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04.10.2006 

Das fundamental gesellschaftlich verbindende Element in der gesamten Golfregion ist der Islam. Jeder, der diese Region bereist oder sich zeitweise dort aufhält, sieht sich veranlasst, elementare Kenntnisse über die Religion zu erwerben, um Sitten und Gebräuche verstehen zu können. Der Islam ist nicht nur eine Religion, sondern er bestimmt auch die Lebens- und Rechtssituation, aus der sich zahlreiche wirtschaftliche und gesellschaftliche Gegebenheiten erklären lassen. Besonders in Saudi-Arabien bestimmt der Islam fast alles. Eine Trennung zwischen Gesellschaft, Politik und Religion ist in der arabisch-islamischen Welt unbekannt.

Diese Aussage gilt eigentlich für alle Länder, in denen der Islam Staatsreligion ist. Das Spezifische an der Golfregion besteht darin, dass die traditionell arabisch-islamische Lebensweise ein sehr großes Gewicht hat und zum Beispiel äußerlich unter anderem in der fast einheitlichen Kleidung sowohl der Männer als auch der Frauen zum Ausdruck kommt. Diese repräsentiert das freiwillige Bekenntnis zu konstanten Wertvorstellungen in einer sich dynamisch ändernden Welt.

Das lange weiße Kleid der Männer, die sogenannte Dishdasha, die mit langen Ärmeln vom Hals bis zu den Fußknöcheln reicht, und das schwarze Gewand der Frauen, die sogenannte Abaya, haben selbstverständlich auch praktische Funktionen. Sie sind für das trocken-heiße Wüstenklima besonders gut geeignet. Die Kleidung ist also keineswegs Folklore. Sie dient nicht zuletzt als Unterscheidungsmerkmal zu anderen Arabern, die gleichfalls moslemischen Glaubens sind. Nur wenige ausländische Araber - zum Beispiel aus Syrien oder Tunesien - wagen es, sich wie Golfaraber zu kleiden.

Bei den Männern ist es annähernd möglich, die nationale Herkunft an der Kopfbedeckung zu erkennen. Die meisten Golfaraber, mit Ausnahme der Saudiaraber und Omaner, tragen ein weißes Kopftuch, die sogenannte Ghutrah. In Saudi-Arabien wird zum Beispiel meistens ein rot und weiß geschecktes Kopftuch, die sogenannte Shm'agh getragen. Die Kopfbedeckung der Omaner ist meistens ein kleiner bunter Turban.

Gespür für hierarchische Unterschiede

Bei Frauen sind nationale Unterschiede an der Kleidung nur schwer feststellbar. In den ländlichen Regionen der VAE tragen die Frauen eine lederne Gesichtsmaske, welche die Nase und den Mund bedeckt. Einheimische Frauen in Saudi-Arabien sind dort entweder vollständig verschleiert oder nur die Augenpartie ist sichtbar.

Die Golfaraber haben ein sehr feines Gespür für hierarchische Unterschiede. Kaum ein arabischer Minister spricht mit einem Staatssekretär oder Abteilungsleiter, der aus einem westlichen Ministerium kommt. Es muss schon ein gleichrangiger Minister sein. Andernfalls entsteht auf arabischer Seite ein Minderwertigkeitsgefühl.

In der Geschäftswelt sieht dies nicht viel anders aus. Die Gründung eines Joint Venture im Industriebereich muss unter Beteiligung der beiden Firmeneigentümer erfolgen. Handelt es sich dabei auf deutscher Seite um ein Großunternehmen, sollte mindestens ein Vorstandsmitglied beim Gründungsakt anwesend sein. Am liebsten sind den Golfarabern deutsche Familienunternehmen, da sie das Ambiente von solchen Firmen aus eigener Anschauung heraus kennen.

Kommt ein Golfaraber mit einem millionenschweren Auftrag nach Deutschland, so möchte er von einem Vorstandsmitglied, wenn nicht sogar dem Vorstandsvorsitzenden empfangen werden. Handelt es sich bei diesen Personen auf deutscher Seite um Frauen, ist er zunächst etwas irritiert. Er akzeptiert diesen Gesprächspartner aber vollständig, wenn ihm die herausragende Stellung der Frau auf diskretem Wege nochmals verdeutlicht wird.

Dies hat nichts mit übertriebener Eitelkeit oder Stolz zu tun, sondern ist auf die Tatsache zurückzuführen, dass große arabische Unternehmen zwar sehr oft Familienbetriebe sind, in denen neben dem Vater als Leiter des Unternehmens und den Söhnen auch die Töchter mitarbeiten oder sogar Leitungsfunktionen übernehmen. Sie stehen als Gesprächspartner nach "außen hin" in der Regel jedoch nicht zur Verfügung.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Es macht keinen Sinn, Termine Monate oder Wochen im Voraus zu planen

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