rang zwei liegen.

Der Anteil der Einfuhren von Erdöl und Erdölerzeugnissen an den Gesamtimporten stieg von 8,4 Prozent im Jahr 2000 auf 10,4 Prozent im Jahr 2007, und 2008 dürften es etwa 15 Prozent werden. Damit gelangt China in die Nähe der USA, in denen 2007 gut 17,4 Prozent der gesamten Importe auf diese Sparte entfielen. Diese Entwicklung ist der Hauptgrund dafür, dass der Überschuss im chinesischen Außenhandel im ersten Halbjahr 2008 im Vergleich zur Vorperiode um 11,7 Prozent auf 99,7 Mrd. Dollar zurückging.

Peking ist die gesamte Situation im Energiesektor ein Dorn im Auge. Angesichts der raschen Entwicklung der Wirtschaft mit ständigen zweistelligen Zuwachsraten in den vergangenen Jahren kann die Energieversorgung des Landes kaum Schritt halten, obwohl die Investitionen in Kohle-, Kern- und Wasserkraft kräftig stiegen.

China kämpft damit an verschiedenen Fronten. So will Peking einerseits die Bezugsländer diversifizieren, um von Lieferungen einzelner Länder unabhängiger zu werden. In jüngster Zeit waren in diesem Zusammenhang mit Venezuela und Nigeria zwei Staaten im Visier, die bislang als Exporteure nach China kaum in Erscheinung getreten waren. Andererseits ist das Land bestrebt, durch Akquisitionen selbst einen direkteren Zugriff auf Erdöllagerstätten zu bekommen. Dies betrifft beispielsweise Lager in Sibirien, Syrien oder Nigeria. Schließlich geht es auch darum, die eigene Technologie vor allem im Offshore-Bereich zu komplettieren.

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