Beliebte und unverfängliche Themen bei der Begrüßung sind neben dem Wetter vor allem sportliche Ereignisse: Italien ist ein Fußballvolk und in der Regel wird ein nationales oder internationales Spiel auf jeglicher gesellschaftlichen Ebene kommentiert. Symptomatisch ist dafür ein Pressegespräch mit Marco Tronchetti Provera, dem Präsidenten und CEO von Telecom Italia und Großaktionär des Reifenkonzerns Pirelli: nachdem sämtliche mikro- und makroökonomischen sowie finanzpolitischen Themen durchdiskutiert wurden, kam die Frage auf: Wo liegt die Zukunft von Inter (Mailänder Fußballmannschaft). Die Antwort des Managers war bezeichnend: "Nun beginnen wir endlich über interessante Themen zu sprechen".
Das gefällige Äußere, die "bella figura" hat in Italien einen außergewöhnlichen Stellenwert inne. Oft werden die ausländischen Geschäftspartner wegen ihrer nicht zutreffenden Kleidung belächelt. Wer hingegen zum richtigen Zeitpunkt richtig gekleidet ist, gewinnt an Hochachtung. Ex-Kanzler Schröder wurde allgemein wegen seiner Brioni-Anzüge bewundert und konnte damit das bislang in Italien geltende Image des "schlecht gekleideten" Deutschen ein wenig gerade rücken.
In Italien muss längst nicht mehr überall eine Krawatte getragen werden; selbst bei den abendlichen Cocktails kann darauf verzichtet werden. Dafür muss aber das Sakko sitzen, das Hemd aus feinstem Material sein und die Hose eine perfekte Bügelfalte aufweisen. Accessoires und modisches Zubehör, ob es nun seidene Stecktücher oder Marken-Gürtel sind, finden Beachtung. Der aufmerksame Geschäftspartner merkt alles, auch wenn die Socken nicht zu den Schuhen passen oder die Armbanduhr über dem Ärmel getragen wird.
Geschmackvoll kombinierte Garderobe angesagt
Sollte im Rahmen einer Einladung sogenannte informelle Kleidung (informal dress) gewünscht sein, so heißt dies nicht etwa, dass man in T-Shirt und Shorts erscheinen kann, sondern auch hier ist geschmackvoll kombinierte Garderobe angesagt.
Bei der Kleidung gibt es regionale Unterschiede. In Mailand wird ein schlichter und einfacher Stil und hohe Qualität gefordert. Schneiderkostüme und Hosenanzüge in Grau und Schwarz bestimmen das modische Geschäftsszenario für die Frau, auch der Mann zieht den klassischen Stil vor. Grüne Lodenmäntel gelten als Symbol der Linksintellektuellen. In Rom und südlich davon ist man eher "overdressed" bunte Farben, glitzernde Phantasie und ein Dandy-Look beim Herren sind bei Geschäftsessen durchaus angebracht.
Von den verschiedenen Möglichkeiten der Kontaktanbahnung in Italien dürfte der Messebesuch die vielversprechendste sein. Das in Italien besonders gut ausgebildete Fachmessewesen ist ein "El Dorado" für neue Kontakte: anhand der gewöhnlich auch auf CD-Rom vorab zugesandten Kataloge können bereits die Vorabsondierungen vorgenommen werden. Nützlich ist nicht nur der Kauf der gewöhnlich drei- bis viersprachig verfassten Messekataloge mit einem umfassenden Adressenverzeichnis der Branche, sondern auch ein Blick auf die Webseite der Messe, die oft Links zu den beteiligten Firmen bietet.
Fachzeitschriften sind in Italien überaus beliebt und haben oft interessante Stellenangebote beziehungsweise Nachfrage. Nach einer Untersuchung des Consorzio Stampa Tecnica (CSTS), das mit 65 Mitgliedsfirmen und 350 Zeitschriften rund 60% des Angebotes deckt, beläuft sich die Auflage der Fachzeitschriften der CSTS - Mitglieder auf 107 Mio. Nur 13% werden über den offiziellen Verkauf vertrieben. Besonders viel wird in den Bereichen Medizin, Informatik und Nahrungsmittel veröffentlicht. Eine zweisprachige Ausgabe der Monatsblätter ist noch eine Rarität. Auf den einzelnen Fachmessen wird ein detaillierter Überblick über die wichtigsten, branchenspezifischen Fachzeitschriften vermittelt. Inserate helfen oft weiter.
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