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03.01.2008 
Sonderwirtschaftszone in Nordkorea

Wo Kommunisten Kapitalismus üben

von Finn Mayer-Kuckuk

Balanceakt im ungewöhnlichsten Gewerbegebiet der Welt: Die nordkoreanische Sonderwirtschaftszone Kaesong vereint High-Tech und Weltmarkterfahrung des Südens mit billigen Arbeitskräften aus dem Norden. Im belasteten Umfeld probt die politische Führung die Öffnung gen Westen – und begrüßt einen schwäbischen Mittelständler.

Südkoreanische Soldaten überwachen den Weg nach Kaesong. Foto: reutersLupe

Südkoreanische Soldaten überwachen den Weg nach Kaesong. Foto: reuters

KAESONG. Wie er so auf dem Bürgersteig läuft, wirkt der Nordkoreaner etwas deplatziert vor der adretten Fabrik. Die Falten in seinem Gesicht sind tiefer, als seinem Alter angemessen erscheint. Nur einmal geht sein Blick zu den westlichen Besuchern hinüber, dann fingert er Zigaretten aus der Brusttasche. Er trägt die Kleidung, wie sie für Nordkoreaner außer Dienst üblich ist: eine schwarze Uniform, die wirkt wie ein etwas zu großer Anzug.

Welch ein Gegensatz zur Fassade hinterm Zaun: Dort leuchtet der Neubau einer Fabrik, hell und modern. Das Werk gehört einem südkoreanischen Konzern, der hier in der Sonderwirtschaftszone Kaesong nordkoreanische Arbeiter beschäftigt. Kommunisten arbeiten für Kapitalisten – und beide freuen sich drüber.

„Sieht es hier etwa so aus, wie Sie sich Nordkorea vorstellen?“ fragt Byun Ha-Jung. Er ist Südkoreaner und vertritt Hyundai Asan, die Betreibergesellschaft des wohl ungewöhnlichsten Gewerbegebiets der Welt. Nein, so wie das Klischee eines kommunistischen Staates sieht es nicht aus in Kaesong, auch wenn das Areal 70 Kilometer nördlich von Seoul in einem stalinistisch regierten Land liegt – gleich hinter der schwer befestigten Grenze zum Süden, mit dem sich Nordkorea formell seit über einem halben Jahrhundert im Kriegszustand befindet.

Doch moderne Fabriken hin oder her: Beschränkungen sind allgegenwärtig. „In diese Richtung keinesfalls Fotos!“ Oder: „Internetverbindung haben wir hier nicht!“ Oder: „In diese Richtung können Sie nicht weitergehen!“ Solche Kommandos hört der Besucher immer wieder. Das Gewerbegebiet ist von zwei hohen Zäunen umgeben, einer davon sieht aus, als sei er gar elektrisch.

Investieren in Nordkorea: Bisher blieb das südkoreanischen und einigen chinesischen Firmen vorbehalten. In diesem Jahr ändert sich das: Der Industriepark von Kaesong begrüßt den ersten Zugang aus dem Westen, und er kommt aus Schwaben. Die Firmengruppe Prettl mit Sitz in Pfullingen südlich von Reutlingen hat 11 000 Quadratmeter in Kaesong gemietet – über ihre 80-prozentige Tochter Prettl Korea. Dort wollen die Firmenchefs Rolf und Erhardt Prettl bald Elektronikteile, Kabel und andere Komponenten für die Autoindustrie produzieren (siehe „Gastgeber“).

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Ein politisch höchst belastetes Umfeld.

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