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27.02.2007 

Der Aufbau von Beziehungen ist in Tschechien der Schlüssel für eine erfolgreiche Zusammenarbeit - egal ob man einen Käufer sucht, einen Zulieferer, Handelsvertreter, Forschungspartner oder eine Führungskraft, ob man ein Unternehmen gründen oder eine Abteilung leiten möchte. Persönliche Kontakte spielen bei der Geschäftsanbahnung eine große Rolle. Hier mag eine Art Erbschaft der Planwirtschaft mit ihren spezifischen Mängeln im Spiel sein; Beziehungen waren lebenswichtig, um etwa Materialströme zu sichern und ein Unternehmen am Laufen zu halten.

Bei ersten Begegnungen wird der Sitz des jeweiligen Betriebes bevorzugt. Hat zum Beispiel ein deutsches Maschinenbau-Unternehmen in eine Niederlassung investiert, sucht es einen Zulieferer oder will es einen Kunden gewinnen, so wird der geeignete Ort der tschechische Betrieb sein. Folgekontakte können früher oder später auch in einem Restaurant stattfinden. Einladungen zum Mittag- oder Abendessen werden meist gern angenommen. Die Lokalitäten müssen nicht zu den teuersten gehören, sondern sollten Gespräche in einem gediegenen, angenehmen Rahmen erlauben. Nicht zu unterschätzen als Plattform, auf der Kontakte und Geschäfte angebahnt und gepflegt werden, sind Unternehmensstände auf Messen. Bei Anliegen an staatliche und kommunale Stellen sollten zuvor über E-Mail der Sachverhalt oder die Fragen geschildert und um einen Gesprächstermin nachgesucht werden. Das Treffen findet in der Regel in den Räumlichkeiten des Ministeriums oder der Verwaltung statt.

Zumindest anfangs geben sich tschechische Partner gegenüber einem Ausländer eher förmlich-zurückhaltend und scheinen ihm die Initiative zu überlassen. Eine persönlichere Gesprächsebene entsteht leichter, wenn der Gast sich für das Land interessiert, etwas über das Unternehmen, die Branche, die Wirtschaftskonjunktur sagen kann oder erfragt, die Architektur, Küche oder Schönheit der Natur lobt. Weitere Small-Talk-Themen sind das Wetter, der Urlaub, Sportereignisse oder das Auto. Die in Deutschland verbreitete Art aber, sich in einer Art professionellen Kurzbiographie vorzustellen, ist nicht üblich und kann auch als Überheblichkeit interpretiert werden. Wiederum sollte tschechisches Understatement keinesfalls dazu führen, seinen Gesprächspartner zu unterschätzen, selbst wenn er, was oft vorkommt, sehr jung sein sollte. Ähnliches gilt auch für Personalgespräche. Tschechische Bewerber neigen nicht dazu, ihre Fähigkeiten derart herauszustellen, wie das in Deutschland der Fall ist.

Viele Tschechen haben einen ausgeprägten Sinn für feinen, manchmal recht trocken verpackten Humor. Sie sind durchaus offen für Selbstkritik und Selbstironie, die in Witzen oder Anekdoten zum Ausdruck kommen kann. Eine Sache ist es aber, über sich selbst zu witzeln, eine andere, wenn Fremde das tun. Da Deutsche als humorlos gelten, kann eine Portion Eigenwitz wiederum nur positiv überraschen.

Das Gleiche gelingt mit einem kleinen tschechischen Wortschatz, der Interesse signalisiert und die Bereitschaft, sich auf das Land einzulassen, es ernst zu nehmen. Während nicht ganz ein Drittel der Tschechen deutsch sprechen, ist das umgekehrt eher eine Ausnahme. Auch über das politische Geschehen und die Konjunktur in Deutschland sind Geschäftsleute häufig durch die starke Bezogenheit auf den großen Nachbarmarkt gut im Bilde. Nicht selten auch über den Geschäftspartner.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Fettnäpfchen Geschäftsessen

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