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20.12.2006 

Auf besondere Schwierigkeiten bei den Terminabsprachen sollte man sich in der politischen Administration gefasst machen. Dies entspricht zumindest den Erfahrungen von Europäern in Kenia. Hier bedarf es in der Regel mehrerer Anläufe in Form geplatzter Termine, um des gewünschten Gesprächspartners habhaft zu werden. Besonders umständlich und bürokratisch sind in dem Zusammenhang nach Erfahrung von Betroffenen unter anderen in Äthiopien und auch Angola, beides Länder mit einer langen sozialistisch geprägten Tradition.

Afrikanische Gesellschaften sind traditionell stark hierarchisch gegliedert und an autoritären Führungsstil gewöhnt. So ist es kein Geheimnis, dass auch heutzutage noch Stammesälteste und Medizinmänner erheblichen Einfluss in ihren Dörfern und Stammesgemeinschaften haben. Dies ist eine der Ursachen, warum sich auch nach der Unabhängigkeit von den Kolonialmächten noch teilweise bis heute in vielen Staaten autoritäre Regime an der Macht gehalten haben.

Entsprechend groß kann auch die Macht eines Einzelnen in Verwaltung und Wirtschaft sein. Mit der Herausbildung demokratischer Strukturen sowie den - auf Initiative der Geber gestarteten - Kampagnen zur Bekämpfung der Korruption in etlichen Ländern wird die Macht einzelner Personen allmählich beschnitten. Dies kann andererseits für den europäischen beziehungsweisedeutschen Verhandlungspartner bedeuten, dass Entscheidungsprozesse undurchsichtiger und langsamer werden.

Nicht zu unterschätzen ist, ob man sich kundig zeigt über die Grundzüge der Geschichte, Politik und Wirtschaft eines Ziellandes. Die meisten Afrikaner werden dies als Zeichen von Hochachtung und Respekt werten, sofern man nicht gleich "doziert".

Auf Empfindlichkeiten bezüglich der Kolonialgeschichte und Fragen der Unabhängigkeit ("Einmischung in innere Angelegenheiten") usw. sollte im Gespräch mit Afrikanern Rücksicht genommen werden. Kritik am Verhalten etwa von Regierungen und Kabinettsmitgliedern sollte man als europäischer Geschäftspartner ruhig den internationalen Gebergremien überlassen - nicht zu vergessen die lokale Presse, die heutzutage auch insgesamt freier und kritischer ist als in früheren Zeiten, das heißt vor der weitgehenden wirtschaftlichen und politischen Liberalisierung der 90er Jahre. Mit wenig Aufwand kann man sich über sein jeweiliges Zielland auf den Länderseiten des Auswärtigen Amtes informieren.

Besonderes Fingerspitzengefühl ist bei politischen Themen in Ländern wie Kongo (Dem. Rep.), Côte d'Ivoire, Zentralafrikanische Republik, Tschad oder Togo erforderlich, wo akute oder gerade beendete Konflikte herrschen.

Auch das vielschichtige Thema von Rassismus (heutzutage eher gegen Weiße und Inder) und Tribalismus sollte man im Gespräch mit afrikanischen Geschäftsleuten nicht von sich aus anschneiden. Zu politischen Diskussionen mit Afrikanern ist vor allem im Fall von Kenia darauf hinzuweisen, dass sich die politische Einstellung des Einzelnen durchgehend (mit höchst seltenen Ausnahmen) nach ethnischen Kriterien und "Galionsfiguren" bildet. Dies macht den Ablauf politischer Diskussionen mit Kenianern in hohem Maß vorhersehbar - "sag mir wo Du herkommst, und ich weiß, was Du denkst."

Beachtung der nationalen Feiertage ist natürlich immer anzuraten, vor allem bei zeitlich knappen Aufenthalten vor Ort. In den moslemisch geprägten Ländern und Regionen - wie vor allem einigen Bundesstaaten Nigerias und in bestimmte frankophonen Ländern Westafrikas - sollte der Ramadan-Monat für Geschäftsreisen vermieden werden. Außerdem gilt bei Moslems der Freitag als arbeitsfreier Tag (Moscheebesuch obligatorisch). Allgemein sollten auch die lokalen Ferienzeiten beachtet werden, die vor allem von den ansässigen ausländischen Managern zu längeren Heimatreisen genutzt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: Eigenständige Partnersuche nicht ratsam

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