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08.08.2008 
Argentinien

Das Comeback am Río de la Plata

von Carl Moses, bfai

Seit Ende der schweren Wirtschaftskrise 2002 erzielt Argentiniens Wirtschaft ständig eine der höchsten Wachstumsraten der Region. Vor allem für Konsum- und Importgüter bleibt die Konjunktur unter Dampf. Kritisch sehen viele Unternehmen allerdings die häufigen Staatseingriffe.

BUENOS AIRES. Das zweitgrößte Land Südamerikas verwundert weiter viele Kritiker mit seinem fortgesetzten Aufschwung. Getragen wird die Entwicklung von der unersättlichen Auslandsnachfrage nach Agrarprodukten. Die Ernte von Getreide und Ölsaaten dürfte 2008 ein Rekordvolumen erreichen. Am Paraná-Fluss entstand die größte Sojaverarbeitungsanlage der Welt. Zuletzt wurde der Exportmix um Biokraftstoffe ergänzt.

Die ersten Werke gingen 2007 in Betrieb, weitere Investitionen in Milliardenhöhe sind geplant. Der Absatz von Landmaschinen stieg 2007 auf den Rekordwert von rund einer Milliarde US-Dollar. Auch die Logistik für den Abtransport der ständig wachsenden Ernten erfordert hohe Investitionen in Silos, Häfen, Fördertechnik, Transportfahrzeuge und andere Ausrüstungen. Ein glänzendes Comeback erlebt die Kfz-Industrie. Produktion, Absatz, Export und Import - alle Daten stiegen 2007 auf Rekordniveau.

Von der lokalen Produktion gehen fast 60 Prozent in den Export. Bis 2010 planen die Kfz-Hersteller Investitionen von zwei Milliarden US-Dolllar, angeführt vom Volkswagen-Konzern, der Argentinien als Produktionsstandort für sein erstes Pick-up-Modell gewählt hat. "Die neuen Modelle sind global integriert. Das setzt neue Standards in puncto Qualität und erlaubt höhere Stückzahlen", erklärt der langjährige und erfahrene Vertreter Frank Behrendt, der die Autoindustrie mit importierten Maschinen ausrüstet. "Auch die Zulieferindustrie wird gezwungen, in anderen Dimensionen zu denken und bessere Maschinen zu kaufen", so Behrendt.

Um das hohe Wachstumstempo beizubehalten, muss Argentinien stark in die Energieversorgung investieren. Weil der Staat jahrelang die Strompreise einfror und damit die privaten Betreiber verschreckte, muss er jetzt selbst handeln. Bei den ersten öffentlichen Projekten für neue Wärmekraftwerke konnte sich Siemens lukrative Aufträge sichern. Die Finanzierung ist für deutsche Firmen allerdings problematisch, weil es aufgrund der argentinischen Schuldenrückstände gegenüber dem Pariser Club zurzeit keine Exportkreditversicherung gibt.

Viele Ökonomen kritisieren zudem die eigenwillige Politik der Kirchner-Regierung. Mit Preiskontrollen, Exportverboten und ähnlichen Eingriffen raubt sie manchen Unternehmern den letzten Nerv. Mal verbietet sie den Export von Benzin, mal den von Fleisch, um die Preise zu drücken. Dadurch macht die Regierung vielen Unternehmen immer wieder überraschend einen Strich durch den Geschäftsplan. Nach der Übergabe des Präsidentenamtes von Néstor Kirchner an seine 2007 ins höchste Staatsamt gewählte Ehefrau Cristina hat sich daran nichts geändert. Auf längere Sicht könnte dies Argentiniens Wachstum bremsen.

Bei vielen Produkten, die weniger im Blickfeld der Öffentlichkeit stehen, sind derartige Eingriffe allerdings kaum zu erwarten. Da deutsche Unternehmen eher mit Premiumerzeugnissen konkurrieren, brauchen sie sich nicht abschrecken zu lassen. Die Regierung reguliert die Preise von Milch, Mehl und Fleisch, aber nicht die von Spezialpumpen oder von Importbier. Viele Unternehmen haben gelernt, sich mit den Umständen zu arrangieren.


Aus Markets 02/2008. Weitere interessante Artikel über Länder, Branchen und Märkte finden Sie in "markets - Das Servicemagazin für Außenwirtschaft". Es erscheint alle zwei Monate und kostet 3,80 Euro (Jahresabo: 19 Euro).

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