26 Bewertungen ****
17.07.2008 
Tagung des internationalen Bankenverbandes IIF

Ackermann drängt auf neue Bilanzregeln

von Klaus C. Engelen und Marietta Kurm-Engels

Am heutigen Donnerstag legt der internationale Bankenverband IIF mit Josef Ackermann an der Spitze neue Vorschläge für Bilanzstandards vor. Da ist Streit programmiert.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird in Washington in seiner Eigenschaft als Präsident des Institute of International Finance (IIF) das Konzept der internationalen Großbanken vorstellen. Lupe

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird in Washington in seiner Eigenschaft als Präsident des Institute of International Finance (IIF) das Konzept der internationalen Großbanken vorstellen.

BERLIN/FRANKFURT. Die Banken starten eine Großoffensive, um einer schärferen Regulierung infolge der Finanzkrise zu entgehen. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann wird in Washington in seiner Eigenschaft als Präsident des Institute of International Finance (IIF) das Konzept der internationalen Großbanken vorstellen. Nach Handelsblatt-Informationen geht es dabei um eine Anpassung der Bilanzregeln, die der Finanzbranche künftig den Ausweis allzu hoher Verluste ersparen sollen, sowie um einen Branchenkodex für Managergehälter. Insbesondere der erste Punkt dürfte bei den Regulierern auf wenig Gegenliebe stoßen.

Der Auftritt Ackermanns in Washington wird nicht nur wegen der Inhalte, die der Bankchef präsentiert, mit Spannung erwartet, sondern auch, weil ihm ein Eklat vorausgegangen war: In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass mit Goldman Sachs eine der führenden Investmentbanken aus dem IIF ausgetreten ist. Das US-Institut hatte die sich abzeichnenden Vorschläge des IIF kritisiert.

Die Diskussion dreht sich vor allem um den zentralen Punkt der neuen Bilanzstandards. Danach schlägt der IIF vor, bei einem starken Kursverfall von Wertpapieren den Banken eine Bilanzierung zu ermöglichen, die diesen Verlust nicht in voller Höhe abbildet. Es soll etwa erleichtert werden, Wertpapierbestände zwischen einzelnen Bilanzpositionen, für die unterschiedliche Bewertungsregeln gelten, zu verschieben. Bisher müssen Banken Papiere, die sie einmal im Handelsbestand gebucht haben, dort bis zum Verkauf belassen und bei Kursverlusten abschreiben. Nach den neuen Plänen dürften sie diese Papiere in eine längerfristige Position umbuchen und müssten sie nicht sofort wertberichtigen.

Die Investmentbank Goldman Sachs, die unter den führenden Instituten bislang mit am besten durch die Krise gekommen ist, bemängelt, dass so nötige Transparenz verlorengeht. Auch andere Institute wie Morgan Stanley hatten Bedenken geäußert. In Finanzkreisen heißt es allerdings, dass Goldman Sachs eigene Regeln ausarbeiten will. Der für diese Fragen zuständige Goldman-Sachs-Manager Gerald Corrigan habe ein Regelwerk entwickelt, das mit dem IIF-Kodex, den Ackermann präsentieren wird, kollidiere.

Hintergrund des IIF-Vorstoßes ist der drastische Kursverfall bestimmter Wertpapiere infolge der Finanzkrise. Er hat zunehmend die Gefahr einer Abwärtsspirale heraufbeschworen, bei der schwindendes Vertrauen der Investoren zu Verlusten der Finanzbranche und das zu noch größerer Angst bei den Anlegern führt. Die Vorschläge des IIF zielen nun vor allem darauf, diesen Mechanismus zu durchbrechen, indem nicht jeder Vertrauensverlust sich unmittelbar auch in einem Buchverlust niederschlägt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Urlaubsdomizil für Kapitalanleger  Artikel in Merkliste

12.10.2008, 10:00 Uhr

Wer vom Ferienhaus träumt, denkt meist an die Finca auf Mallorca oder das Landgut in Italien. Doch auch in Deutschland wächst das Interesse am eigenen Urlaubsdomizil. So baut die dänische Kristensen Group Ferienparks in Ostdeutschland – Käufern verspricht die Gruppe hohe Wertsteigerungen. Artikel


Anzeige