Sehr speziell ist der ungarische Humor. Er kann selbstironisch, schwarz und auch sarkastisch sein. Ungarn lachen über ihr eigenes Elend, machen aus ihrer Person einen Witz, weiß Bálint-Cherdron. Aber auch eine Portion Schadenfreude gehört dazu. Ausländer bekommen sie spätestens bei ihren ersten Versuchen, Ungarisch zu sprechen, zu spüren. Anlass sind in der Regel kleine phonetische Fehler, die aus einem harmlosen ein vulgäres Wort machen können. Angesichts der sprachlichen Klippen sollten Expats aber nicht den Fehler begehen zu sagen, dass es sich nicht lohne, Ungarisch zu lernen. Das wird als eine Kränkung aufgefasst. Wer in einem ungarischen Unternehmen tätig sein will, muss sich auch intensiv mit der Sprache beschäftigen.
Ungarn schätzen es sehr, wenn Ausländer Interesse an ihrer Geschichte, ihren Traditionen und Besonderheiten zeigen. Sie sind ein talentiertes Volk und wissen dies auch. Sie können dabei auf eine lange Reihe von Nobelpreisträgern, bedeutenden Erfindungen, auf herausragende Literaten, Musiker und Regisseure verweisen. Wer zum Beispiel weiß, dass der Hubschrauber von Oszkár Asbóth erfunden wurde, der Kugelschreiber von Laszló József Biró, der Vergaser von Donát Bánki, die Wasserstoffbombe unter Mitwirkung von Ede Teller oder die Rechenmaschine von János Neumann punktet in Gesprächen.
Die Wunde 1954
Auch schon einmal von großen Namen der ungarischen Literatur wie Endre Ady, Antal Szerb, Attila József, György Spiró, György Kertész, Sándor Márai gehört zu haben, schadet nicht. Ungarn sind sehr kulturbeflissen, eifrige Besucher von Konzerten und Opern. Bildung und intellektuelle Leistungen haben in der Gesellschaft einen hohen Stellenwert. Die Ungarn sind aber auch Sport begeistert: Nur die Niederlage im Fußball gegen die deutsche Mannschaft bei der Weltmeisterschaft von 1954 schmerzt noch immer und kein Deutscher sollte an diese Wunde rühren.
Aus der ungarischen Innenpolitik sollten sich Ausländer tunlichst heraushalten. Die Folgen, dem Lager des politischen Gegners zugeordnet zu werden, sind nicht überschaubar. Das Verhältnis zur Politik ist hochemotionalisiert. Ein große soziale Kluft, die Polarisierung zu Zeiten des Sozialismus und die als ungerecht empfundene Aufteilung in Gewinner und Verlierer nach der Wende haben in der jüngeren Geschichte einen tiefen Graben durch die Bevölkerung gezogen. Er macht vor den Familien nicht Halt und lässt selbst hier die Kommunikation zwischen den Anhängern unterschiedlicher politischer Lager verstummen. Nicht selten leiden Betriebsklima und Kommunikation am Arbeitplatz darunter. Es ist nicht auszuschließen, dass Ungarn in ersten Gesprächen mit Ausländern versuchen, herauszufinden, wie deren politische Einstellungen sind. Hier empfiehlt sich strikte Neutralität; denn Toleranz gegenüber Andersdenkenden ist noch nicht immer selbstverständlich.
Wird ein Vertriebs-, Kooperations- oder Projektpartner in Ungarn gesucht, hilft die Deutsch-Ungarische Industrie- und Handelskammer in Budapest. Die Kontaktvermittlung zu Endabnehmern von Produkten gehört dagegen gewöhnlich nicht zu ihren Dienstleistungen. Eine Ausnahme bilden die Kooperationsbörsen, die die DUIHK für Unternehmensdelegationen, im Rahmen von geförderten Geschäftsreiseprogrammen und anlässlich von ungarischen Messen organisiert. Ansonsten stellt sie für die Kundensuche geprüfte Adressenlisten zusammen. Geht es um Investitionsprojekte in Ungarn und die dafür zu erwartenden Förderungen ist die ungarische Investitions- und Handelsförderungsstelle ITDH die richtige Adresse.
Den ersten Kontakt zu einem Unternehmen oder einer Organisation in Ungarn nimmt der nicht sprachkundige Ausländer am Besten per E-Mail auf. Ungarn scheuen sich oft, am Telefon gegenüber Fremden ihre vermeintlich ungenügenden Fremdsprachkenntnisse einzubringen, so dass ein Gespräch möglicherweise erst gar nicht zustande kommt. In den noch stark hierarchisch strukturierten Unternehmen mit Resten eines patriarchalischen Führungsstils sollte der Adressat der E-Mail auf der Führungsebene - Geschäfts- oder Abteilungsleitung je nach Unternehmensgröße - gesucht werden. Spätestens für die Verabredung eines ersten Treffens ist es sehr wichtig herauszufinden, ob der Partner auch den nötigen Entscheidungsspielraum hat. Delegieren von Kompetenzen ist in Ungarn noch nicht sehr verbreitet.
In der ersten E-Mail empfiehlt sich eine kurz Vorstellung in - möglichst einfachem - Deutsch und Englisch. Knapp 30% der Ungarn sprechen Deutsch und ein etwas größerer und wachsender Anteil Englisch, wobei Englisch vor allem bei den Jüngeren dominiert. Die Schnittmenge derjenigen, die beide Sprachen gut beherrschen, ist deutlich kleiner. Allerdings sind Kenntnisse der beiden Sprachen in Unternehmen und vor allem bei Führungskräften und in den Einkaufs-/Exportabteilungen gewöhnlich sehr viel stärker repräsentiert.
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