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28.08.2008 
Einstiegsmöglichkeiten für ausländische Investoren

Schweden: Nachfolger verzweifelt gesucht

von Christian Tippelt und bfai

In Schweden werden sich in den nächsten Jahren Tausende von Unternehmern zur Ruhe setzen. Die anstehenden Generationswechsel führen zu interessanten Einstiegsmöglichkeiten für ausländische Investoren und Existenzgründer. Chancen und Risiken liegen allerdings nah beieinander.

HB STOCKHOLM. Innerhalb der nächsten zehn Jahre stehen in Schweden rund 180 000 Unternehmensübergaben an, schätzt der Unternehmerverband Svenskt Näringsliv. Bei vielen Firmen erfolgt die Übergabe aus Altersgründen. Insbesondere die kleinen und mittleren Betriebe, die 99 Prozent der rund 600 000 schwedischen Unternehmen stellen, sind auf diesen Fall nicht oder nur unzureichend vorbereitet.

Vielfach fehlen mögliche Nachfolger oder inländische Kaufinteressenten, so eine Untersuchung der staatlichen Förderorganisation Nutek. Das eröffnet interessante Chancen für ausländische Investoren, meint Sigbritt Larsson, die bei Nutek für eine groß angelegte Initiative zum Thema Unternehmensnachfolge zuständig ist: "Eine Unternehmensakquisition im Zuge dieser Generationswechsel ist für ausländische Unternehmer ein gängiges und geeignetes Mittel für eine Existenzgründung, einen Markteinstieg oder eine Ausweitung der Geschäftsbasis."

Diese Einschätzung kann auch Martin Wikström, der den Düsseldorfer Finanzdienstleister Direct Invest in Schweden vertritt, bestätigen. Die Investmentfirma ist seit 2007 im größten nordeuropäischen Land aktiv und beteiligt sich an Familienunternehmen, deren Eigentümer im Zuge unternehmerischer Generationswechsel ihre mehrheitlichen Anteile abgeben wollen. "Infrage kommen für uns insbesondere Unternehmen mit Jahresumsätzen von 20 Millionen bis 500 Millionen Euro", schildert Wikström. Strategisches Ziel sei es, die ins Auge gefassten Firmen über die Investition zu stärken und gleichzeitig Hauptanteilseigner zu werden. Für die ersten Investitionen im schwedischen Markt stellt die Firma circa 300 Millionen Euro zur Verfügung.

Firmenakquisitionen im Zuge eines Generationswechsels sind allerdings nur bedingt eine Frage des Geldes. "Gerade bei der Übernahme von Familienunternehmen kommt es darauf an, die bisherigen Eigentümer einzubinden und deren Leistungen zu würdigen", weiß Wikström. "Geld ist dabei zwar ein wichtiger Faktor, aber nicht alles. Bei inhabergeführten Firmen handeln die Eigentümer oft emotional." Bei den Übernahmekandidaten sei es zudem wichtig, die Rolle des bisherigen Eigentümers zu erkennen. "Manchmal basieren Geschäftsmodelle sehr stark auf dem Inhaber. Verlässt er die Firma, gehen auch die Umsätze in den Keller", warnt der Experte.

Die steuerlichen Rahmenbedingungen für Unternehmenskäufer sind in Schweden gut: Seit 2005 gibt es keine Erbschaftsteuer mehr, 2007 wurde auch die Vermögensteuer abgeschafft. Außerdem hält sich die Belastung der Körperschaftsteuer mit maximal 28 Prozent im Rahmen. Schwierig gestaltet sich aber häufig das Aufspüren geeigneter Übernahmekandidaten. Hilfestellung bei der Identifizierung, Auswahl und Übernahme bieten neben Investmentfirmen üblicherweise Anwaltskanzleien, Firmenmaklerbüros oder Banken. "Viele dieser Berater kennen aber nur die üblichen Verdächtigen", meint Martin Wikström. "Wer lukrative ,hidden champions? finden will, braucht persönliche Netzwerke und fundierte Marktkenntnisse."

Zehn Leitfragen für die Firmenübernahme

1. Welche strategischen Entwicklungspotenziale hat das Unternehmen?

2. Wie sieht die Wettbewerbssituation aus?

3. Ist die Firma hinsichtlich Organisation, Expertise und anderer Ressourcen leistungsfähig?

4. Welche technischen Kompetenzen sind vorhanden?

5. Wo liegen unerschlossene Kunden- und Marktsegmente?

6. Wie sieht die Unternehmenskultur aus?

7. Wie gestalten sich Personalsituation und Rekrutierungsmöglichkeiten?

8. Welche Aufgaben und Bedeutung haben die jetzigen Inhaber/Geschäftsführer und anderen Leistungsträger in der Firma?

9. Was geschieht, wenn diese Akteure aus dem Unternehmen ausscheiden?

10. Falls der bisherige Inhaber/Geschäftsführer im Unternehmen bleibt: Über welche Kompetenzen und Zuständigkeiten verfügt er?


Aus Markets 02/2008. Weitere interessante Artikel über Länder, Branchen und Märkte finden Sie in "markets - Das Servicemagazin für Außenwirtschaft". Es erscheint alle zwei Monate und kostet 3,80 Euro (Jahresabo: 19 Euro).

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