Nach westlicher Art durchgeführte Geschäfts- oder Arbeitsessen stoßen auf Ablehnung. Kommerzielles ist vor dem Essen zu erledigen. Zumeist wird schweigend gegessen. Bevorzugt werden Restaurants, die Buffet-Gerichte anbieten. Die arabische Seite schätzt die Gelegenheit, unter vielen Gerichten etwas aussuchen zu können. Tellergerichte von der Menükarte genießen kaum eine Präferenz.
Nach dem Hauptgericht werden Nachspeise und Kaffee/Tee in schneller Folge serviert. Ist der letzte Schluck Kaffee genommen, stehen die Araber abrupt auf und verlassen den Raum. Das letzte Getränk gilt als Startsignal für den Aufbruch. Die im Westen übliche Gewohnheit, nach dem Essen sich in einen Nebenraum zurückzuziehen und dort noch gemeinsam ein warmes Getränk zu konsumieren, ist den Golfarabern unbekannt. Nach dem Essen ist alles zu Ende. Einladungen zum Dinner starten relativ früh am Abend. Zuerst beginnt eine oft stundenlange Unterhaltung. Oft erst gegen 22.00 oder 23.00 Uhr wird dann das Abendessen serviert/eröffnet (Buffet). Ist das Essen beendet, geht man unmittelbar danach nach Hause.
Die Sitzordnung entspricht derjenigen in europäischen Ländern. Tischreden und Trinksprüche werden keine gehalten. Von den Golfarabern wird eindeutig die arabische Küche bevorzugt, die von wenigen Ausnahmen abgesehen, hauptsächlich libanesisch/syrischen Ursprungs ist. Sie besteht aus verschiedenen Gemüse- und kleinen Fleischgerichten mit vorwiegend Reiszubereitungen. Lamm-, Geflügelfleisch und Fisch werden eindeutig bevorzugt. Danach kommen Ziegen- und Kamelfleisch. Insgesamt trägt die Küche am Golf noch stark mediterrane Züge.
Es wird streng darauf geachtet, dass die Speisen "halal" sind. Dies bedeutet, dass Nahrungsmittel und Getränke frei von Blut, Schweinefleisch sowie Alkohol sind und dass die Tierschlachtung nach islamischen Methoden erfolgte. Letzteres lässt sich nicht immer feststellen. Bei der levantinischen Küche kann aber davon ausgegangen werden, dass diese weitgehend "halal" ist. Bluttriefende, saftige Steaks sind in dieser Küche nicht geläufig. Besonders stark wird darauf in Saudi-Arabien geachtet.
Den Konsum von Alkohol im Beisein mehrerer westlicher Ausländer lehnen die meisten Araber strikt ab. Dies ist auch in Golfländern der Fall, in denen der Verkauf von alkoholischen Getränken gestattet ist (VAE, Oman, Katar, Bahrain). Es ist besser für die allgemeine Geschäftsatmosphäre und auch höflich, wenn auch die anwesenden westlichen Partner auf alkoholische Getränke verzichten. Durch diese Geste wird mehr Gemeinsamkeit und Verständnis der arabischen Seite signalisiert.
Manche Golfaraber sind dem Alkoholkonsum nicht abgeneigt. Sie zeigen dies jedoch unter keinen Umständen in der Öffentlichkeit. Nur in ihren privaten Räumen oder bei Gelegenheiten, wenn kein anderer Araber anwesend ist, genehmigen sie sich alkoholische Getränke.
Verständigung erfolgt in der Regel über Englisch
Verhandlungen mit Golfarabern sind grundsätzlich keine komplizierte Angelegenheit. Die Verständigung erfolgt in der Regel über Englisch. Lediglich in Saudi-Arabien sind häufiger die Dienste von Dolmetschern notwendig. Über Geschäfte reden, feilschen und verhandeln zählt traditionell zu den Lieblingsbeschäftigungen eines Golfarabers. Dieser sieht es fast als tägliche sportliche Übung an, wobei die freundlichen Aspekte des Feilschens teilweise in taktische Härte umschlagen können.
Ein besonderer Verhandlungsstil oder eine spezifische Verhandlungskultur ist auf arabischer Seite kaum bekannt. Die Verhandlungsstrategie ist sehr einfach ausgelegt. Sie besteht häufig darin, deutsche Qualitätsprodukte zu indischen Preisen zu erlangen. Dass diese Verhandlungstaktik nicht unbedingt zum Erfolg führt, ist den Arabern bekannt. Bei allen Verhandlungen bleibt es jedoch bei der Zielrichtung, für alles einen möglichst geringen Preis zu zahlen. Qualitätsaspekte spielen - bis auf einige spezifische Ausnahmen - bei jeglichen Verhandlungen bestenfalls eine sekundäre Rolle.
Angesichts der absoluten Zielsetzung der arabischen Seite, den Preis stets auf ein Minimum zu drücken, sind auf westlicher Seite verschiedene Überlegungen anzustellen. Die erste Überlegung ist: Will man in dieser Weltregion langfristig geschäftlich Fuß fassen oder will man nur gelegentlich Marktchancen wahrnehmen? Ferner ist die Frage zu stellen: Wie kann ich beim Feilschen um den Preis am besten mithalten?
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