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01.05.2008 

In Ungarn sind Einladungen ins Restaurant - mittags und abends - sehr beliebt und verbreitet. Sie dienen vor allem dazu, den Geschäftspartner persönlich besser kennen zu lernen oder gute Beziehungen zu vertiefen und zu pflegen. Themen wie Familie, Hobby, Sport, Reisen stehen bei den Tischgesprächen im Vordergrund und nicht geschäftliche Fragen.

Während der ungarische Gastgeber Ungarn-Neulinge gern in ein traditionelles Restaurant mit typischer Landesküche - auch etwas außerhalb der Hauptstadt - einladen wird, haben Ausländer zumindest in Budapest eine sehr große Auswahl an Restaurants, die internationale Speisen anbieten. Sie sind aber von sehr unterschiedlicher Qualität, so dass unbedingt Empfehlungen einzuholen sind, im Hotel, in einschlägigen Reiseführern oder am Besten von ausländischen Wirtschaftsvertretern vor Ort, die auf Veranstaltungen der DUIHK oder des Deutschen Wirtschaftsclubsin Budapest zu treffen sind. Die wöchentlich erscheinenden deutschsprachigen Zeitungen, die "Budapester Zeitung" und der "Pester Lloyd" veröffentlichen beide regelmäßig Restauranttipps für ganz Ungarn. Bei Reservierungen ist es nötig, nachzuhaken und zu insistieren. Gute Tische halten die Restaurants gern bis zum Schluss frei.

Bei geschäftlichen Essen geht es in Ungarn noch recht formell zu. Auf Tischsitten, die den deutschen weitgehend entsprechen, wird geachtet, vor allem Damen gegenüber, die galant und mit Respekt umsorgt werden. In größerer Runde sind auch kurze Tischreden üblich - ein Willkommen durch den Gastgeber und Dank und Anerkennung durch einen hervorgehobenen Gast. Guten Appetit wünschen sich Ungarn mit "Jó étvágyat" (Joo eetvaadjot) und angestoßen wird mit "Egészségédre" (Ägeesscheegeedrä), wobei hier besonders auf die richtige Aussprache zu achten ist, um eine unangenehme Bedeutungsänderung zu vermeiden. Ungarn sind mit Recht sehr stolz auf ihren Wein, der in Ungarn ausländischen vorgezogen werden sollte.

Ein altes Gelöbnis der Ungarn, mit Bier nicht anzustoßen, ist inzwischen zwar abgelaufen. Dennoch kommt es gut an, wenn ein Fremder davon gehört hat: 150 Jahre lang wollten die Ungarn nicht mehr mit Bier anstoßen, nachdem dies die Österreicher anlässlich der Niederschlagung der ungarischen Revolution von 1848 so ausgiebig getan hatten.

Der Gastgeber zahlt die Rechnung und sollte dies möglichst diskret tun, zum Beispiel indem er sich kurz vom Tisch entschuldigt, dem Kellner die Kreditkarte reicht und den Beleg unterschreibt. Das Trinkgeld ist oft schon eingerechnet. Wenn nicht, ist es üblich, mindestens 10 Prozent extra zu geben. Auch gehobene Restaurants akzeptieren nicht immer Kreditkarten.

Vor allen Meetings mit Ungarn ist es wichtig, vorab zu klären, ob auf Deutsch oder Englisch verhandelt werden kann oder ein Dolmetscher benötigt wird. Das Ungarische gehört nicht zu den indogermanischen Sprachen und hat eine völlig andere Struktur als diese. Das macht Übersetzungen schwierig und oft missverständlich. Anderseits können selbst Ungarn, die fließend Deutsch sprechen, einem Muttersprachler nicht immer folgen. Vielen Missverständnissen kann durch einfache und klare Formulierungen vorgebeugt werden. Bei jedem Zweifel empfieht Szalay nachzuhaken.

Zu Missverständnissen kann auch der indirekte und vorsichtige Kommunikationsstil der Ungarn führen. Was gemeint ist, hängt stark vom Kontext ab. Vage Formulierungen, wie "wir könnten in diese Richtung gehen," die in deutschen Ohren nur wie eine Möglichkeit klingen, können durchaus eine Zusage sein, so Szalay. Andererseits werden auch Probleme für das deutsche Empfinden gar nicht, zu spät oder zu vorsichtig angesprochen. Das liegt ebenfalls am indirekten Kommunikationsstil, kann aber zu großen Problemen führen, wenn die deutsche Seite gar nicht merkt, dass etwas im Argen liegt.

Lesen Sie weiter auf Seite 6: "Prüfen, Prüfen, Prüfen!"

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