Die weltweiten Finanzmärkte werden nach Ansicht von Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann noch eine ganze Zeit lang mit den Nachwehen der Kreditmarktkrise zu kämpfen haben. "Wir haben heute erst rund 140 Mrd. Dollar abgeschrieben. Die erwarteten Gesamtverluste für das Finanzsystem liegen aber wesentlich höher."
HB FRANKFURT. "Die ersten sechs bis neun Monate dieses Jahres werden für die Finanzmärkte schwierig bleiben", sagte Ackermann am Donnerstag bei einer Veranstaltung in Frankfurt. Die vom US-Hypothekenmarkt ausgehenden Turbulenzen würden bei Banken rund um den Globus zu weiteren Abschreibungen führen. sagte der Chef der größten deutschen Bank. Sein Institut belastete die Finanzkrise bis jetzt mit 2,3 Mrd. Euro.
US-Notenbankchef Ben Bernanke rechnet damit, dass manche Banken die aktuelle Kreditmarktkrise nicht überleben werden. Einige Kreditinstitute würden wohl bankrott gehen, sagte Bernanke am Donnerstag vor dem Banken-Komitee des US-Senats. Bei den großen, international agierenden Banken erwarte er indes keine ernsthaften Probleme. Bernanke empfahl allerdings, in einigen Fällen sollten die Institute ihr Kapital erhöhen.
Ackermann geht davon aus, dass die privaten Institute in Deutschland "alles gezeigt und richtig bewertet" hätten. Die öffentlichen Banken stellten jedoch eine starke Belastung dar für den Staatshaushalt. Landesbanken wie BayernLB, LBBW und WestLB mussten milliardenschwere Wertberichtigungen vornehmen. Bei der WestLB und der SachsenLB waren sogar Länderhilfen nötig, um die Institute zu stabilisieren.
Ackermann betonte aber auch, dass die weltweite Finanzwelt bisher auch einige besorgniserregende Entwicklungen habe verhindern können. So seien die Probleme bei den amerikanischen Anleiheversicherern offenbar weitgehend im Griff. "Die Lage bei den Monolinern scheint sich durch die jüngsten Rettungsaktionen beruhigt zu haben", sagte der Banker. Der Anleiheversicherer Ambac
soll von einer Gruppe internationaler Geldhäuser - darunter auch die Dresdner Bank - eine Kapitalspritze von drei Mrd. Dollar bekommen. Der US-Konkurrent MBIA
will sein Geschäft aufspalten in einen risikobehafteten und einen gesunden Teil.
Die sogenannten Monoliner versichern die als grundsolide geltenden kommunalen Anleihen in den USA. Weil sie aber auch in Hypothekenkrediten von bonitätsschwachen Schuldnern ("Subprime") engagiert sind, stehen sie derzeit stark unter Druck. Ackermann selbst hatte vor ein paar Wochen in einem TV-Interview von einem neuen "Tsunami" gesprochen, der dadurch auf die Finanzmärkte zurollen könnte.
Die Auswirkungen der Finanzkrise auf die reale Wirtschaft bezeichnete Ackermann als gering. "Wir haben ein reines Banken- und Finanzmarktproblem", sagte er. Allerdings sei noch nicht absehbar, welche Folgen der starke Euro auf die Konjunktur habe. Die europäische Gemeinschaftswährung war in dieser Woche auf ein Rekordhoch von über 1,51 Dollar gestiegen. "Die Wirtschaft ist offensichtlich aber so stark, dass diese externen Schocks noch gut aufgefangen werden können."

