Die nationale Identität Mexikos bewegt sich zwischen Weltoffenheit und Rückbesinnung auf das eigene, reiche Kulturerbe. Das Ergebnis ist ein neu erwachsender Nationalstolz, in dem politische, soziale und ethische Prioritäten einem ständigen Wandel unterliegen. Mexikaner treten in der Regel freundlich und umkompliziert auf, Kontakte werden oft und gerne in der Privatsphäre vertieft. Der mexikanische Unternehmer präsentiert sich mit Vorliebe als gut gelaunter Familienmensch, der das Leben unbeschwert genießt und ausgiebig Fiestas feiert - Savoir-vivre "a la mexicana".
Dieser Eindruck kann jedoch genauso schnell umschlagen in ein Verhalten zwischen indirekter Abweisung und unerklärtem Ausweichen. Mexikaner meiden in einer Mischung aus nationalem Stolz und Angst vor Gesichtsverlust oft den direkten oder konfrontativen Kommunikationsweg.
Ein deutscher Unternehmer bringt es wie folgt auf den Punkt: "Vorsicht! - denn trotz aller
Freundlichkeit und Weltoffenheit ist der Mexikaner nicht immer einfach. Manchmal gewinnt
man den Eindruck, dass der ‚alte Azteke’ nicht tot ist. Im Gegenteil: es scheint, der Stolz des Azteken
wird wieder zu neuem Leben erweckt."
Was aber in der offensichtlichen Rückbesinnung auf die mexikanische "Eigenständigkeit" zum Ausdruck kommt, ist nichts anderes als die Suche nach einer neuen, modernen Identität, geprägt von dem Bedürfnis nach Akzeptanz und Anerkennung. Der persönliche Umgang auf der geschäftlichen wie auch der gesellschaftlichen Ebene sollte somit von Toleranz und Feingefühl für eine gewisse Andersartigkeit bestimmt sein.
Westliche Verhaltens- und Denkmuster können unter Umständen anstoßend wirken. Mexikaner denken in erster Linie positiv und neigen daher häufig zu einer nach mitteleuropäischem Empfinden übertriebenen Selbstdarstellung der persönlichen, beruflichen oder materiellen Erfolge. Dies erscheint oft oberflächlich, entspricht aber einem tief verwurzelten Ausdruck von Respekt und Höflichkeit. Negatives Denken ist - anders als in Deutschland - fremd, allenfalls dem engsten Familienkreis vorbehalten. Kein Mexikaner würde zum Beispiel auf die Frage nach dem Wohlbefinden seine gesundheitlichen Probleme aufzählen.
Geeignete Gesprächsthemen sind aus Sicht eines deutschen Geschäftsreisenden somit solche, die weder einer "Nabelschau" gleichkommen noch das Selbstwertgefühl des mexikanischen Geschäftspartners in irgendeiner Form hinterfragen oder verletzen könnten. Politische Diskussionen sind zwar willkommen, doch sollte man nicht durch Besserwisserei glänzen oder direkt zu Beginn eindeutige parteipolitische Affinitäten durchblicken lassen. Vorsicht geboten ist bei sensiblen Themen wie Korruption, Kriminalität oder Umweltschutz - doch wachsen auch hier Problembewusstsein und Kritikfähigkeit.
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