0 Bewertungen
01.05.2008 

Kulturell sowie auch durch die Verbreitung der christliche Religion und nicht zuletzt klimatisch ist Ungarn in Mitteleuropa zu Hause. Dadurch ergeben sich viele Gemeinsamkeiten vor allem mit Süddeutschland und die Gefahr, in Fettnäpfchen zu treten, sei nicht sehr groß, stellt Elisabeth Bálint-Cherdron fest, die Unternehmen in interkulturellen Fragen berät. Unterschiede im Umgang miteinander ergeben sich aber durch die Beziehungsorientierung der Ungarn gegenüber den vorwiegend sachorientierten Deutschen. Hier liegt die Wurzel vieler Missverständnisse.

Grundsätzlich geht es in Budapest etwas formeller zu als an Rhein oder Spree und gegenüber Damen auch galanter. So ist bei der Begrüßung noch eine leichte Verbeugung üblich, der Handkuss aber passé. Er hält sich nur noch in der Begrüßungsfloskel "Csókolom (Tschokolom - Küss'die Hand), die jüngere Frauen heute aber ablehnen. Mit höflichem Benehmen - und dafür sind die Grundregeln den deutschen vergleichbar - wird in Ungarn die gute Herkunft signalisiert. Gegenüber Unhöflichkeiten sind Ungarn sehr empfindlich. Sie werden leicht als Kränkung aufgefasst. Die direktere Art der Deutschen wirkt nicht selten arrogant, was den guten ersten Eindruck trüben könnte.

Zu den Höflichkeiten, die sehr positiv aufgenommen werden, gehört das Mitbringen kleiner Geschenke auch zu geschäftlichen Verabredungen. Sie müssen nicht wertvoll sein, sondern Interesse an der Person signalisieren. Etwas Typisches aus der Heimat, eine Süßigkeit, eine Delikatesse oder ein Getränk eignen sich gut dazu, aber auch etwas mit Bezug zum Beschenkten. Tabus bei Geschenken unterscheiden sich nicht von den deutschen. So haben rote Rosen oder Chrysanthemen für Damen in beiden Ländern die gleiche Symbolwirkung. Rote Nelken werden eindeutig mit dem Sozialismus verbunden.

Auch Pünktlichkeit zählt zum Komplex der Höflichkeiten, die speziell vom Ausländer erwartet werden. Es ist besser, fünf Minuten zu früh zu einem geschäftlichen Meeting zu kommen als zu spät. Darin wird eine Missachtung der Person oder des Amtes gesehen. Im privaten Umgang sind (kleinere) Verspätungen aber durchaus üblich.

Etwas formeller als in Deutschland ist auch die Kleiderordnung. Eine Anpassung wird durchweg aber nicht erwartet. Die in Deutschland üblichen Unterschiede nach Branchen sind auch in Ungarn bekannt. Spötteln über das typische Outfit ausländischer Geschäftsleute ist verbreitet und humorvoll gemeint. Bei männlichen Besuchern aus Deutschland ist es das blaue Hemd mit witziger Krawatte, das ein Schmunzeln auslöst, bei Frauen der Hosenanzug. Ungarische Frauen sind oft sehr modisch und auffallend gekleidet. Tun Ausländerinnen ihnen gleich, könnten sie womöglich in einem falschen Licht erscheinen.

In Mimik und Sprache sind Ungarn ausdruckstärker als Deutsche, auch etwas mehr Nähe ist zugelassen. Emotionen werden gezeigt und gestikulierend untermalt. Darin wird kein Gegensatz zu einem ausgeglichenen und reifen Verhalten gesehen, sondern eher zu einem kühlen und gleichgültigen. Im Gespräch fallen von Ungarn schon einmal abfällige Bemerkungen zum Beispiel über die Roma-Bevölkerung, die im Land stark benachteiligt ist. Solche emotionalen Äußerungen sind noch nicht völlig tabuisiert. Sie reizen Ausländer, die an politisch korrektes Verhalten gewöhnt sind, zum Widerspruch.

György Szalay, die die Besonderheiten in der interkulturellen Kommunikation zwischen Deutschen und Ungarn aus ihren Seminaren und aus Rollenspielen kennt, rät zu Zurückhaltung. Äußerungen dieser Art entsprächen nicht der tatsächlichen Geisteshaltung der modernen Ungarn. Die großen Ambitionen und das Selbstbildnis der Ungarn sei mit der Realität ihres Lebens vielfach noch nicht in Einklang.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Spezieller ungarischer Humor

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

weiterHandelsblatt Quiz

Quiz : Firmennachfolge: Der Nächste, bitte!

Los geht's!Tausende Unternehmen stehen in Deutschland jedes Jahr vor einem Generationenwechsel. Die Nachfolge ist nicht nur die Schlüsselübergabe von einem Chef...

weiterStartup

Wo Markenartikler ihre Restposten losschlagen  Artikel in Merkliste

01.09.2008

Das erste Geschäftsjahr ist noch nicht vorbei und Brands4friends hat bereits eine Million Clubmitglieder. „So viel hatten wir nicht so schnell erwartet, eher erst in zwei Jahren“, sagt Constantin Bisanz, 35, Mitgründer und Geschäftsführer des Shopping-Clubs. Im September ist der Internet-Shop aus Berlin ein Jahr online und schon Marktführer. Das Konzept: Markenartikel zum Schnäppchenpreis. Artikel


weiterAnzeige - Aktuelle Umfrage

Gesundheitsvorsorge 

Wie sieht es in Ihrem Unternehmen aus? Welche Maßnahmen ergreift das Management zur bevorstehenden Influenza-Saison 2008/2009? Bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um uns diese Fragen zu beantworten. Unter allen Teilnehmern verlosen wir einen exklusiven USB-Stick aus Edelholz, handgefertigt in der Thalbach Design Manufaktur. Das Unikat hat eine Speicherkapazität von 2 GB. Hier geht es zur Umfrage: WEB-Link


Anzeige