Essen ist den Spaniern heilig. Daher kommt dem Mittagessen ("comida") eine große Bedeutung zu. Einladungen zu Geschäftsessen erfolgen vornehmlich zur Mittagszeit, beginnen meist um 14.00 Uhr und enden gegen 16.00 Uhr oder später.
Nach spanischem Verständnis sitzen sich bei einem Geschäftsessen nicht in erster Linie zwei oder mehrere Vertreter verschiedener Unternehmen gegenüber, sondern Menschen, die ein Vertrauensverhältnis aufbauen wollen. Wurde vorher ein Besprechungsprogramm vereinbart, so bietet das Mittagessen die Gelegenheit, wichtige Punkte der Verhandlungen bereits abzuschließen.
Die "cena", das Abendessen, hat an Bedeutung gewonnen. In der Regel beginnt es zwischen 21.00 und 22.00 Uhr und endet gegen 24.00 Uhr. Geschäftsessen finden fast ausschließlich in Restaurants statt, weniger in Hotels. Bei Einladungen in die Wohnung, die meist erst erfolgen, wenn sich die Partner vertrauter geworden sind, sollten geschäftliche Themen weniger angesprochen werden. Die Gäste sollten Geschenke wie Schokolade, Kuchen, Wein oder Spirituosen oder Blumen für die Gastgeberin überreichen. Ein Arbeitsfrühstück findet selten statt. Falls vorgesehen, sollte es rechtzeitig angekündigt werden. Mit Verspätungen der Gäste ist zu rechnen.
Den ersten Trinkspruch macht der Gastgeber
Die Tischordnung entspricht in Spanien dem internationalen Standard. Häufig werden Ehepaare zusammengesetzt. Gastgeber und wichtigster Gast sitzen sich in der Regel gegenüber, bei langen Tischen sind sie in der Mitte. Mit abnehmender Bedeutung rücken die Gäste weiter zurück an der Tafel. Tischreden sind nur bei besonderen Veranstaltungen üblich. Jedem Gast kann bei Tisch ein bestimmter Sitzplatz zugewiesen sein. Bis man zum Sitzen aufgefordert wird, bleibt man stehen. Den ersten Trinkspruch macht der Gastgeber, der Ehrengast sollte einen weiteren während des Essens sprechen. Auch für Damen ist dies möglich.
Das Trinkgeld beträgt zwischen 5 und 10% des Rechnungsbetrages. Gewöhnlich spricht derjenige die Einladungen aus, der das größere Geschäftsinteresse verfolgt. Die Rechnung begleicht derjenige, der eingeladen hat.
Zunehmend mehr sind Kenntnisse von Fremdsprachen (zumindest Englisch) bei jüngeren Führungskräften anzutreffen. Nur wenige Spanier sprechen deutsch oder französisch. Die Verhandlungen finden überwiegend auf Spanisch statt, da die Spanier als Weltsprachler eher ein Eingehen auf ihre Sprache erwarten. Andererseits honorieren sie die Bemühungen von Ausländern, ihre Sprache zu lernen.
Während sich freundschaftliche Beziehungen in Katalonien meist erst am Ende mehrerer Geschäftsverhandlungen entwickeln, sollte man in der südlichen Region Valencia schon möglichst in der Anfangsphase einer Zusammenarbeit ein vertrauensvolles und freundschaftliches Verhältnis aufzubauen. Die Andalusier im südlichen Spanien zelebrieren das herrschaftlichste Auftreten und erwarten eine entsprechende Würdigung. Die Madrileños gelten in den übrigen Autonomien als Chulos (hochmütig).
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