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20.12.2006 

In ganz West- und Zentralafrika nutzten die libanesischen Zuwanderer ihren Startvorteil durch Beziehungen, die bessere Ausbildung und Beherrschung zeitgemäßer Geschäftsmethoden zur Gründung erfolgreicher Unternehmen und zur Bildung ihres familiären Reichtums. Sie erlangten dadurch allmählich neben dem wirtschaftlichen auch ein politisches Gewicht, das sich heute zum Beispiel in Posten als Berater mancher Staatschefs äußert.

Eine relativ junge Erscheinung in Afrika ist die wachsende Präsenz chinesischer Unternehmen auf den Märkten der Region. Sie reichen von Ein-Personen-Firmen, die in Geschäften oder Marktständen billige chinesische Konsumgüter anbieten, bis hin zu großen Baufirmen, die zum Verdruss der etablierten internationalen Spezialunternehmen immer öfter als Bieter bei Ausschreibungen für staatliche Infrastrukturprojekte auftreten.

Diese Kreise kommen für den westlichen Geschäftsmann eher als Konkurrenz denn als Gesprächspartner in Frage, da sie Waren, Arbeitsgerät, Fachpersonal und Dienstleistungen überwiegend aus ihrer Heimat beziehen. Eine besondere Auskunftsfreudigkeit gegenüber Besuchern aus Drittländern wird ihnen nicht nachgesagt. Rund 750.000 Chinesen haben sich seit Ende der 90er Jahre in Afrika niedergelassen. Und es werden täglich mehr.

Als ausländischer Geschäftspartner in Ostafrika, der mit Indern und Afrikanern in vielerlei Positionen zu tun hat, ist es nützlich, sich der Sensibilitäten zwischen den Bevölkerungsgruppen bewusst zu sein, um gegebenenfalls "Fettnäpfchen" zu vermeiden. Die Eigenheiten der indischen Bevölkerungsgruppe geben ferner Hinweise auf die unterschiedlichen Wertvorstellungen: Der Inder ist sehr stark eingebunden in seinen Familienclan und auch seine religiöse Gemeinschaft, die bei Indern (und auch Pakistanis) noch eine erheblich größere Rolle als bei Europäern spielt. Somit trennen sich auch die Inder/Pakistanis in Ostafrika in Hindus und Moslems, wobei allerdings fanatische Ausprägungen zumindest nach bisheriger Erfahrung kaum vorkommen.

Für ausländische Geschäftspartner ist wichtig zu wissen, dass die Loyalität eines Inders grundsätzlich gegenüber seiner Gruppe liegt. Entsprechend muss man als Europäer bei Zusagen usw. gegebenenfalls Abstriche machen und zunächst einmal Skepsis walten lassen. Durchaus ähnlich verhält es sich im Endeffekt mit dem Wertesystem von Afrikanern: Auch hier ist die Familien- und Stammeszugehörigkeit von herausragender Bedeutung, während das Nationalbewusstsein in der Regel noch wenig entwickelt ist.

Hier bildet Tansania unter den EAC-Staaten eine Ausnahme, weil dort der sogenannte Nyerere-Sozialismus häufig mit drakonischen Maßnahmen wie Zwangsumsiedlung und ähnlichem die Stammesstrukturen zerschlagen hatte. In den Ländern Ostafrikas gibt es teilweise an die hundert verschiedene Stämme, wobei jedoch die zahlenmäßig dominierenden und entsprechend in Politik und Wirtschaft einflussreichen nur jeweils eine Handvoll sind.

Die traditionellen Beziehungen, Animositäten und kulturellen Empfindlichkeiten zwischen den wichtigsten ethnischen Gruppierungen in einem Land wie Kenia etwa herauszufiltern, ist eine Wissenschaft für sich.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Die Uhren ticken langsamer

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