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17.07.2008 
IIF-Präsident

Ackermann: Banken haben Warnsignale ignoriert

Nach Ansicht von Joseph Ackermann, Chef der Deutschen Bank und Präsident des International Institute of Finance (IIF), haben die internationalen Bankinstitute Warnsignale im Vorfeld der Kreditkrise ignoriert. Um die Risiken an den Märkten künftig besser einschätzen zu können, regt der Bericht des IIF verschiedene Maßnahmen an.

Der IIF unter Führung von Joseph Ackermann (Foto) will die Risiken an den Märkten besser einschätzen können. Dazu soll unter anderem ein Gremium geschaffen werden, das die Märkte beobachtet. Foto: dpaLupe

Der IIF unter Führung von Joseph Ackermann (Foto) will die Risiken an den Märkten besser einschätzen können. Dazu soll unter anderem ein Gremium geschaffen werden, das die Märkte beobachtet. Foto: dpa

HB WASHINGTON. „Wenn man die letzten zwei Jahre durchgeht, gab es eine Menge Anzeichen dafür, dass wir ein bisschen zu weit gegangen sind“, sagte Ackermann am Donnerstag anlässlich der Veröffentlichung des IIF-Abschlussberichts, der im Zuge der Finanzkrise Reformen für die Branche vorschlägt. Der Finanzsektor erkenne seine Verantwortung an, betonte Ackermann. Es habe ernsthafte Schwachstellen in den Geschäftspraktiken einer Reihe von Instituten gegeben. Dies habe in bedeutendem Maße zu Problemen in der gesamten Branche und der Wirtschaft insgesamt geführt. Obwohl zahlreiche Institute Reformen unternommen und Regierungen, Zentralbanken und andere Einrichtungen gehandelt hätten, müsse noch eine Menge getan werden, um das Finanzsystem zu stärken, betonte er.

So wird die Finanzbranche in dem Bericht des globalen Bankenverbandes dazu aufgerufen, mehr für die Wiederherstellung von Vertrauen und Glaubwürdigkeit zu tun. Da die Weltwirtschaft in eine Phase des Abschwungs eingetreten sei und es weiterhin Spannungen an den Märkten gebe, werde dies jedoch nicht einfach sein, heißt es in dem Papier. Um künftigen Krisen vorzubeugen, fordert der Verband unter anderem ein besseres internes Risikomanagement der Unternehmen. Auch müsse es stabile Methoden zur Kontrolle der Liquidität geben.

Um die Risiken an den Märkten insgesamt künftig besser einschätzen zu können, wird in dem Bericht zudem die Schaffung eines Gremiums zur Beobachtung der Märkte angeregt. Dieses solle vor allem die Fehleinschätzung und Konzentration von Risiken sowie auffällige Handelsbewegungen unter die Lupe nehmen. Auch für die Ratingagenturen soll ein internationales Aufsichtsgremium geschaffen werden, das zudem einheitliche Regeln festlegen müsse.

Überdies nimmt der Bericht Stellung zur Bezahlung von Führungskräften im Finanzsektor: So soll das Grundgehalt auf einer den Risiken angemessenen Leistung beruhen, Boni sollten demnach in Übereinstimmung mit langfristigen, unternehmensweiten Gewinnen stehen. Abfindungszahlungen sollten dem Papier zufolge die im Laufe der Zeit für die Aktionäre erzielten Erträge berücksichtigen.

Die europäischen Kreditinstitute sieht Ackermann trotz der Finanzmarktkrise in einer guten Verfassung. Abgesehen vom Immobilienmarkt in den USA habe sich die Finanzierung innerhalb des Bankensystems beruhigt, sagte Ackermann am Donnerstagabend im ZDF. Man nehme die Krise ernst und wolle die Fehler korrigieren. Das Engagement in risikoreichen Produkten sei stark reduziert wurden. Vieles sei wieder normal, sagte Ackermann. „Gerade für die europäischen Banken sieht es ganz gut aus.“

Dem IIF gehören mehr als 375 Finanzinstitutionen an, darunter auch die weltweit größten Geschäfts- und Investmentbanken. Die US-Investmentbank Goldman Sachs kehrte dem Verband unlängst im Streit über Bilanzierungsregeln den Rücken.

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