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05.09.2006 

Die traditionellen gesellschaftlichen Umgangsformen in spanischen Familien und Freundeskreisen passen sich zwar ständig modernen Lebensformen an, unterscheiden sich aber immer noch von denen anderer Länder. Der Begriff Freundschaft lässt sich nicht direkt übertragen etwa auf mitteleuropäische Verhältnisse. Die ständige Suche nach guten Beziehungen lässt jede Kontaktperson schnell zu einem "guten Freund" avancieren. Geht diese Bekanntschaft tiefer, wird daraus ein "amigo intimo".

Die offene und warmherzige Art der Spanier verleitet häufig zu der Fehleinschätzung, dass sich mit ihnen leicht Freundschaften schließen ließen. Bei näherem Kennenlernen stellt ein Ausländer jedoch fest, dass gewisse Barrieren, die den zentralen Persönlichkeitsbereich des Spaniers und seiner Familie umgeben, schwierig zu überwinden sind.

Ist einmal ein Vertrauensverhältnis hergestellt, so laden spanische Geschäftsleute ihre ausländischen Partner auch nach Hause oder in ihre "finca" (Wochenendhaus) ein. Dort geht es meistens leger zu. Die Spanier lachen und witzeln gern. Gute Weine kreisen in der Runde. Zum Teil, aber seltener, wird aktiv Sport betrieben wie Golf, Tennis oder Wassersport. Oft geht es abends in eine Tapas Bar (Restaurant). Als Geschenke sind Schokolade, Kuchen, Wein oder Spirituosen oder Blumen für die Gastgeberin angebracht. Sind Kinder da, ist ein kleines Geschenk für sie willkommen. Für Fußballfreunde wird gerne auch während der Woche der gemeinsame Besuch eines Spieles mit Real Madrid oder FC Barcelona organisiert.

Ansprache mit "tu" immer häufiger

Beim Treffen eines größeren spanischen Freundeskreises lernt der Ausländer auch deren Gesprächsgewohnheiten kennen. Jemandem ins Wort zu fallen, zählt bei den temperamentvollen Spaniern zur normalen Kommunikation. Ähnliches gilt für das gleichzeitige Sprechen.

Gesprächsthemen für den privaten Umgang können ähnlich wie in Deutschland Sport, insbesondere Fußball, Politik (nur am Rande), Wirtschaft (nicht vertieft), internationale Reiseerfahrung (u.a. Deutschlanderfahrung des spanischen Gesprächspartners), Streifzüge durch die spanische und deutsche Geschichte sowie Diskussionen um Weinsorten sein. Aktuelle Kulturereignisse etwa in Madrid oder Barcelona sowie Kunstmuseen finden Anklang.

Die Ansprache mit Du (spanisch "tu") hat während der letzten Jahre zugenommen. Im Kollegenkreis oder auch mit Vorgesetzten sowie Geschäftspartnern duzt man sich. Die Spanier untereinander stellen sich gleich mit dem Vornamen vor. Wenn nicht einer der spanischen Partner in den ersten Minuten des Gesprächs das Du anbietet oder direkt mit Du anspricht, ist bei der Interaktion etwas schief gelaufen.

Das Du bedeutet sowohl Ehrerbietung als auch die Verkürzung der Distanz. Da die Spanier jedoch meist vom starken deutschen Tabu der Verwendung von Vornamen und des Duzens in der Arbeitsbeziehung wissen, erwarten sie von den deutschen Geschäftspartnern nicht ohne weiteres ein Duzen.


Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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