Besprechungen können daher länger dauern als anberaumt. Sie beginnen aber in der Regel äußerst pünktlich, sprich plus/minus zwei Minuten, da sich tschechische Geschäftsleute dieser deutschen Eigenart wohl bewusst sind. Generell aber ist man fünf bis zehn Minuten großzügiger und gerät nicht aus der Fassung, wenn ein Partner in diesem Rahmen später erscheint, vor allem wenn er noch einen halben Satz auf die verpasste U-Bahn oder die in Prag verbreitete Parkplatznot verliert. Die Körpersprache ist, ähnlich wie in Deutschland, eher zurückhaltend, sprich gesten- und berührungsarm.
Eine Frau zuvorkommend zu behandeln, ihr die Tür zu öffnen, den Vortritt zu lassen oder in den Mantel zu helfen, sind selbstverständliche Gesten, mit denen eine deutsche Geschäftsfrau rechnen muss, die in Tschechien männliche Gegenüber hat. Umgekehrt sollte ein deutscher Geschäftsmann daran denken, wenn sein Ansprechpartner eine Frau ist.
Grußkarten zum Jahreswechsel sind ein Muss, bei eingespielten Beziehungen werden auch kleine Geschenke verschickt. Gepflegt wird im Freundeskreis und auf der Arbeit der Namenstag, der - anders als der Geburtstag - den Vorteil hat, öffentlich bekannt zu sein. Bei Kontaktanbahnungen, geschäftlichen Treffen, Messeterminen gelten weitgehend die gleichen Gepflogenheiten wie in Deutschland. Vertreter tschechischer Firmen, die mit deutschen Partnern ins Geschäft kommen wollen, haben häufig eine Aufmerksamkeit bei sich, und umgekehrt wird dasselbe erwartet.
Der Katalog möglicher Werbe- oder Gastgeschenke deckt sich weitgehend. Spezielle Mitbringsel, die im Zusammenhang mit Deutschland stehen, der eigenen Firma oder der Region, in der sie ansässig ist, kommen immer gut an. Das kann reichen von besonderen Büro- oder Schreibutensilien über ausgewählten Wein oder Delikatessen bis hin zu Gegenständen, die auf die eigene Produktion verweisen.
Unbedingt zu vermeiden sind belastete Wörter. Dazu gehört das vielen Deutschen immer noch viel zu schnell von der Zunge gehende Tschechei. Dieses Wort wurde in der Nazizeit häufig und abfällig verwendet (so im Zusammenhang mit "Rest-Tschechei") und hat damit einen negativen Klang. Daran ändert sich auch nichts, wenn es von jüngeren, deutsch sprechenden Tschechen in Unkenntnis häufig selbst verwendet wird. Gerade ältere Generationen sind sehr hellhörig. Auch die saloppe Zuordnung des Landes zu Osteuropa und, schlimmer noch, zum Ostblock, lässt die meisten Tschechen innerlich zusammenzucken. "Wir haben immer zu Mitteleuropa gehört", so ein tschechischer Geschäftsmann erzürnt. "Dass später in Jalta Stalin und Roosevelt ihre Einflussbereiche aufteilten, kann an dieser historischen Realität nichts ändern."
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