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20.12.2006 

Ähnliche Verhältnisse bestehen vor allem in den größeren Ländern im frankophonen Westen. Eine Besonderheit in Kamerun ist die Überschneidung von Stammes- mit Sprachengrenzen. Unter den beiden großen Verkehrssprachen dominiert Französisch gegenüber Englisch das Geschäftsleben mit einem noch höheren Anteil als es der Bevölkerungsverteilung von etwa 75 zu 25 entspricht.

Ein Hauptgrund dafür sind die sehr geschäftstüchtigen Bamiléké, deren angestammtes Siedlungsgebiet in den beiden anglophonen Westprovinzen (Nord Ouest und Sud Ouest) liegt. Ihr vielfach beneideter unternehmerischer Erfolg beruht vor allem auf ihrer Anpassungsfähigkeit, die sich in der Eingliederung in alle Landesregionen und der selbstverständlichen Verwendung der dominierenden Verkehrssprache äußert.

Wer sich als Newcomer mit einer langfristigen geschäftlichen Aufgabe in Afrika einarbeiten muss, sollte sich hierzu Informationen und Lektüre beschaffen. Dies ist ganz besonders wichtig, wenn personalpolitische Entscheidungen getroffen werden müssen, etwa für Niederlassungen oder Agenturen.

Bei Vorstellungen über Zeit und Terminempfinden gibt es erhebliche Unterschiede zwischen Afrikanern und Europäern, speziell den Deutschen. Man muss sich generell darauf einstellen, dass in Afrika "die Uhren langsamer gehen". So müssen zeitliche Zusagen von afrikanischen Geschäftspartnern immer mit großer Vorsicht aufgenommen werden, und man sollte automatisch von deutscher Seite immer viel Spielraum einrechnen und sich keineswegs auf konkrete zeitliche Absprachen verlassen. Dies ist einfach ein Faktor, den man berücksichtigen muss und für den man Verständnis aufbringen muss, wenn es nicht zu Irritationen in den Beziehungen kommen soll.

So macht praktisch jeder, der regelmäßige Beziehungen mit Afrika hat oder sich dort einleben muss, nach kürzester Zeit die Erfahrung, dass man mit deutscher Hektik auf diesem Kontinent nicht weiterkommt, sondern höchstens seinen Blutdruck in die Höhe treibt. Vielmehr muss man sich in den Tugenden Geduld und Gelassenheit üben.

Kenner Afrikas berichten immer wieder, wie wichtig, aber auch zeitraubend, der Aufbau einer persönlichen Beziehung zum Geschäftspartner ist. Nach dem ersten Kennenlernen, für das allein schon ein erheblicher Zeitraum veranschlagt werden soll, sind so viele Wiederholungstreffen wie nur irgend möglich einzuplanen. Ohne einen überdurchschnittlichen persönlichen Einsatz, so die allgemeine Erfahrung in dieser Region, lassen sich dauerhafte erfolgreiche Geschäftsverbindungen kaum knüpfen, geschweige denn aufrecht erhalten.

Positive wirtschaftliche Ergebnisse lassen sich auf allen Ebenen nur durch intensives individuelles Engagement und ein gehöriges Maß an Beharrlichkeit erzielen. Berichte über verlockend hohe Kapitalrenditen in Afrika von 25% und mehr sind auch im Lichte dieses personellen Aufwands zu beurteilen.

Gelegentlich ist auch Mitgefühl gefragt, wenn es in der Familie des Gesprächspartners überraschende Todes-, Trauer- oder Krankheitsfälle gibt. Dies ist nicht immer einfach, vor allem, wenn es um geplatzte Termine geht, die zwar nicht unbedingt an der Tagesordnung sind, aber durchaus vorkommen. Dann muss eben ein neuer Anlauf gemacht werden, und schließlich kommt die Verabredung doch zustande.

Nichtsdestotrotz sollte man als Deutscher auch in Afrika grundsätzlich bei Terminen pünktlich sein. Gelegentlich ist es allerdings wegen Schwierigkeiten mit dem Telefonnetz nicht möglich, jemanden kurzfristig zu erreichen. In solchen Fällen ist es absolut üblich, auf Gut Glück einfach vorbeizufahren und nach dem gewünschten Gesprächspartner zu fragen. Da alle unter solchen Problemen leiden, sind Afrikaner fast immer bereit, jemanden auch unangemeldet zu empfangen.

Lesen Sie weiter auf Seite 5: Starke Hierarchien

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