Am Kreditmarkt gibt es erste Zeichen einer Entspannung der Finanzkrise. Die Investmentbanken beginnen damit, Kredite über insgesamt 200 Mrd. Dollar sukzessive zu verkaufen, die sie in Zeiten des Booms an Investoren zur Finanzierung von Übernahmen vergeben hatten. Zwar müssen sie dabei teilweise große Abschläge hinnehmen, dafür schaffen sie sich Spielraum für Neugeschäfte.
FRANKFURT. So sondiert Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Finanzkreisen zufolge den Verkauf von sogenannten Leveraged Loans im Volumen von bis zu 13 Mrd. Euro. Am Markt würden solche Kredite derzeit mit Abschlägen zwischen zwölf und 20 Prozent gehandelt, heißt es. Als Interessenten für solche Kreditpakete gelten Hedge-Fonds wie Avenue Capital oder Private-Equity-Investoren wie Blackstone, Goldman Sachs, KKR und Apollo. Diese verhandeln nach Informationen aus Finanzkreisen auch mit der Citigroup, die ein Portfolio von zwölf Mrd. Dollar abstoßen will. Deutsche Bank und Citigroup wollten sich dazu nicht äußern.
Seitdem das Platzen der Blase am US-Markt mit zweitklassigen Hypothekenkrediten (Subprime) die Märkte erschütterte, waren Leveraged Loans praktisch unverkäuflich. Ihr Marktwert sank rapide, was zu Milliardenabschreibungen bei den Instituten führte.
Betroffen sind nahezu alle global agierenden Banken, einige mussten bereits zweistellige Milliardenbeträge abschreiben. Bei der Deutschen Bank lag der Wertberichtigungsbedarf im ersten Quartal bei 2,5 Mrd. Euro. Davon entfiel der größte Teil auf das Portfolio von Leveraged Loans, die Ende 2007 mit 36,2 Mrd. Euro in den Büchern standen und von denen Ackermann nun etwa ein Drittel verkaufen will.
In der Branche wird das Aufbrechen des Kreditmarkts mit vorsichtiger Erleichterung registriert. „Der Kauf von Leveraged Loans durch Investoren ist ein erstes Zeichen, dass das Vertrauen in die Märkte wieder zurückkommt“, sagte Bernd Knobloch, Chef von Europas größtem Immobilienfinanzierer Eurohypo. Auch die Größenordnung der Verkäufe sei wichtig, damit die Banken wieder neues Geschäft aufnehmen könnten.
Seit vergangenem Sommer war der Kreditmarkt in einer gefährlichen Schockstarre gefangen. Die Banken wollten ihre Kreditbestände aus Angst vor Verlusten nicht bereinigen, die Investoren zögerten in der Hoffnung auf fallende Preise Käufe hinaus. Da so nur sehr wenige Marktpreise zustande kamen, war die Bewertung schwierig. Die Kredite wurden seither in mehreren Wellen mit Milliardenbeträgen abgeschrieben.
In Finanzkreisen heißt es nun, seit Anfang April hätten sich die Preise stabilisiert und seien teilweise sogar gestiegen. Kommt der Markt jetzt wirklich in Gang und bilden sich wieder Kurse, erhalten die Banken größere Sicherheit über den Wert der Kredite.
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Teilweise sind die Wertabschläge weiterhin beachtlich. So heißt es in Finanzkreisen, Kredite zur Finanzierung der Übernahme des Yacht-Bauers Bavaria im Volumen von 100 Mill. Euro seien nur zu 65 Prozent des Nennwerts von Goldman Sachs veräußert worden. Das sei der bislang höchste Rabatt auf einen Leveraged Loan, aber eher ein Ausnahmefall, hieß es in Bankenkreisen. Der Investor Bain Capital hatte Bavaria 2007 für 1,4 Mrd. Euro erworben, wovon Goldman Sachs und Dresdner Bank rund 900 Mill. Euro mit Krediten finanzierten.
Die Akquisition von Bavaria war im vergangenen Jahr eine der letzten großen Transaktionen des durch niedrige Leitzinsen genährten Booms kreditfinanzierter Übernahmen. Danach ging den Investoren der Schmierstoff für Firmenkäufe aus.
Auch wenn dieses insbesondere für die Investmentbanken wichtige Segment des Kreditmarktes wieder in Schwung kommt, ist es nach Einschätzung von Bankern noch zu früh, Entwarnung zu geben. „Das Vertrauen wird trotz der ersten Erfolge nur allmählich, in Wellenbewegungen mit Höhen und Tiefen und im Laufe der nächsten Wochen und Monate zurückkommen“, sagte Eurohypo-Chef Knobloch.
Zur Verunsicherung dürften auch weiter Meldungen über den Kapitalbedarf von Banken beitragen. So vermeldete die US-Bank Wachovia am Montag für das erste Quartal einen Verlust und kündigte eine Kapitalerhöhung von sieben Mrd. Dollar an.
Hintergrund: Schmierstoff für Firmenkäufe fehlt
Aufstieg...
Dank einer großzügigen Kreditvergabe der Banken konnten die Finanzinvestoren in den vergangenen Jahren immer größere Firmenkäufe stemmen. In der Boomphase von 2005 bis Mitte 2007 wurden teilweise 70 bis 80 Prozent des Kaufpreises mit Krediten bezahlt.
... und Abstieg
In der Finanzkrise drehten die Banken den Geldhahn zu, weil sie die Kredite nicht mehr an den Kapitalmärkten verkaufen konnten. Das Geschäft der Finanzinvestoren stockte daraufhin und brach im ersten Quartal um 65 Prozent ein.

