Die Deutsche Bank arbeitet entgegen anders lautenden Informationen weiter mit Hochdruck an einem Engagement bei der Postbank. Der Verkaufsprozess schien tot zu sein, nun zeigt sich: Die Deutsche Bank hat mehr Interesse denn je. Allerdings stößt ein möglicher Verkauf der Postbank nicht überall auf Zustimmung.
FRANKFURT. Wie das Handelsblatt erfuhr, prüft die Großbank, mit einem Minderheitsanteil von unter 30 Prozent bei der Post-Tochter einzusteigen. Eine Integration von Deutscher Bank und Postbank würde dann anders als bei Dresdner und Commerzbank zunächst nicht stattfinden. Offenbar ist zugleich aber die Möglichkeit einer Aufstockung zu einem späteren Zeitpunkt angedacht. Bereits am kommenden Freitag könnte die Entscheidung fallen.
Zuletzt hätten Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Post-Vorstandschef Frank Appel persönlich miteinander verhandelt, hieß es in Finanzkreisen. Nachdem die Deutsche Bank zeitweilig wenig Interesse an einem Einstieg gezeigt habe, sei sie wieder in den Verkaufsprozess gekommen. Ackermann wolle den Einstieg bei der Postbank aber ohne eine Kapitalerhöhung. Für einen Meinungswandel könnte auch die jüngste Entwicklung der Postbank-Aktie gesorgt haben. Die Titel haben seit Ende Februar gut ein Drittel ihres Werts verloren.
Eine endgültige Entscheidung von Post-Chef Appel steht aber Finanzkreisen zufolge noch aus. Die Deutsche Post, die 50 Prozent plus einer Aktie an der Postbank hält, prüft seit Monaten einen Verkauf ihrer Mehrheit. Eine Entscheidung wird für diesen Freitag erwartet, wenn der Aufsichtsrat der Deutschen Post zusammenkommt. Die Bedeutung der Sitzung bestätigte Appel am Donnerstagabend selbst indirekt auf dem Sommerfest der Deutschen Post in Bonn. Er habe derzeit zu wenig Zeit, um mehr Beschäftigte persönlich kennenzulernen, weil er sehr stark in die Vorbereitung der anstehenden Sitzung eingebunden sei, sagte Appel vor den anwesenden Mitarbeitern.
Deutsche Bank und Post wollten die Informationen nicht kommentieren. Eine Sprecherin des Bonner Logistikkonzerns sagte lediglich, eine Entscheidung über die Zukunft der Postbank sei noch nicht getroffen. Ein Sprecher der Deutschen Bank zog sich auf die Standardformulierung zurück, das Institut sei an sinnvollen Akquisitionen „grundsätzlich interessiert“.


