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05.02.2008 
Dollar-Bindung

Hohe Inflation belastet die Golf-Region

von Pierre Heumann

Vorbei sind die Zeiten, als die Scheichs ihren Reichtum in unproduktive Luxusprojekte steckten: Das Versiegen der Ölquellen vor Augen, nutzen sie die sprudelnden Einnahmen aus dem Ölgeschäft für Investitionen in die eigene Wirtschaft. Gleichzeitig kaufen die Staatsfonds der Golf-Staaten sich bei westlichen Firmen ein.

ABU DHABI. Der hohe Ölpreis befeuert den Boom am Persischen Golf. Die Wirtschaftsleistung der sechs im Golf-Kooperationsrat (GCC) zusammengeschlossenen Länder werde in diesem Jahr um knapp acht Prozent wachsen, schätzen Ökonomen in Dubai. Der Internationale Währungsfonds (IWF) geht von einer etwas geringeren Wachstumsrate aus.

Dem Golf-Kooperationsrat gehören Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an, Jemen hat die Aufnahme beantragt. Die hohen Ölpreise verschaffen den Ländern zwar Spielraum für Investitionen, schwemmen aber auch so viel Liquidität heran, dass die Inflation zum ernsten Problem wird. Es gebe zu viel Geld für zu wenige Güter, sagt die Ökonomin Mary Nicola von der Standard Chartered-Bank in Dubai in Anlehnung an Milton Friedman. In Saudi-Arabien dürften die Konsumentenpreise in diesem Jahr um 6,5 Prozent steigen, in den VAE um mehr als zehn und in Katar gar um 13,7 Prozent, schätzt Nicola. Vor allem die Bezieher niedriger Einkommen litten unter der Inflation: „Das könnte politische und soziale Konsequenzen haben“, so die Ökonomin, denn bei Nahrungsmitteln und Mieten steigen die Preise besonders schnell.

Für die trüben Aussichten an der Inflationsfront sei die Bindung an den Dollar verantwortlich, meint Howard Handy, Chefökonom bei der saudi-arabischen Bank Samba Financial Group: Wenn die USA ihre Zinsen weiter senken, werde der Kampf gegen die Inflation noch schwieriger, warnt er. Denn mit Ausnahme der kuwaitischen sind alle Golfwährungen an den Dollar gebunden. Eine eigene Geldpolitik, die dem gefährlichen Liquiditätsüberhang entgegenwirken könnte, ist den GCC-Staaten dadurch unmöglich. In Abu Dhabi kursierte deshalb jüngst das Gerücht, dass die VAE ihre Währung vom Dollar abkoppeln wollten. „Da erhielt der Notenbankchef reihenweise Besuche aus den USA, die ihn vor diesem Schritt warnten“, sagt ein westlicher Diplomat in Abu Dhabi.

Doch die Preissteigerungen können die Wachstumsaussichten nicht beeinträchtigen. Der „Middle East Economic Digest“ schätzt das geplante Investitionsvolumen auf rund 1500 Mrd. Dollar. Im Vordergrund stehen der Ausbau der Infrastruktur und des Energiesektors. An Geld fehlt es nicht. Als die Budgets für das vergangene Jahr geschrieben wurden, wurde noch mit einem Ölpreis von 35 Dollar pro Fass gerechnet. Da er sich 2007 im Jahresdurchschnitt verdoppelt hat, sind die Ölländer entsprechend liquide.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Vorbild Dubai

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