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10.10.2007 
Hohe Produktionsschäden

Energiemangel schwächt Südafrika

von H. Schneider

Das Angebot ist da: Der amerikanische Energieriese AES Corporation würde in Südafrika gerne zwei dringend benötigte Kraftwerke bauen – allerdings steht dem eigentlich sicheren Auftrag die örtliche Bürokratie im Weg. Dieses Vorgehen stößt auf Unverständnis, ist Energiemangel doch eine erhebliche Wirtschaftsbremse im Kap-Staat.

JOHANNESBURG. Das große amerikanische Energieunternehmen AES Corporation versteht die Welt nicht mehr – zumindest nicht den neuen Investitionsstandort Südafrika. Zwar hat die Regierung in Pretoria AES jüngst zum „bevorzugten Bieter“ für den Bau von zwei Kraftwerken mit einem Auftragsvolumen von 500 Mill. Euro und einer Gesamtleistung von 1 000 Megawatt auserkoren; die beiden Gasturbinen-Kraftwerke sollen bei Durban und Port Elizabeth entstehen und Ende 2009 ans Netz gehen. Doch seit Wochen werden die AES-Vertreter von einer staatlichen Stelle zur anderen geschickt, um sich relevante Informationen zu besorgen. Die Ministerien für öffentliche Betriebe und für Bergbau und Energie blockieren sich gegenseitig.

Diese Haltung der staatlichen Bürokratie, über die in Südafrika auch andere Unternehmen klagen, steht im Gegensatz zu den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Landes. Denn Südafrika hat wegen der mit etwa fünf Prozent jährlich wachsenden Wirtschaft schon seit einiger Zeit beträchtliche Versorgungsprobleme im Energiebereich, was ständig zu lokalen und regionalen Stromausfällen führt. Doch obwohl die Regierung und der staatliche Energieversorger Eskom schon vor Jahren erklärten, dass mehr Kraftwerke nötig sind, um den steigenden Bedarf zu befriedigen, und festlegten, dass 30 Prozent der neuen Kraftwerke von privaten Unternehmen gebaut und betrieben werden sollen, blieb es bei dieser Absichtserklärung.

Eine Reihe von internationalen Kraftwerksbauern äußerte Interesse, denn der Markt für unabhängige private Versorger in Südafrika wird bis 2013 auf 13 Mrd. Dollar geschätzt. Doch auf konkrete Anfragen nach Details bekamen sie nur verschwommene Antworten. Mark Pickering, Direktor von Mbane Power, einem schwarzen Teilhaber der jetzigen AES-Projekte, klagte jetzt über zu wenig Klarheit in der südafrikanischen Energiepolitik. Dadurch seien die Investitionsrisiken in dem Sektor hoch.

Der Stromversorger Eskom verfügt seit etwa 20 Jahren über eine Stromerzeugungskapazität von 36 400 MW. Das galt lange Zeit als überdimensioniert. Doch das Wirtschaftswachstum und auch die Politik der Regierung, endlich die schwarzen Townships mit Strom zu versorgen, ließen den Puffer schnell schmelzen. Hinzu kommt, dass Eskom die „Affirmative Action“-Politik der Regierung umzusetzen hatte, mit der der Stromversorger überwiegend schwarze statt weiße Manager auf allen Ebenen erhält. Viele erfahrene und hochqualifizierte Experten verließen Eskom. Die Regierung musste jetzt feststellen, dass es an ausgebildeten Fachleuten fehlt. Dadurch werden Wartungsmaßnahmen nicht rechtzeitig geplant und koordiniert und auch oft nicht fachgerecht ausgeführt.

Seit etwa sieben Jahren gibt es Expansionspläne. Doch umgesetzt wurden sie bisher nicht. Stattdessen häufen sich die Stromausfälle in einem solchen Maße, dass Produktionsschäden in Milliardenhöhe die Folge sind. Die einzige schulterzuckende Reaktion, die daraufhin von Eskom kam, war die Mitteilung, dass man damit auch künftig rechnen müsse.

Die First National Bank, eine der vier südafrikanischen Großbanken, ist deshalb schon dazu übergegangen, ihre Filialen mit Notstromaggregaten auszurüsten. Auch viele Restaurants und Kleinbetriebe schafften sich Generatoren an, deren Kauf und Betrieb sie billiger kommt als die wiederholten unvorhergesehenen Geschäftsausfälle durch Stromsperren. Der Fußballweltverband Fifa besteht darauf, dass alle Austragungsstadien der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika über eine eigene Notstromversorgung verfügen müssen.

Eine Entspannung der Lage wird jedoch auf sich warten lassen und ist nach Meinung von Experten erst in einem Jahrzehnt spürbar. Eskom hat ein umfassendes langfristiges Investitionsprogramm in der Größenordnung von etwa 15 Mrd. Dollar aufgelegt. Als erstes sollen drei einst eingemottete Kraftwerke wieder in Betrieb genommen werden. Die ersten neuen Stromversorger werden das Kohlekraftwerk Liphalele und das Wasser-Pumpkraftwerk in den Drakensbergen mit zusammengenommen 6 000 MW sein, die gegenwärtig errichtet werden. Als nächstes ist der Bau eines mit Erdgas betriebenen Kraftwerks an der Atlantikküste geplant. Das Gas soll aus dem namibischen Kudu-Feld kommen, das aber noch nicht fördert.

Ebenso ist der Bau eines zweiten Atomreaktors beabsichtigt. Noch völlig ungewiss ist, wann die kleinen Kugelhaufen-Atomreaktoren gebaut werden. Die Regierung redet schon seit über einem Jahrzehnt darüber, doch das ist auch alles. Und schließlich will Südafrika auch zusammen mit anderen Staaten der Region Elektroenergie aus dem Inga-Wasserkraftwerk in Kongo beziehen. Dort aber ist man gerade erst dabei, die bisherige Kapazität von 1 800 MW wieder zu erreichen. Wann der viele Milliarden kostende Aufbau von Inga III mit insgesamt 39 000 MW und die Errichtung der notwendigen Überlandleitungen in der Größenordnung von etwa 4 000 Kilometer beginnen, weiß in Südafrika niemand zu sagen.

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