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24.11.2006 

Die gute wirtschaftliche Entwicklung und eine liberale Einwanderungspolitik haben Irland vom klassischen Auswandererland zum Magneten für Arbeitsuchende aus Osteuropa, Asien und Afrika werden lassen.

Der Kampf gegen Hungersnöte und ständige Eroberungen sowie der Aderlass, den das Land infolge der Kartoffelpest im Jahre 1847 erlitt hat bis heute Spuren in Form von Arbeitskräftemangel hinterlassen. Damals verhungerten unzählige Menschen und Millionen verließen das Land um in den USA, Australien und Kanada sowie im benachbarten Großbritannien Arbeit zu finden. Im Vereinigten Königreich bilden die Iren auch heute noch die größte Volksgruppe. Die wirtschaftliche Misere Irlands mit hoher Arbeitslosigkeit, starker Inflation und einer enormen Staatsverschuldung hielt den Exodus auch im zwanzigsten Jahrhundert konstant.

Vor 150 Jahren war die grüne Insel Lebensraum für fast doppelt so viele Menschen wie heute. Wirtschaftsexperten sagten dem Land noch vor zwei Jahrzehnten eine düstere Zukunft voraus. Die Prognosen lauteten auf zunehmende Verarmung und Abhängigkeit der irischen Wirtschaft vom europäischen Festland.

Inzwischen hat sich das Blatt längst gewendet und all dies ist Geschichte. Der EU-Beitritt im Jahre 1973 beschleunigte den Wandlungsprozess von der überwiegend landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft in eine boomende moderne Technologiegesellschaft.

Begünstigt durch kräftige Beihilfen der Europäischen Union setzte in den 90er Jahren ein rasanter Aufholprozeß ein, der Irland zum "keltischenTiger" machte. Mit den EU-Geldern wurde der Ausbau der Infrastruktur vorangetrieben. Das Land gehörte gemäß den EU-Regionalkriterien viele Jahre zu den "Regionen mit allgemeinem Entwicklungsrückstand", sogenannte Ziel 1-Gebiete, und profitierte von den Zuschüssen aus Kohäsions- und Strukturfonds. Zur gleichen Zeit wurden die Unternehmenssteuern drastisch reduziert, wodurch es gelang eine Vielzahl internationaler Investoren ins Land zu holen. Irland hat heute neben den Baltischen Staaten die geringsten Steuer- und Abgabenquoten.

Einem Bericht der "Bank of Ireland" zufolge zählt das ehemalige Armenhaus Europas heute zu den reichsten Ländern in der Gemeinschaft. Unter den 4 Millionen Einwohnern tummeln sich rd. 30.000 Millionäre. Das Land hat gemeinsam mit Norwegen einen der höchsten Lebensstandards in Europa.

Das attraktive Geschäftsumfeld hat insbesondere Arbeitskräfte aus Polen angezogen. Mit 17% bilden Polen die weitaus größte Gruppe, gefolgt von Litauern mit 8 Prozent, von denen ein Teil irischer Abstammung ist. Neben Osteuropäern haben sich tausende Chinesen und Afrikaner auf der Insel niedergelassen.

Die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Irland sind traditionell freundschaftlich. Beide Länder arbeiten seit dem Beitritt Irlands zur EG im Jahre 1973 auf europäischer Ebene eng zusammen. Irland lieferte 1990 einen wertvollen Beitrag zur Vollendung der deutschen Einheit. Damals hatte das Land die EU-Ratspräsidentschaft inne.

Sowohl bei den Importen irischer Produkte als auch bei den Investitionen im Lande steht Deutschland hinter Großbritannien und den USA an dritter Stelle.

Deutschland und Irland pflegen intensive Beziehungen im kulturellen Sektor. Diese Zusammenarbeit geschieht zum überwiegenden Teil zwischen den Partnern ohne direkte Einschaltung staatlicher Stellen. Das Goethe-Institut in Dublin fördert primär den bilateralen Kulturaustausches mit Irland.

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