4 Bewertungen *****
29.01.2007 

Südafrika verfügt über eine Deutsche Industrie- und Handelskammer für das südliche Afrika. Das südafrikanische Verbandswesen ist derweil erst im Aufbau. Die große Masse der Verbände sind reine Interessengemeinschaften, bei denen kaum Informationen oder gar Dienstleistungen abgefragt werden können. Welche positive Rolle ein funktionierendes Verbandswesen für die gesamte Volkswirtschaft haben kann, wurde in Südafrika immer noch nicht ausreichend erkannt. Es gibt aber auch löbliche Ausnahmen wie zum Beispiel die Verbände der Kfz-Industrie und der Kfz-Teilehersteller.

Deutschland ist in der Hauptstadt Pretoria mit einer Botschaft sowie in Kapstadt, Durban und Port Elizabeth mit einem Konsulat beziehungsweise Honorarkonsul vertreten. Stärke der Botschaft sind ihre besonderen Kontakte zur südafrikanischen Regierung und halbstaatlichen Stellen. So folgen einer Botschaftereinladung unter Umständen auch hochrangige Personen der südafrikanischen Regierung, die eine private Einladung sonst nicht ohne weiteres annehmen würden. Mit Hilfe der Botschaft können mitunter Türen geöffnet werden, die sonst verschlossen bleiben.

Ein guter Partner und Berater bei der Kontaktaufnahme und Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern ist das Bankwesen. Südafrika verfügt über eine Reihe eigener professioneller Banken, die vor allem im "corporate business" ein internationales Niveau erreichen. Die wichtigsten Großbanken des Landes sind die First National Bank, Nedbank Group, Standard, Absa und Investec. Deutsche Banken sind mit einer eigenen Filiale durch die Commerzbank und die Deutsche Bank (nur Investment Banking) vertreten, während Dresdner Bank und Westdeutsche Landesbank nur Repräsentanzen unterhalten.

Wo die erste Begegnung zwischen einem ausländischen und einem in Südafrika ansässigen Geschäftspartner stattfindet, hängt entscheidend von der Zielsetzung des Treffens ab. Ist es der ausländische Geschäftspartner, der mit einem südafrikanischen Unternehmen zusammenarbeiten möchte, findet das erste Meeting meist im Büro des Gesprächspartners statt. Wird der ausländische Gast als zumindest halbwegs wichtig angesehen, dann holt man ihn in seinem Hotel ab. Ein erstes Treffen im Restaurant oder im Hotel des Besuchers ist im vorgenannten Fall eher unüblich. Nicht gerne gesehen werden ausländische Geschäftsreisende, die unter Hinweis auf ihren knappen Terminkalender in ihrem Hotel "Hof halten" möchten. Völlig anders ist die Situation dagegen, wenn es vor allem um die Interessen des südafrikanischen Unternehmens geht. In diesem Fall wird sich der ausländische Gast den geeigneten Treffpunkt aussuchen können.

Wer mit einem südafrikanischen Gesprächspartner einen Termin vereinbaren will, kann sich in aller Regel von dessen Sekretärin direkt durchstellen lassen. Es ist üblich, Gesprächstermine schon vor der Anreise nach Südafrika zu vereinbaren. Dank hervorragender Telekommunikationsverbindungen ist dies problemlos möglich. Ein südafrikanischer Geschäftsmann verfügt grundsätzlich über Telefon, Fax, Handy und E-Mail-Adresse und erwartet gleiches auch von einem ausländischen Geschäftspartner. Die Kontaktaufnahme per Post kann nur mit Einschränkungen empfohlen werden, weil Briefe in Südafrika eher langsam und nicht immer zuverlässig zugestellt werden, dabei gehen Sendungen an Straßenanschriften häufiger verloren als Sendungen an Postfächer.

Zwar verfügen fast alle südafrikanischen Geschäftsleute mittlerweile über eine E-Mail-Adresse, aber nicht jeder schaut täglich nach. Auch in den Vorzimmern geht mitunter manches verloren. Wer per Fax oder E-Mail wichtige Schreiben versendet, sollte bei der Sekretärin des Partners sicherheitshalber noch einmal anrufen, um nachzufragen, ob die Nachrichten auch angekommen sind, bei E-Mails sollte eine elektronische Empfangsbestätigung anfordert werden. Für den Postversand von Südafrika nach Europa kann auf das private Unternehmen PostNet zurückgegriffen werden, das einigermaßen schnell, zuverlässig und überaus preiswert arbeitet.

Auch in Südafrika sind mittlerweile Anrufbeantworter stark verbreitet. Wer unter einer Handy-Nummer den Teilnehmer nicht erreicht, kann ebenfalls eine Nachricht hinterlassen. "Wir rufen Sie gleich zurück", heißt es dann in der Ansage. Der gleiche Satz ist auch Standard jeder Sekretärin, wenn der Chef nicht erreichbar ist. Zurückgerufen wird allerdings nur sehr selten, weshalb eher ein empfohlener Zeitpunkt für den eigenen Rückruf genutzt werden sollte. Problematisch ist häufig die Kontaktaufnahme mit öffentlichen Stellen. Bei diesen kann es "Ewigkeiten" dauern, bis man telefonisch mit der richtigen Person verbunden ist. Wer von Deutschland aus zeitig einen Gesprächstermin vereinbart hat, sollte diesen nach der Ankunft in Südafrika sicherheitshalber noch einmal telefonisch rückbestätigen.

Südafrikanische Geschäftspartner sind bei Geschäftsbesprechungen pünktlich und erwarten dies auch von ihren Besuchern, vor allem aber von deutschen Geschäftsleuten, weil diese im Ruf stehen, es bei der Pünktlichkeit sehr genau zu nehmen. Die großen Städte Südafrikas verfügen über gute Straßen, die in der Regel nur zur morgendlichen und abendlichen Rush Hour verstopft sind. Letzteres ist vor allem auf der Verkehrsachse Johannesburg - Pretoria ein erhebliches Problem. Der Ballungsraum Johannesburg - Pretoria sowie Kapstadt und Durban ziehen sich in die Breite, was bei der Planung der Fahrzeit berücksichtigt werden muss. Außerhalb der Verkehrsspitzenzeiten kann mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 bis 55 km/h kalkuliert werden. Als Zeitrahmen für eine erste Begegnung können eine Stunde bis eineinhalb Stunden angesetzt werden.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Drei aufeinanderfolgende Handschläge

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz: Risk-Flow: Testen Sie Ihr Frühwarnsystem

Los geht's!Der Spielraum der Finanzjongleure hat sich erheblich verkleinert, die Risikoabsicherung wird immer wichtiger. Kennen Sie sich aus?

weiterStartup

Rosenblütensekt und Blütensalze für Feinschmecker  Artikel in Merkliste

15.09.2008

Vor vier Jahren gründete Diplombiologin und Blütenscout Anja Quäschning die Deutsche Blütensekt Manufaktur. Zu ihren Produkten gehören Rosenblütensekt und Blütensalze, ihre Kunden sind Gastronomen aber auch Privatleute. Das Geschäft mit dem Handerlesenen wächst – nun will Quäschning will die Firma auf Expansionskurs bringen. Artikel


Anzeige