Die Spekulationen über einen möglichen Verkauf der Postbank
an die Deutsche Bank
haben neue Nahrung erhalten: Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann bekräftigte sein Interesse an einer Beteiligung und bestätigte erstmals indirekt laufende Verhandlungen.
Bestätigte erstmals indirekt laufende Verhandlungen mit der Postbank: Josef Ackermann. Foto: dpaBestätigte erstmals indirekt laufende Verhandlungen mit der Postbank: Josef Ackermann. Foto: Bert Bostelmann
FRANKFURT. "Dass das strategisch passt, ist unbestritten", sagte Ackermann auf der Handelsblatt-Tagung "Banken im Umbruch" in Frankfurt. "Die Frage ist, ob man eine Lösung findet, auch was den Preis angeht." Die Postbank
würde die Deutsche Bank
vielfach in strategischer Hinsicht stärken - sowohl bei der Positionierung auf dem Privatkundenmarkt als auch als Distributionsnetz, sagte der Vorstandschef des größten deutschen Kreditinstituts.
Zugleich erteilte Ackermann indirekt einer Vollübernahme der Postbank
eine Absage. "Große Restrukturierungsphasen sind etwas, was wir im Moment nicht gebrauchen können und nicht anstreben", sagte er angesprochen auf eine mögliche Beteiligung an der Postbank
. Nach Handelsblatt-Informationen aus Finanzkreisen erwägt die Deutsche Bank
, zunächst mit einer Beteiligung von unter 30 Prozent bei der Postbank
einzusteigen. Damit würde Ackermann ein Übernahmepflichtangebot an alle Postbank
-Aktionäre vermeiden - ebenso wie die von ihm angesprochenen Restrukturierungen. Optionen könnten eine spätere Komplettübernahme regeln.
Die Deutsche Post AG hält derzeit 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank
, die mit gut 14 Millionen Kunden so viele Privatkunden hat wie kein anderes deutsches Institut. Auf der Aufsichtsratssitzung der Post an diesem Freitag könnte eine Entscheidung über die Zukunft der Postbank
fallen - einem der 30 wichtigsten Aktienwerte in Deutschland. Postbank
-Chef Wolfgang Klein sagte seine Teilnahme an der Tagung "Banken im Umbruch" kurzfristig aus Termingründen ab.
Pausengeflüster bei der Handelsblatt-Tagung: Wer mit wem über was
Ackermann betonte, die Deutsche Bank
wolle stabile Geschäftsfelder wie den Zahlungsverkehr und das Privatkundengeschäft ausbauen. Speziell im Privatkundengeschäft werde die Deutsche Bank
ihre Disziplin bei Übernahmen nicht aufgeben. Deshalb habe das größte deutsche Geldhaus auch nicht mehr als vier Milliarden Euro für die deutsche Citibank geboten. Es mache keinen Sinn, sich über eine Niederlage für viele Jahre zu belasten und die Beschäftigten zu demotivieren. Schon jetzt erziele die Deutsche Bank
im so genannten Retailbanking eine Eigenkapitalrendite von mehr als 25 Prozent.
An der Börse gehörte die Postbank
wegen der Übernahmespekulationen zwischenzeitlich mit fast drei Prozent Zuwachs zu den Tagesgewinnern. Mit 45,98 Euro ist sie derzeit gut 7,5 Milliarden Euro an der Börse wert und damit deutlich weniger als noch vor wenigen Monaten.


