Die Freitagsruhe sollte unter keinen Umständen durch Geschäftstelefonate gestört werden. Donnerstags ist dies bis 12.00 Uhr lokaler Zeit manchmal noch möglich. Die staatliche Administration arbeitet von Samstag bis Mittwoch in der Regel zwischen 7.30 und 14.00 Uhr.
In der privaten Geschäftswelt sieht es ähnlich aus. Allerdings wird dort länger gearbeitet. Die Büros schließen dort gegen 13.00 Uhr und öffnen wieder gegen 16.00 oder 16.30 Uhr, um dann bis 19.00 Uhr geöffnet zu bleiben. In freien Berufen wird teilweise bis 22.00 Uhr gearbeitet. Der Donnerstag als arbeitsfreier Wochentag hat sich in der Privatwirtschaft noch nicht überall durchgesetzt. Wegen der oft dringlichen Kommunikation mit der restlichen Welt wird hauptsächlich in exportorientierten Unternehmen noch am Donnerstag gearbeitet und unter Umständen der Samstag als zweiter Wochenendtag genutzt. Viele Unternehmen kennen als einzigen Ruhetag in der Woche nur den Freitag.
In Saudi-Arabien gilt während der allgemeinen Bürozeit eine rigoros durchgesetzte Gebetszeit. Dabei erfolgt in den meisten Fällen eine Totalschließung der Büros oder der Geschäfte. Alle Schreibtische sind zu räumen, die PC's und das Licht sind auszuschalten. Die "Ungläubigen" haben dann vor den Büros oder Geschäften so lange zu warten, bis die "Gläubigen" vom Gebet zurückkommen und die Büros und Geschäfte wieder öffnen. Reisenden nach Saudi-Arabien ist tägliche Lektüre der Gebetszeiten in den englischsprachigen Tageszeitungen sehr zu empfehlen.
Ramadan, der Fastenmonat der Moslems, bringt erhebliche Arbeitszeitumstellungen mit sich. Generell ruhen dann viele geschäftlich Aktivitäten. In dieser Zeit sollen möglichst nur Kenner der Region in die Golfstaaten reisen. Besonders Aufenthalte in Saudi-Arabien sollten während des Fastenmonats unterbleiben. Sie sind dann auch von der lokalen Geschäftswelt nicht erwünscht. Speisen und Getränke sind für westliche Besucher oft nur auf Hotelzimmern erhältlich. Für Moslems gilt in allen Ländern der Golfregion ein striktes Fastengebot von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Im öffentlichen Bereich wird die Einhaltung der Ramadanregeln polizeilich kontrolliert.
Bei Geschäftsangelegenheiten betrachten Araber Familien- oder Stammesmitglieder als primäre Geschäftspartner. Die Familie gilt als eine fundamentale und starke Allianz, in der Loyalität gegeben und empfangen wird. Über gute Geschäftschancen wird in der Familie offen gesprochen und die Angelegenheit dann zwecks Wahrnehmung auch an fähige Mitglieder weitergeleitet. Geschäfte im Familienkreis gelten mit geringeren Risiken hinsichtlich von Verlusten und Überraschungen behaftet.
Echter oder nur ein vorgetäuschter Freund?
An zweiter Stelle auf der Präferenzliste folgen Freunde - zumeist Anhänger des moslemischen Glaubens. Es sind Personen, in welche die Araber Vertrauen setzen und deren Denk- und Handelsweise sie kennen. Den dritten Platz nehmen Fremde ein - zumeist westliche Ausländer. Letzteren ist es aber durchaus möglich, zum Status eines Freundes aufzusteigen. Mit Freunden besteht eine Vertrauensbasis, die für arabische Geschäftsleute von äußerster Wichtigkeit ist. Die Araber haben ein sensibles Gespür dafür, wer ein echter oder nur ein vorgetäuschter Freund ist.
Freundschaft und Vertrauensbasis sind unter anderem deshalb für sie wichtig, weil sie sich nicht so sehr mit Detailfragen befassen möchten und ihnen vertragliche und rechtliche Absicherungen oder dingliche Sicherheiten als weniger solide Geschäftsgrundlage gelten. Die strenge Unterscheidung zwischen kommerziellen und anderen Dingen, wie sie in der westlichen Welt getroffen wird, ist den Arabern ohnehin unbekannt. Ein Geschäft gehört zum Alltag. Es kann zu jeder Tages- und Nachtzeit und an allen Orten abgeschlossen werden, sofern die Umstände dafür optimal und die richtige Stimmung vorhanden sind.
Aus all diesen Gründen ist es wichtig, einen Repräsentanten am Golf zu haben, der in der Lage ist, die richtigen Kontakte zu Golfarabern zu unterhalten. Er soll möglichst mit weiten Vollmachten ausgestattet sein, um flexibel auf alle Geschäftsmöglichkeiten reagieren zu können.
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