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29.01.2007 

Grundsätzlich liebt der Südafrikaner das offene Haus. Gegenüber Ausländern ist jedoch von Seiten alteingesessener Südafrikaner mitunter eine gewisse Zurückhaltung zu spüren - oft im Gegensatz zu "Neusüdafrikanern", die noch vor ein paar Jahrzehnten selbst Ausländer waren. "Alte" Südafrikaner laden einen Geschäftspartner deshalb, wenn überhaupt, privat nur zu einem Restaurant oder einem Club ein. Erst wenn es eine vertiefte Beziehung gibt, kann mit einer Einladung am Wochenende nach Hause zum "Braai" gerechnet werden, einem geselligen Zusammensein mit Grillgut und Bier.

Anzumerken sei an dieser Stelle, dass englischsprechende Ausländer eigentlich nur drei südafrikanische Worte lernen müssen. Das eine ist "Robot", die südafrikanische Bezeichnung für eine Verkehrsampel, "Biltong", getrocknete Fleischstückchen oder -scheibchen, die gerne zum Bier gereicht werden, sowie "Braai", ein Wort, das nach südafrikanischem Verständnis nicht übersetzt werden kann, auch wenn Wörterbücher die Begriffe Grillen oder Barbecue anbieten. Das "Braaien" ist ausschließlich Männersache und wird zelebriert. Aus westeuropäischer Sicht wird das Braaigut über eher kleiner Hitze gegart oder im geschlossenen Braaigerät geräuchert, was zu einer relativen Austrocknung des Fleisches führt. Der ausländische Besucher sollte sich jedweder Bemerkung, die als Kritik interpretiert werden könnte, enthalten.

Ein solcher Braai am Wochenende ist eine sehr legere Angelegenheit. Auch hochrangige Gastgeber laufen im Sommer mit Shorts und Sandalen herum und trinken das Bier mitunter direkt aus der Dose. Die Veranstaltung zieht sich meist von 13 Uhr bis 18 Uhr hin, dabei wird oft erst um 15 Uhr gegessen. Wer die südafrikanische Braaikultur über die letzten beiden Jahrzehnte beobachtet hat, dem fällt auf, dass es mit dem einstigen Überfluss vorbei ist. War noch vor 15 Jahren an jedem Wochenende ein Braai mit Bergen von bestem Fleisch angesagt, so ist heute alles weniger geworden: Weniger Braais, kleinere Fleischportionen, mehr Bratwürste (Boerewors) und weniger Filets. Zunehmend üblich werden auch "bring and braai", eine Veranstaltung, wo jeder sein eigenes Fleisch mitbringt.

Südafrikanische Gastgeber sind ausländischen Gästen gegenüber meist sehr zuvorkommend. Sie holen diese im Hotel ab und fahren sie auch wieder zurück. Man fährt lieber einen Umweg, als dem Gast ein paar Schritte zu Fuß zuzumuten. Dies war auch schon so, als der Kriminalitätsaspekt nicht zu berücksichtigen war. Obwohl Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft in Südafrika tendenziell abnehmen, wird ihnen weiterhin ein größerer Stellenwert beigemessen als zum Beispiel in Deutschland.

Im privaten Umgang sind keine besonderen Respektsbezeugungen zu beachten. "Fettnäpfchen" gibt es mehrere, konzentrieren sich aber auf die ohnehin zu meidenden Themenbereiche Rassismus, Politik und Religion. Es gibt keine "heiligen Kühe". Vorsicht ist gegebenenfalls beim Thema Auswanderung angesagt. Viele Weiße, vor allem solche mit ausländischer Staatsangehörigkeit, machen sich ernsthafte Gedanken darüber, ob sie oder zumindest ihre Kinder noch eine Zukunft in Südafrika haben. Wer allerdings keinen ausländischen Pass hat, nicht mehr ganz jung ist oder kein hohes Vermögen hat, ist auch in den bekannten Einwanderungsländern nicht willkommen und wird deshalb nur sehr ungern hierüber reden.

Der Umgang zwischen den Geschlechtern ist aus westeuropäischer Sicht mitunter etwas verkrampft. Oft genug stehen Männer in einer Ecke und Frauen sitzen in einer anderen. In der Wortwahl sind Südafrikaner oft freizügig, in ihrem Verhalten aber oft eher prüde. Dies gilt vor allem für die Buren mit kalvinistisch-geprägter Weltanschauung, für Personen indischer Abstammung sowie für ältere Personen.

Das Freizeitverhalten wird bei vielen durch Sport bestimmt. Ausgeübt werden alle denkbaren Ballsportarten sowie Joggen und Fischen. Alle größeren südafrikanischen Städte verfügen über eine breite Palette von preiswerten Sportclubs und Fitnessstudios. Etwas tiefer in die Tasche muss nur bei prestigeträchtigen Golfclubs gegriffen werden. Für einen ausländischen Geschäftspartner ist es am wahrscheinlichsten, dass er zu einer Runde Golf eingeladen wird.


Weitere Informationen finden Sie bei der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai).

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