Änderung bei Boni geplant: Finanzkrise belastet DZ Bank

Änderung bei Boni geplant
Finanzkrise belastet DZ Bank

Operativ hat sich das Institut 2009 gut geschlagen. Doch ohne die Kursgewinne vieler Wertpapiere hätten Sonderlasten erneut für rote Zahlen gesorgt.
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FRANKFURT. Die genossenschaftliche DZ Bank hat auch 2009 erhebliche Sonderbelastungen aus der Finanzkrise schultern müssen. Nach Handelsblatt-Informationen verhinderten Kursgewinne auf viele Wertpapiere im Umfang von rund einer Mrd. Euro, dass die Bank durch verlustreiche Engagements zum Beispiel in Verbriefungen erneut in die roten Zahlen rutschte. Nach vorläufigen Zahlen hatte die DZ Bank einen Vorsteuergewinn von 836 Mio. Euro erwirtschaftet.

„Wir haben die Wertaufholungen genutzt, um Vorsorge zu treffen und Lasten zu verarbeiten. Wertaufholungen und belastende Faktoren aus der Finanzkrise halten sich ungefähr die Waage“, sagte ein DZ-Bank-Sprecher auf Anfrage. „Unser Ergebnis von 836 Mio. Euro vor Steuern zeigt vor diesem Hintergrund die operative Stärke der DZ Bank Gruppe.“ Diese Stärke speise sich sowohl aus der DZ Bank AG als auch aus ihren Töchtern (siehe Grafik).

Die Zahlen belegen aber, wie stark die Finanzkrise nachwirkt. So sollen die Belastungen zu einem großen Teil aus dem Verbriefungsportfolio stammen. Hinzu kommt der 25-prozentiger Anteil an der angeschlagenen Österreichischen Volksbanken AG (ÖVAG), die mit mehr als 200 Mio. Euro zu Buche geschlagen haben soll, sowie Abschreibungen auf Island- und Lehman-Engagements.

Diese Gemengelage schlägt sich auch auf die Bonuszahlung für die Beschäftigten nieder. Berechnet werden sie nach einem dreistufigen System: ein Bank-, ein Bereichs- sowie ein individueller Faktor werden mit dem jeweiligen Zielbonus multipliziert. Der Bankfaktor wurde zur Enttäuschung vieler Mitarbeiter wie schon 2008 auf den niedrigstmöglichen Wert von 0,8 gesetzt. Die Bank müsse berücksichtigen, dass sie „abermals erhebliche Belastungen aus der Finanzmarktkrise zu verkraften hatte, insbesondere mit Blick auf unsere Wertpapierbestände“, erläuterte der Vorstand in einem Brief an die Mitarbeiter.

„Den unbestrittenen Aufwärtstrend der Bank haben wir in der Festlegung der Bereichsfaktoren berücksichtigt und wieder die gesamte Bandbreite von 0,8 bis 1,2 genutzt“, heißt es weiter. Gegenüber 2008, als über alle Bereiche ebenfalls das Minimum von 0,8 verhängt wurde, ist das eine Verbesserung. Der Grund: Mit der Entwicklung im eigentlichen Geschäft ist der Vorstand zufrieden. „Unsere operativen Erfolge im vergangenen Jahr können sich sehen lassen“, schreibt er. Er hob das Zertifikategeschäft, das Gemeinschaftskreditgeschäft und das Depot-A-Geschäft mit den Volks- und Raiffeisenbanken hervor. Depot A nennt man die eigenen Wertpapierbestände einer Bank.

Der Provisionsüberschuss sei wieder gestiegen, heißt es aus dem Umfeld der Bank. Dagegen schrumpfte ausgerechnet der Zinsüberschuss. Das klingt zunächst überraschend, da viele Banken dank der lockeren Geldpolitik gerade in diesem Bereich 2009 punkteten. Bei der DZ Bank schlug jedoch vor allem die ÖVAG-Beteiligung zu Buche: deren Verluste werden im Zinsüberschuss gebucht. Zudem verkleinerte die Bank ihre Bilanzsumme. Hinzu kommt, dass die DZ Bank anders als eine normale Geschäftsbank ihre Einlagen nicht einfach so niedrig verzinst, wie es der Markt erlaubt: Ihre Kunden sind nämlich die Volks- und Raiffeisenbanken, also ihre Eigentümer. Auch die hoch verzinste Kernkapitalanleihe über 500 Mio. Euro, die die Bank 2009 platzierte, belastet. Damit stärkte sie ihr Eigenkapital.

Dass die Bank alles in allem aber vorsichtig optimistisch erscheint, schlägt sich noch in einer anderen Überlegung des Managements nieder: Noch immer lässt die DZ Bank ein 1,2 Mrd. Euro großes Wertpapierportfolio von der Sicherungseinrichtung der Volks- und Genossenschaftsbanken abschirmen. Das entlastete 2009 das Eigenkapital um 300 Mio. Euro. Nun denkt die Bank darüber nach, diese Absicherung wieder graduell zurückzugeben, ist aus Finanzkreisen zu hören. Die Chancen dafür stehen gut, wie es heißt.

Eine wichtige Neuerung gibt es bei den Vorstands-Boni. Künftig bemessen diese sich zu 20 Prozent an einem Mitarbeiter-Faktor. Die Zielvereinbarung für den Vorstand beinhalte auch ein personalwirtschaftliches Ziel hinsichtlich der Attraktivität der Arbeitsplätze und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, bestätigte ein Sprecher. Es ist das erste Mal, dass diese Aspekte eine Rolle spielen. Anlass für die Änderungen war das neue Gesetz zur Angemessenheit für Vorstandsvergütungen. Es soll verstärkt Anreize für eine nachhaltige Unternehmensentwicklung setzen.

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