Geschäftsbesprechungen werden zügig und konzentriert durchgeführt und nur selten durch Telefongespräche oder Personen unterbrochen. Sind alle geschäftlichen Themen abgehakt, ergibt sich meist die Überleitung zu einer kurzen privaten Konversation. Dann kann es gut sein, dass man sich nach zwei bis drei nicht-geschäftlichen Sätzen verabschiedet, oder es ist auch durchaus üblich, dass sich ein nichtgeschäftliches Gespräch noch etwa 15 Minuten hinzieht. Südafrikanische Geschäftsleute freuen sich durchaus über interessante Besucher aus Europa.
Geschäftssprache ist Englisch, es sei denn, der südafrikanische Gesprächspartner schlägt von sich aus eine andere Sprache vor. Wer als ausländischer, insbesondere als westeuropäischer Besucher die englische Sprache nicht gut beherrscht, sollte lieber zu Hause bleiben. Geschäftsleute, die mit Dolmetscher anreisen oder mit regionalem deutschen Akzent ein brüchiges Schulenglisch zum Besten geben, werden kaum als internationale Partner ernst genommen.
In Bezug auf den Auftakt einer Geschäftsbesprechung und die verwendeten Anreden gelten, abgesehen von den schon zuvor genannten Hinweisen, keine besonderen Regeln. Mehr als 80% aller südafrikanischen Geschäftspartner sind Weiße. Üblich sind sachliche und professionell geführte Gespräche, ein Hang zu langem Palaver ist nur selten anzutreffen. Bezüglich Themenfolge, Zeitrahmen, Atmosphäre sowie Verhandlungsstil, -kultur und -strategie unterscheidet sich eine südafrikanische Besprechung kaum von einer in Westeuropa geführten. Nur bei indischen Geschäftspartnern fällt mitunter auf, dass diese in ihrer Mentalität und ihrem Wertesystem zum Teil noch sehr am Mutterland hängen. Anders als in Deutschland werden bei Geschäftsbesprechungen fast immer Getränke, meist Tee oder Kaffee sowie ein Glas Wasser angeboten.
Bestimmte Themen gelten als brisant und sollten gemieden werden, will man sich nicht dem Risiko aussetzen, in ein "Fettnäpfchen" zu treten. Vorsicht ist vor allem bei den Themen Rassismus und afrikanische Politik angebracht - Besserwisserei sollte in jedem Fall vermieden werden. Südafrikaner sind Stolz auf ihre industriellen Errungenschaften, ihr Know-how und ihre Infrastruktur und werden nicht gerne an ihre Unzulänglichkeiten erinnert. Engländer erweisen sich mit ihrer vornehmen Zurückhaltung oft als sehr viel bessere Verhandlungsführer als deutsche Geschäftsreisende.
In Bezug auf die Entscheidungsträger ist darauf hinzuweisen, dass auch in der Hierarchie eher niedrig angesiedelte Gesprächspartner über einen im internationalen Vergleich sehr viel höheren Entscheidungsspielraum verfügen. Ursache ist der erhebliche und zunehmende Mangel an Fach- und Führungskräften im Land - unter anderem eine Folge des unzulänglichen beruflichen Ausbildungswesens und der Abwanderung. Das alte Vorurteil, schwarze Manager hielten nur Alibifunktionen inne, hatte vielleicht eine Berechtigung kurz nach der politischen Wende, inzwischen aber weitestgehend nicht mehr; auch wenn sich über Erfahrung und Kompetenz im Einzelfall sicherlich noch streiten lässt.
Im öffentlichen Sektor geht es - vor allem im afrikanischen Kontext - vergleichsweise korrekt zu. Auch wenn hohe Funktionsträger häufig den Eindruck vermitteln, selbst entscheiden zu können, liegt die eigentliche Macht für Vertragsabschlüsse und Beschaffungen bei den "Tender Boards" und besonderen Ausschüssen. Diese werden, weil es zu wenige schwarze Fachleute gibt, weiterhin stark von Weißen beeinflusst. Wer auf die Entscheidung von Ausschreibungen einen positiven Einfluss nehmen will, kann dies noch am besten dadurch tun, dass er der damit betrauten Stelle mit seinem Fachwissen hilft, die Ausschreibung vorzubereiten. Ohne einen schwarzen so genannten Black-Economic-Empowerment-Partner hat man bei einer öffentlichen Ausschreibung de facto keine Chance.
Im Transparency-Index von 2005, der eine Einschätzung von Geschäftsleuten und Länderanalysten zum Korruptionsgrad eines Landes widerspiegelt, liegt Südafrika auf Rang 46. Damit wird das Land ähnlich eingeschätzt wie Tunesien, Kuwait, Tschechien und Griechenland.
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