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12.01.2009 
Asien

Krise ja, Chancen bietet Südchina trotzdem

von Roland Rohde (gtai)

Die Finanz- und Wirtschaftskrise macht auch vor Chinas großer Boomregion im Süden nicht Halt. Dafür haben sich inzwischen die Transport- und Rohstoffkosten reduziert. Während auf den heimischen Markt konzentrierte Unternehmen verhalten optimitisch sind, trifft die Krise Exportunternehmen allerdings hart.

Chinesische Arbeiter montieren in Guangzhou Puppen. Foto: apLupe

Chinesische Arbeiter montieren in Guangzhou Puppen. Foto: ap

HONG KONG. Südchinas Exportunternehmen haben allen Grund zur Klage. Doch Firmen, die überwiegend für den einheimischen Bedarf produzieren, geben sich vorsichtig optimistisch. Sie warten ab, welche Geschäftschancen sich im Zuge des von Beijing aufgelegten 600-Milliarden-Dollar schweren Konjunkturpakets ergeben. Angebotsseitig profitieren sie von Entlastungen bei den Transport- und Rohstoffkosten. Außerdem gehören Arbeitskräftemangel und Stromrationierungen der Vergangenheit an.

Die Exportindustrie Südchinas schaut mit wenig Zuversicht in das Jahr 2009. Da die Nachfrage nach chinesischen Konsumgütern in den Hauptabnehmerländern in Europa und Nordamerika sowie in Japan und Korea (Rep.) schwächelt, rechnet die Region mit einem merklichen Rückgang ihrer Ausfuhren, zumindest in der ersten Jahreshälfte. Selbst wenn es ab dem Sommer zu einer Wiederbelebung der weltweiten Konjunktur käme, sei im Jahresdurchschnitt nach Ansicht des Provinzgouverneurs von Guangdong lediglich eine schwarze Null zu erwarten.

Dies kommt für südchinesische Maßstäbe bereits einer Katastrophe gleich, denn in der jüngsten Vergangenheit wuchsen die Warenausfuhren der Provinz Guangdong, die rund 30 Prozent der landesweiten Exporte ausmachen, jährlich zweistellig. Zwischen 2002 und 2007 lag die durchschnittliche Wachstumsrate bei über 20 Prozent, und auch für das Krisenjahr 2008 gehen Statistiker noch von knapp zehn Prozent aus.

Die südchinesischen Industriebetriebe trifft die weltweite Krise besonders hart, weil die meisten ausschließlich für ausländische Märkte produzieren. Zahlreiche Exportunternehmen sind nach Medienberichten bereits in Konkurs gegangen. Bei vielen von ihnen handelt es sich um Firmen, die sich im Besitz von Hongkonger Kapitalgebern befinden und Spielzeuge, Kunststoffprodukte, Textilien und andere klassische Produkte der Leichtindustrie im Auftrag westlicher Konsumgüterkonzerne herstellen. Doch diese bestellen angesichts der Zurückhaltung der Verbraucher in ihren Heimatländern immer weniger Ware.

Auch Investoren aus Japan, Korea (Rep.) und Taiwan, deren Betriebe kapital- und technologieintensiver produzieren, leiden. Sie haben sich vor allem auf die Herstellung von Gütern der Unterhaltungselektronik und Informationstechnologie konzentriert und bieten diese größtenteils unter ihrem eigenen Markennamen an. Die weltweit schwächelnde Nachfrage nach hochwertigen Konsumgütern wie LCD- und Plasmabildschirmen sowie Computern bekommen diese Produzenten zu spüren.

Die in Südchina angesiedelten Unternehmen aus Europa und Nordamerika scheinen derweil weniger stark von der Krise betroffen zu sein. Sie geben sich vorsichtig optimistisch, denn viele haben sich in den letzten Jahren von der reinen Exportstrategie gelöst und stärker auf die Bedienung des einheimischen Marktes konzentriert.

Die Zeiten, in denen westliche Unternehmen aus Kostengründen Fertigungsschritte nach Südchina verlagert und anschließend die gesamte Produktion wieder zurück in ihre Heimatmärkte versandt haben, gehören nach Aussage der deutschen Auslandshandelskammer in Guangzhou schon länger der Vergangenheit an. Die Eroberung des chinesischen Marktes stelle bereits seit Jahren das Hauptmotiv der Neuinvestoren dar.

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