Ausländer haben eine gewisse Narrenfreiheit. In öffentlichen Verkehrsmitteln fallen westliche Besucher oft dadurch auf, dass sie im Gegensatz zum gedämpften Ton Einheimischer mit relativ lauter Stimme reden. Verpönt ist, sich schnäuzend die Nase zu putzen. Dies gilt besonders bei Tisch.
Ein Gespräch startet mit dem "Hallo" (Merhaba) und "wie geht's?" (nasilsiniz?). Danach wird der geographische und der familiäre Hintergrund beleuchtet. Oft schließen sich auf türkischer Seite Erzählungen über Besuche in Deutschland oder Verwandte, die in Deutschland leben, an. Anknüpfungspunkte für den deutschen Gesprächspartner können die Landesschönheiten der Türkei und die Gastfreundschaft sein. Reisen, Börse oder Internet bieten ebenfalls fruchtbaren Gesprächsstoff. Irgendwann wird mit großer Wahrscheinlichkeit das Thema "Fußball" angeschnitten.
Dem Ausländer sollten wenigstens die drei großen Istanbuler Mannschaften Galatasaray, Besiktas und Fenerbahce bekannt sein. Kenntnisse der türkischen Kultur und Geschichte werden nicht unbedingt vorausgesetzt. Tabuthemen sind Menschenrechte, die Armenierfrage, die Rolle der Streitkräfte und das Kurdenproblem. Sollte das Gespräch auf solche Punkte abschweifen, beschränkt sich der Ausländer besser auf das Zuhören. Das Thema "türkische Gastarbeiter in Deutschland" erregt im Allgemeinen keine Kontroversen.
Palette von Witzen parat halten
Türken haben einen besonderen Sinn für Witze und Humor. Unabhängig vom Geschlecht kann dies auch leicht ins Schlüpfrige gehen, vorausgesetzt es handelt sich nicht um religiös orientierte Gesprächspartner. Der Reisende sollte eine Palette von Witzen parat halten, um zum gegebenen Zeitpunkt seinen Teil dazu beizusteuern. Dabei bleiben Tabuthemen außen vor.
Bei der Terminplanung sind die türkischen Feiertage zu umgehen. Geschäftsleute nutzen die Feiertage oft für ein verlängertes Wochenende im Ausland oder im familiären Ferienhaus. Der Ramadan hat auf das Geschäftsleben keinen Einfluss. Der Jahresurlaub wird meist in den Monaten Juni bis August genommen.
Deutsche Firmen, die nicht auf Erstkontakte zurückgreifen können oder Alternativen suchen, sollten mit der Deutsch-Türkischen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Istanbul ( http://www.dtr-ihk.de) in Verbindung treten. Diese offeriert ein Baukastensystem der Kontaktvermittlung und bietet zur Orientierung eine Adressliste mit den 500 größten und zweitgrößten Unternehmen des Landes heraus.
Das in der Türkei etablierte System persönlicher Beziehungen kann der deutsche Geschäftsmann nutzen, um weitere Kontakte zu finden. Auch Fachfremde können weiterhelfen. Den besten Einstieg geben Referenzen. Wenigstens ein Empfehlungsschreiben seiner Hausbank sollte der Geschäftsreisende im Gepäck mitnehmen.
Lesen Sie weiter auf Seite 5: Aus vielen Vornamen geht das Geschlecht nicht hervor
