Agrar-Derivate: Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel

Agrar-Derivate
Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel

Der Handel mit Nahrungsmitteln ist lukrativ, aber umstritten. Verbraucherschützer kritisieren Spekulationen mit diesen Rohstoffen, für Banken sind die Deals aber unverzichtbar. Das erklärte nun auch die Deutsche Bank.
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Frankfurt/BerlinDie Deutsche Bank will trotz Kritik von Verbraucherschützern auch künftig mit Nahrungsmittel-Spekulationen Geld verdienen. Untersuchungen hätten keine stichhaltigen Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen am Samstag auf der Lebensmittelmesse "Grüne Woche" in Berlin. Im Gegenteil: Agrar-Derivate erfüllten für Nahrungsmittelproduzenten eine wichtige Funktion im weltweiten Handel. Mit dem Kauf dieser an Börsen gehandelten Papiere können sich Landwirte gegen fallende Preise absichern. "Deshalb hat die Deutsche Bank entschieden, dass sie im Interesse ihrer Kunden weiterhin Finanzinstrumente auf Agrarprodukte anbieten wird", sagte Fitschen. Diese hatte das Institut 2012 ausgesetzt, um die Ergebnisse der Untersuchung abzuwarten.

Die Verbraucherschützer der Organisation Foodwatch reagierten umgehend mit harscher Kritik. "Die Deutsche Bank handelt mit dieser Entscheidung wieder einmal in hohem Maße unverantwortlich", sagte Foodwatch-Gründer Thilo Bode der Nachrichtenagentur Reuters. "Es gibt ausreichend wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Belege dafür, dass die von der Deutschen Bank vertriebenen Finanzprodukte zu spekulativen Preisblasen auf den Terminmärkten für Agrarrohstoffe führen und damit Hungerkatastrophen auslösen können." Die Bank bleibe den Nachweis schuldig, dass ihre Produkte unschädlich seien.

Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern nach oben treiben, ist in der Wissenschaft umstritten. Eine Übersicht der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg über die Forschungsarbeiten zu dem Thema kommt zu dem Schluss, dass die Zunahme der Finanzspekulationen nicht zu einem höheren Preisniveau bei Agrarprodukten geführt habe. Auch die Schwankungen der Preise seien hierauf nicht zurückzuführen. Dafür seien eher realwirtschaftliche Faktoren verantwortlich.

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Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel

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Nahrungsmittelhandel bringt Profit

Kommentare zu " Agrar-Derivate: Deutsche Bank mit Hunger auf Rohstoffhandel"

Alle Kommentare
  • @Mazi: Sie haben ja offenbar die Weisheit mit Löffeln gegessen. Aber zeigen Sie doch mal, wo es Ihren "vollkommenen Markt" gibt? Gibt es den seit der Finanzkrise irgendwo? Vielleicht im Utopia der Volkswirte, die gar nichts mehr verstehen? Warum die Theorie über Bord werfen, wenn die Realität nicht stimmt, oder? Sie sollten mal bei Physikern in die Lehre gehen, um zu verstehen, das die Theorie die Wirklichkeit erklären muss und nicht umgekehrt.

    Es dreht sich hier nicht um die Kontrahentenposition in Termingeschäften, die auf einer Seite die Produzenten selbst abschliessen. Die Deutsche Bank will Zertifikate und ähnlichen Unsinn ohne Bezug zum realen Handelsgeschehen auflegen. Dieser Mist, in Falle der Finanzkrise z.B. der Handel mit verbrieften Schneeball-Immobilienkrediten ohne Bezug zum realen Kreditgeschäft usw., hat die Welt in der Finanzkrise in den Abgrund geführt. Ähnliche Luftgeschäfte mit Lebensmitteln sind geeignet, den Untergang zu besiegeln.

    Es dreht sich hier nicht mehr um seriöse Absicherungsgeschäfte wie sie seit Jahrhunderten durchgeführt werden. Es dreht sich um Luftnummern ohne Bezug zur Realwirtschaft und ohne jeden Nutzen für die Realwirtschaft. Diese Bankenaktivitäten - die "nuklearen Waffen" laut Buffett - gehören verboten, und zwar rasch. Ich glaube, dass Herr Buffett Ihre arrogante 5-Euro-Bildungsschwelle längst hinter sich gelassen hat. Vielleicht sollte man daher jetzt mal diese Banken wirksam regulieren, bevor sie ihr Zerstörungswerk endgültig vollenden und die Realwirtschaft eliminieren. Zertifikate kann man nicht essen. Und finanziell gedeckt sind diese und andere realwirtschaftsferne Derivate schon lange nicht mehr.

  • Ich verweise auf meinen Kommentar zu @Erwin.

    Sie finden keinen Fachmann, der Ihre Meinung teilt.

  • Keine Spekulation mit Lebensmitteln
    Während Spekulanten, Banken und Investmentgesellschaften mit Lebensmitteln Kasse machen, steigt die Zahl der Hungernden weltweit! Dagegen protestiert die Initiative handle-fair.de!

  • @Erwin
    Ihnen fehlt schlicht das Verständnis über die Funktionsweisen der Märkte.

    Ich empfehle Ihnen den Beitrag erneut zu lesen und zwar solange zu lesen, bis Sie ihn verstanden haben.

    Hören Sie auf da zu kämpfen, wo Ihnen das Fachwissen fehlt. Gehen Sie kritischer mit den Gedanken der GRÜNEN um, greifen Sie die Biodieselverordnung, greifen Sie E10 und weitere Projekte unter dem Gesichtspunkt der Bekämpfung des Hungers an, sind wir zusammen.

    Da hat es viele Fehlentwicklungen unter dem ursprünglich sinnvollen Gedanken der Nachhaltigkeit gegeben, aber heute ist das auch nur noch Lobbyismus. Eigentlich schade für Petra Kelly. Sie käme mit den heutigen GRÜNEN allerdings auch nicht mehr klar.

  • Ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, aber Sie haben keine Ahnung vom Finanzmarkt.

    Es gibt gutes und schlechtes in den Handelsaktivitäten einer Bank. Aber dieser Punkt ist eindeutig ein positiver Punkt.

    Sie werden es mir gewiss nicht abnehmen. Aber investieren Sie einmal 5 € in ein kluges Buch und gehen Sie einmal an einer Buchhandlung vorbei und kaufen sich ein Fachbuch zur Beschreibung eines vollkommenen Marktes. Wenn Sie diese dortigen Ratschläge auf den Agrarmarkt übertragen, dann sehen Sie, dass der bisherige Agrarmarkt ohne einen funktionierenden Termin- und Optionsmarkt dieser Zielvorstellung von einem vollkommenen Marktes nicht nahe kommen kann.

    Wenn das drin ist, diskutieren wir weiter.
    Auch wenn Jürgen Trittin sich als kommenden Wirtschaftsminister sieht und Ihrem Denken vorn ansteht, besagt das nichts anderes als dass seine Bildung in Sachen Wirtschaft noch nicht den Grenzwert von 5 € erreicht hat. Aber Sie sehen, dass Bildung nicht teuer und kompliziert sein muss.
    Also vergessen Sie die Forderung, wenn Sie gerechtere Preise zur weltweiten Hungerbekämpfung durchsetzen wollen. Schaffen wir lieberden Treibstoff E10 und die gesetzlich verpflichtende Beimischung von Biodiesel zum traditionellen Diesel ab, dann leisten wir wirklich einen wahren Beitrag gegen Hunger.

  • ich bin immer wieder erstaunt, wie emotional gerade diese bank betreffende themen diskutiert werden. das geht sogar soweit, dass einzelne meinungsteilnehmer von anderen beleidigt werden (siehe verbalattacke auf mich mit "blödmensch"). die frage ob solche geschäfte, die meines erachtens so alt sind wie der handel der menschheit gemacht werden, stellt sich m.e. nicht. die frage ist doch, wo solche [...], die sich hier in dem chat massiv aufregen, selber einkaufen. ich vermute nicht beim bauern ums eck oder sich aus dem eigenen garten versorgen, sondern auch bei großen namenhaften lebensmittelketten, wie rewe, aldi und edeka. das ist für mich eine pharse solche [...] komentare zu lesen, von menschen, denen es meiner meinung nach leicht fällt den finger ggü. anderen zu erheben, aber selber nicht bereits sind eigenes zu tun. natürlich kann ich auch mit meiner global-schelte daneben liegen, aber fragen sie mal herrn trittin, was er für einen dienstwagen fährt...Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • "Tomtom" hat einfach recht. Und wo bitteschön werden die Preise für Grundnahrungsmittel "manipuliert"? Wer mit Grundnahrungsmitteln handelt, will Gewinne erzielen, also billig einkaufen und teuer verkaufen. Das ist nicht verwerflich, wenn damit lokale Dürren ausgeglichen werden. Der Kapitalismus hat nun häufig genug bewiesen, dass er den Mangel erfolgreich bekämpft.

    Problematisch ist es, wenn Spekulation und Handel verbietet oder beispielsweise den Preis für Getreide weltweit festlegt. Man könnte nichts daran verdienen, wenn man Getreide von A nach B schafft. Also schafft auch niemand Getreide von A nach B. Wenn B eine Dürre erlebt, verhungern dort die Leute, während in A das Getreide vergammelt. Die Mechanismen des Marktes funktionieren zu gut, als dass wir darauf verzichten sollten. Wenn Getreide von A nach B geschafft werden darf, dann verhungern nicht nur weniger oder gar keine Leute in B, sondern der Preis steigt in A, sodass die Menschen in A sparsamer mit dem Getreide umgehen. Weil es enorm viele Bedürfnisse und Produkte und Hersteller dieser Produkte gibt, gibt es sehr, sehr viele dieser Mechanismen. Adam Smith hat dies als "unsichtbare Hand" umschrieben. Wann immer sich die Politik dagegen auflehnte, gab es unmesslich viel Leid.

    Wenn man geklagt, dass Grundnahrungsmittel steigen, dann sollte man die wahren Schuldigen benennen: Es sind die Ökologisten, die Biodiesel tanken und damit die weltweite Nachfrage anheizen. Die Politik ist mitschuldig, denn sie fördert diesen Blödsinn (E10, weniger Steuern auf Biodiesel, Propaganda usw.).

  • @tomtom
    Duemmer gehts wohl nimmer?

  • Man braucht keine großen Studien, sondern nur logisches Denken: Es heisst hier, dass der Lebensmittelhandel für die Banken hochprofitabel sei. Dann ist doch alles klar: Das Geld, was die Banken daran verdienen, müssen entweder die Endverbraucher mehr zahlen oder die Hersteller weniger bekommen oder beides. Von Nichts kommt Nichts. Der Gewinn der Banken geht auch hier zu Lasten der Produzenten und Verbraucher. Die bezahlten Gutachten, die Anderes behaupten, sind erkennbarer Schwachsinn.

    Die Banken erobern hier ein neues Feld, um die Gesellschaft auszuplündern. Es wird Zeit, dass sie auf ihre eigentliche Aufgabe, die Kreditvermittlung, zurückgestutzt werden.

    Und zu Gordon_gecko: " und hat die regierung und deutschland durch die fianzmarktkrise geführt" - selten so gelacht. Die Deutsche Bank hat dafür gesorgt, dass das völlig inkompetente Duo Merkel/Schäuble die notleidenden Forderungen der Banken (u.a. Staatsanleihen der Südländer) mit dem Geld und Vermögen deutscher Steuerzahler finanziert. Das ist m.E. das größte Verbrechen, welches je am deutschen Volk verübt wurde und die Deutsche Bank spielt dabei eine zentrale Rolle!

    Es ist alles nur noch zum K....

  • Der Bauer braucht die Instrumente der Deutschen Bank nicht, wozu gibt es sonst die riesigen Subventionen, die die EU ausschüttet, damit die Bauern trotz Missernte ordentlich Geld verdienen? Eine Missernte kann man nicht mit Geld wieder glattbügeln. Denn echte Werte werden nicht mit Optionsscheinen und Versicheurngen geschaffen sondern mit Fachwissen und harter Arbeit erfolglosigkeit kann man nicht versichern sondern nur den Erfolglosen.

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