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13.06.2007 

Umgang miteinander

Lob, Wertschätzung und offene Freude über eine Leistung kommen gut an. Auf Unverständnis trifft hingegen die Eigenart, nichts zu sagen und damit auszudrücken, dass ja alles in Ordnung sei. Wer viel jammert und alles negativ sieht, erntet Unwillen. Die Gesprächsthemen Sex, Politik und Religion sind unter weniger gut Bekannten tabu, ebenso Geld. Mit einer Stellungnahme zu Pinochet etwa kann sich der Besucher, je nach Standpunkt des anderen, böse in die Nesseln setzen.

Keine Schwierigkeiten haben Chilenen dagegen mit Fahnen, Nationalhymnen und anderen patriotischen Symbolen. Viele Deutschstämmige sind sehr stolz auf ihr Erbe; der spezifisch deutsche Antipatriotismus erregt Befremden. Negative oder unglückliche Vergleiche mit den Nachbarländern sind nach Möglichkeit zu vermeiden. Chiles Verhältnis zu Peru und Bolivien ist historisch belastet; beide Länder gelten als Spieler einer niedrigeren Liga. Bei der wirtschaftlichen Entwicklung sollte man Chiles Erfolge betonen. Vorsicht ist geboten bei den typisch chilenischen Understatements über das eigene Land und die eigene Kultur. Auch dem sollte man besser nicht zustimmen.

Bei der Anrede ist der Besucher mit dem formellen "Usted" (Sie) erst einmal auf der sicheren Seite. Es wird in der Regel beim ersten (schriftlichen) Kontakt gewählt, und im Umgang mit Angehörigen höherer oder niedrigerer Ebenen bleibt es auch dabei. Auf gleicher gesellschaftlicher Stufe ist hingegen das "Tú" üblich, und neue Bekannte fangen erstaunlich schnell mit dem Duzen an. Manchmal wird das "Tú" auch aus einer herablassenden Arroganz gebraucht. Chilenen benutzen gerne den Vornamen ohne das ungelenke "Señor/Señora", bei Höhergestellten allerdings mit "Don" bzw. "Doña". Als steif gilt es, den Besucher mit vollem Titel und Familiennamen anzusprechen. Floskeln in der Begrüßung sind ein Muss. Auf "Wie geht es?" folgt notgedrungen "Gut, und selbst?" und "Auch gut, danke!", auch wenn gerade gar nichts geht.

Die chilenische Gesellschaft ist formaler als die deutsche. Im Geschäftsleben sind Jackett und Krawatte beziehungsweise Kostüm unerlässlich. Auch sonst wird auf Einhaltung der gesellschaftlichen Regeln geachtet; im Restaurant sollte man Wein- und Wassergläser auseinanderhalten können. Bei großen Anlässen ist man auch abends formal gekleidet, Abendessen im kleineren Kreis jedoch sind locker und ungezwungen (einfach nachfragen, ob Krawatte oder Kleid gewünscht sind). Im Finanzsektor ist der "Casual Friday" beliebt, außerdem gibt es einen Sommerfahrplan: Von Weihnachten bis März ist das kurzärmelige Hemd ohne Krawatte weitgehend akzeptiert. In den Urlaubsmonaten Januar und Februar herrscht im chilenischen Business ohnehin weitgehend Funkstille.

Frauen sind in Chile weniger als irgendwo sonst in Lateinamerika im Arbeitsmarkt integriert und besetzen im Privatsektor nur 4% der Führungspositionen. In den oberen Schichten arbeitet jedoch die Mehrzahl der Frauen, und an den angesehenen Universitäten überwiegt ihr Anteil unter den Studenten. Wo die Männer Angst vor weiblichem Erfolg haben, sind Macho-Reaktionen zu erwarten. Im Allgemeinen jedoch gibt es in der Business-Welt keine sexistischen Probleme mehr im Umgang mit Frauen, die gleichrangige Positionen bekleiden. Kavaliershandlungen sind als Kompliment zu verstehen; ein feministischer Kreuzzug eckt mit Sicherheit an.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Die erste Begegnung mit dem Geschäftspartner

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