Es ist eine von manchen bedauerte, aber nicht zu leugnende Tatsache, dass private Beziehungen zwischen Europäern und Schwarzafrikanern nur in Ausnahmefällen befriedigend funktionieren. Aus den großen kulturellen, sozialen und mentalen Unterschieden entstehen zu viele Irritationen, die einen unbeschwerten, freundschaftlichen Umgang miteinander auf privater Ebene behindern.
Eine Rolle spielen vor allem die Unterschiede bei Lebensgewohnheiten und Lebensstandard - bis auf die Spitzenverdiener und Vermögenden unter den Afrikanern findet man bei der Mittelschicht keine häusliche Umgebung vor, die auch nur im entferntesten europäischen Ansprüchen entsprechen dürfte. Das generell geringe Einkommensniveau in Afrika, in Verbindung mit besonders weitreichenden familiären Verpflichtungen der Besserverdienenden in afrikanischen Großfamilien, hat zwangsläufig zur Folge, dass ein Afrikaner eigentlich nie (genügend) Geld hat. Bei freundschaftlichen Beziehungen mit Europäern (die ganz allgemein als "reich" gelten) ist daher für den afrikanischen Bekannten die Versuchung groß, aus der Beziehung finanziellen Vorteil zu schlagen - eine Einstellung, die mit dem europäischen Begriff von "Freundschaft" nicht gut zu vereinbaren ist.
Angola und Mosambik bilden hier nach Erfahrung von Landeskennern angenehme Ausnahmen. Der europäische Besucher sollte eine Einladung nach Hause nie ablehnen. Erstens ist dies ein sehr selten gewährtes Privileg, zweitens bietet sich die Möglichkeit, Umfeld und Einstellung des Partners direkt zu erfahren, und drittens strahlt die Präsenz eines Europäers (einer Europäerin) auf den Status des Hausherrn aus.
Das weiter oben Gesagte trifft nur teilweise und in stark abgeschwächter Form auf den privaten Umgang mit der lokalen indischen Kaufmannschaft zu. Vor allem fällt hier ein wesentliches Hemmnis für freundschaftlichen Umgang miteinander weg, nämlich die häufig unüberbrückbare Einkommenskluft. Inder gehören fast ausschließlich dem gut verdienenden gewerblichen Mittelstand an, dessen häusliche Umgebung auch für "standesgemäße" private Einladungen von europäischen Geschäftspartnern geeignet ist.
Ein genereller Aspekt des sozialen Lebens in Afrika ist zu erwähnen, der die Bedeutung der privaten Ebene im Umgang miteinander bestimmt beziehungsweise im Grunde einschränkt. Der Stellenwert der Familie ist ein anderer als in Europa/Amerika: Dieser Bereich wird viel stärker von dem beruflichen getrennt - und ist zudem häufig für europäische Verhältnisse sehr unübersichtlich.
Weite Teile der afrikanischen Gesellschaften sind noch stark patriarchalisch ausgerichtet sind. Dennoch stellen Beobachter erfreut fest, dass die weltweite Emanzipationsbewegung auch vor dem afrikanischen Kontinent nicht haltgemacht hat. Es gibt zunehmend häufiger Frauen in herausragenden Positionen (zum Beispiel als Minister) und in einigen Ländern wurde oder wird zurzeit sogar die 30%-Regel für Frauen bei der Zusammensetzung des Parlaments eingeführt. Liberia hat die erste gewählte Staatspräsidentin Afrikas.
Das Freizeitverhalten von Afrikanern wird im wesentlichen durch die Einkommensklasse bestimmt. Wer es sich leisten kann, tritt einem renommierten Golfclub bei, das gilt auch häufig für die Inder. Tennis und Reiten haben natürlich ebenfalls hohen Statuswert. Für die körperlich Fittesten; vor allem in Kenia pflegen die verbliebenen Briten die aus der Kolonialzeit überkommene "equestrischen Infrastruktur" mit Rennbahn, Poloclub und nationaler Reitervereinigung.
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