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30.06.2008 
Übernahmen

Ackermann will mehr als deutsche Citibank

von Holger Alich, Nicole Bastian, Rolf Benders, Hans G. Nagl und Robert Landgraf

Die Deutsche Bank liebäugelt offenbar mit dem Kauf von Privatkunden-Aktivitäten der US-Großbank auch in anderen europäischen Ländern neben Deutschland. Doch die Konkurrenz schläft nicht, Commerzbank und andere Bieter sind weiter im Rennen um die deutsche Citibank.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigt großen Übernahmehunger. Der Einstieg bei der deutschen Citibank könnte nur der Anfang der Expansion sein. Foto: dpaLupe

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann zeigt großen Übernahmehunger. Der Einstieg bei der deutschen Citibank könnte nur der Anfang der Expansion sein. Foto: dpa

FRANKFURT/PARIS. Die Deutsche Bank visiert neben dem deutschen Privatkundengeschäft der Citigroup offenbar auch deren Aktivitäten in anderen Teilen Europas an. Deutschlands Branchenprimus habe bei den Amerikanern bereits Interesse angemeldet, sagten mehrere Insider dem Handelsblatt. "Die Citibank könnte da nur der Anfang sein." Das auf Konsumentenkredite spezialisierte Institut mit seinen 340 Filialen und 3,3 Mill. Kunden in Deutschland steht zum Verkauf. "Einen Paket-Deal mit dem Geschäft in anderen Ländern wird es aber nicht geben", hieß es. Noch bis Ende der Woche hat der bereits verengte Bieterkreis Zeit, um verbindliche Offerten abzugeben. Citigroup und Deutsche Bank lehnten eine Stellungnahme ab.

Nach Abschreibungen von mehr als 45 Mrd. Dollar im Zuge der Finanzkrise will Citigroup-Chef Vikram Pandit das US-Institut wieder gesundschrumpfen und Konzernteile im Volumen von rund 400 Mrd. Dollar verkaufen. Wie der Citibank-Verkauf zeigt, gehören hierzu auch Teile des europäischen Privatkundengeschäfts. Das Segment sorgte 2007 in der Region Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) für einen Nettogewinn von 282 Mill. Dollar. Zahlen zu einzelnen Ländern veröffentlicht Citigroup nicht, Deutschland ist hier eine Ausnahme und weit größer als die Aktivitäten in den anderen europäischen Ländern.

So verfügt Citi in Spanien etwa nur über gut 200 000 Privatkunden, in Griechenland unterhalten die Amerikaner 85 Filialen. Deutlich größer ist das US-Institut in Polen mit 200 Filialen sowie 900 000 Kunden aufgestellt. Doch Finanzkreisen zufolge hat hier die Aussage Pandits Bestand, dass Privatkundeneinheiten in Schwellen- und Wachstumsländern nicht zur Disposition stehen. Aber Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann könnte Pandits Kapitalnot nutzen, um beispielsweise das bestehende Geschäft in Italien oder Spanien zu ergänzen.

Im Rennen um die deutsche Citibank ist indes neben der Deutschen Bank Finanzkreisen zufolge weiter die Commerzbank. Aus dem Ausland seien die französische Credit Mutuel, Santander aus Spanien sowie mindestens noch ein weiterer Bieter vertreten, hieß es. Dabei könnte es sich theoretisch um die niederländische ING handeln, die in Deutschland bereits über ihre Tochter DiBa vertreten ist. Credit Mutuel bestätigte, nach wie vor unter den Bietern zu sein. Die übrigen Häuser lehnten eine Stellungnahme ab oder waren nicht zu erreichen. Santander-Chairman Emilio Botin hatte erst vor kurzem noch öffentlich erklärt, kein Interesse an der Citi zu haben.

Unklar ist weiter, mit welchem Preis Pandit für die deutsche Citibank rechnen kann. Analysten hatten den Wert in der Vergangenheit auf 3,5 bis fünf Mrd. Euro taxiert. In den letzten Wochen sind die Bewertungen von Banken allerdings zum Teil deutlich gesunken. "Das dürfte den Verkauf von Finanzkonzernen tendenziell erschweren", sagte Unicredit-Experte Andreas Weese. Hinzu komme, dass es mit der Postbank und der Allianz-Tochter Dresdner Bank derzeit auch zwei andere Investitionsmöglichkeiten im deutschen Bankenmarkt gebe. Nach Angaben von Insidern lagen zumindest einige der Anfang Juni eingereichten indikativen Angebote über der Marke von vier Mrd. Euro.

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