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23.04.2008 
Viele Projekte müssen noch 2008 anlaufen

Polen beschließt Masterplan für die Fußball-EM

von Heiko Steinacher, bfai

Ein Jahr nach dem Zuschlag zur EM 2012 ist es nun soweit: Anfang Mai wird Polen der UEFA einen Masterplan vorlegen, den - bereits ausgearbeiteten - Plan für Stadionbau und einen weiteren für die Infrastruktur. Diese umfassen alle mit dem Großereignis verbundenen Investitionen, nicht nur die Fußballstadien allein.

WARSCHAU. Sporadische Pressemeldungen suggerieren, Polen könne bis zum EM-Start nicht mehr alle erforderlichen Investitionen rechtzeitig umsetzen. Unternehmer sind da offenbar wesentlich optimistischer.

Gewiss, das Zeitfenster ist knapp, doch die Vorbereitungen laufen ununterbrochen. In Kontakt mit den zuständigen lokalen Selbstverwaltungen stehende Geschäftsleute berichten, alles deute darauf hin, dass die Arbeiten gut voran kämen. Doch sagen sie auch, dass viele Projekte noch 2008 anlaufen müssen. Die UEFA bescheinigte Polen bei ihrem letzten Besuch im April 2008 ebenfalls deutliche Fortschritte.

Eine Schlüsselrolle wird fortan die im Auftrag des Ministeriums für Sport und Touristik agierende, staatliche Zweckgesellschaft PL.2012 spielen, die Polen gegenüber der UEFA repräsentiert und folgende drei Hauptaufgaben erfüllt:

  1. Koordination und Betriebsführung aller Vorbereitungen zur EM 2012, also das Projektmanagement mit vielen Beteiligten (Städten, Hotelinvestoren, Flughäfen, Straßenbauern und vielen anderen);
  2. Durchführung der Veranstaltungen (Gewährleistung der Sicherheit, Krisenmanagement und damit verbundene Marketing- und Maßnahmen zur Verkaufsförderung);
  3. Koordination gemeinsamer Aktivitäten mit der Ukraine.

Gleichzeitig bereitet Polen eine Liste so genannter Euro-2012-Unternehmungen vor, für die verkürzte Ausschreibungsverfahren angewendet und die als Anhang der im 2. Quartal 2008 geplanten Novelle des Euro-2012-Sondergesetzes vom September 2007 veröffentlicht werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Neubau des Breslauer Stadions soll beginnen

Polen kämpft weiter um die Spielaustragungsrechte in allen sechs Stadien. Doch hat sich die in dieser Frage entscheidungsbefugte UEFA noch immer nicht festgelegt, ob neben Warschau, Gdansk, Wroclaw und Poznan auch in den Stadien in Krakow und Chorzow EM-Spiele ausgetragen werden dürfen. Grundlage für diese Entscheidung wird ein umfangreicher Bericht über die Fortschritte beim Ausbau der erforderlichen Infrastruktur und Stadien zwischen November 2007 und Mai 2008 sein, den die UEFA im Juni vorlegen wird.

Obwohl Krakow weiterhin nur auf der Reserveliste steht, hat das dortige Wisla-Stadion im letzten UEFA-Bericht (Stand April 2008) von allen 12 Austragungsorten in Polen und der Ukraine am besten abgeschnitten. Krakow bereitet für die Großveranstaltung zwei Fußballarenen vor: neben dem Wisla-Stadion, in dem EM-Spiele ausgetragen werden sollen, auch das Cracovia-Stadion, das als Trainingsbasis dienen soll. Die Gesamtkosten für beide Arenen werden auf 450 Millionen Zl geschätzt, für das Wisla-Stadion anteilig 300 Millionen Zl. Aufträge im Rahmen des 600 Millionen Zl teuren Baus einer Schnellstraße vom Zentrum der Stadt zum Flughafen werden nach einem verkürzten Ausschreibungsverfahren gemäß des Euro-2012-Sondergesetzes vergeben.

Auf gutem Weg befinden sich laut der UEFA auch Wroclaw und Poznan. Der Neubau des Breslauer Stadions im Stadtteil Maslice für etwa 450 Millionen Zl soll noch in diesem Jahr beginnen. Da Poznan bereits über ein Stadion verfügt, das nur zu modernisieren ist, sind die Arbeiten dort schon relativ weit fortgeschritten. Fast 100 Millionen der geschätzten Gesamterneuerungskosten von 500 Millionen Zl wurden bereits investiert. Die größte Investition im Verkehrsinfrastrukturbereich wird der Bau der westlichen Umgehungsstraße für 1,2 Milliarden Zl sein. In Poznan fehlen vor allem Hotelkapazitäten höherer Kategorien - bisher gibt es dort nur ein einziges Fünf-Sterne-Objekt.

Während an den anderen Austragungsorten die Finanzierung gesichert scheint, gibt es bei der Baltic Arena in Gdansk noch offene Fragen. Ungeklärt ist zum Beispiel, wer das Stadion in Zukunft betreiben soll. Deshalb stuft die UEFA die Stadt im Norden der Republik noch als "sehr risikoreich" ein. Die Projektierung des Stadions soll im Dezember 2008 abgeschlossen, der Bau Anfang 2011 vollendet sein. Im Mai 2009 sollen die Bauarbeiten am zweiten Terminal des Danziger Flughafens beginnen, der umgerechnet 38 Millionen Euro verschlingen dürfte und nach dessen Inbetriebnahme sich die Abfertigungskapazitäten gegenüber heute verdreifachen werden. Die Modernisierung der Straße, die den Flughafen mit dem Stadtzentrum verbindet, kostet voraussichtlich rund 680 Millionen Zl.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Sorgenkinder Warschau und Kiew

Die größten Sorgen bereiten der UEFA Warschau und Kiew. Aus dem Rathaus der polnischen Hauptstadt verlautet aber, dass alle Arbeiten in Verbindung mit der EM 2012 gemäß Zeitplan durchgeführt würden. Warschau hat in diesem Zusammenhang 60 Schlüsselaufgaben benannt, für die es 23 bis 25 Milliarden Zl investieren will. Die Landeshauptstadt bereitet einen komplexen Raumbewirtschaftungsplan vor. Schwieriger als erwartet erweist sich dabei die Synchronisation der Bauarbeiten am Stadion mit denen an der zweiten Metrolinie und der Eisenbahn. Die ersten Stützpfeiler für das neue Nationalstadion werden im Herbst 2008 in den Boden gerammt. Anfang Frühjahr 2009 soll der Bau an einen Generalauftragnehmer ausgeschrieben werden. Ist das Fundament bis dahin fertig, sollte die neue Fußballarena bis Spätherbst 2011 vollendet sein.

Die Projektierungsarbeiten für das Stadion in Chorzow, das gleichsam wie Krakow nur auf der Reserveliste steht, konzentrierten sich bisher auf die Überdachung. Um die Anforderungen der UEFA erfüllen zu können, wäre stattdessen aber ein komplexer Umbau erforderlich. Daher hat der Stadioneigentümer, die Woiwodschaft Slaskie, im März 2008 einen neuen Projektanten, das deutsche Büro gmp Architekten, ausgewählt. Das Slaski-Stadion wird somit aber kaum, wie ursprünglich geplant, schon 2010 frei gegeben werden können. Die Umbauarbeiten dürften 250 Millionen Zl verschlingen.

Obwohl die UEFA die Risiken zum Teil noch hoch einschätzt, hält sie alle Stadionbaupläne für realisierbar. Bezüglich der Verkehrsinfrastruktur legt Europas Fußballdachverband offenbar vor allem Wert auf geeignete Transportverbindungen innerhalb der austragenden Städte, insbesondere zwischen den Stadtzentren und Flughäfen sowie zu den Stadien und wichtigsten Hotels. Beim Hotelbau ist die UEFA von ihrer ursprünglichen Forderung abgerückt, dass für die EM 2012 neue Hotels nur in den Gastgeberstädten entstehen sollen - maßgeblich ist hierfür nunmehr ein 150-km-Radius um die Austragungsorte. Das erleichtert unter anderem Chorzows Vorbereitungen, das sich um Hotelinvestoren in der gesamten Woiwodschaft Slaskie bemüht.

In Bezug auf die Standorte der Trainingslager für die Nationalmannschaften wird die UEFA im 3. Quartal 2008 eine - nicht bindende - Empfehlung aussprechen. Entscheiden wird darüber letztlich der nationale Fußballverband. Dabei ist eine Auswahl von mindestens 16 Standorten aus 110 Bewerbungen zu treffen.

Eine Präsentation mit detaillierten Informationen über die Vorbereitungen Polens auf die Fußball-EM 2012 veröffentlicht die Deutsch-Polnische Industrie- und Handelskammer für ihre Mitglieder unter » http://www.ihk.pl/em2012.


Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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