AIG
Die undankbarste Firma der Welt

In der Finanzkrise wurde der US-Versicherungsgigant AIG vom Steuerzahler mit 182 Milliarden Dollar vor der Pleite bewahrt. Jetzt erwägt der gut erholte Konzern eine Schadenersatzklage – gegen den Retter von einst.
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New YorkDer US-Versicherungsgigant AIG galt einmal als gefährlichste Firma der Welt, doch viel lieber will man die netteste Firma der Welt sein. „Danke, Amerika!“, sagen lächelnde Menschen in den Werbespots, mit denen AIG derzeit das Land überzieht. Die 182 Milliarden Dollar, mit denen die Steuerzahler den Konzern in der Finanzkrise vor dem Kollaps gerettet hatten, habe man zurückgezahlt – plus 22 Milliarden Dollar Zinsen. AIG ist wieder da, so die Botschaft, die Vergangenheit möge nun endlich ruhen.

Doch das tut sie nicht. Im Gegenteil. Wenn am Mittwoch in der Zentrale in Manhattan die zwölf Mitglieder des Verwaltungsrates zusammenkommen, werden sie mit Wucht von der Vergangenheit eingeholt. Worüber die Runde dort diskutieren will, könnte eine öffentliche Empörung auslösen, wie sie selbst die Skandalfirma AIG noch nicht erlebt hat. Aus der nettesten Firma der Welt könnte bald die undankbarste Firma der Welt werden.

Das Board mit Vorstandschef Robert Benmosche wolle sich am Mittwoch eine Meinung darüber bilden, ob sich AIG einer 25 Milliarden Dollar schweren Schadenersatz-Klage anschließen wird – und zwar gegen den Retter von einst, die US-Regierung. Denn bei der hektisch getroffenen Entscheidung im September 2008, den wankenden Riesen per Übernahme zu retten, könnten die Anteilseigner benachteiligt worden sein.

Der Verwaltungsrat habe keine Wahl, als über eine Klage zu diskutieren, teilte AIG am Dienstag nach US-Börsenschluss mit und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „New York Times“. Schließlich sei das Gremium seinen Aktionären verpflichtet.

In die heikle Situation gebracht wird der Konzern von einem Wiedergänger aus der Vergangenheit: dem Großaktionär und langjährigen Chef von AIG, Maurice „Hank“ Greenberg. Der 87-Jährige, der bei der Rettungsaktion Milliarden verloren haben will, führt mit seiner Firma Starr und anderen Aktionären seit 2011 einen juristischen Feldzug gegen die Regierung. Dabei setzt er auch seinem alten Arbeitgeber die Pistole auf die Brust: Sollte sich der AIG-Verwaltungsrat seiner Klage nicht anschließen, will er das Gremium wegen Pflichtverletzung drankriegen.

Greenbergs Begründung für die Klage: Der Staat habe die Anteilseigner bei der Hilfsaktion über den Tisch gezogen. Laut fünftem Verfassungszusatz dürfe die Regierung niemanden „ohne gerechte Entschädigung“ enteignen – was nicht geschehen sei. Zwar sei die Rettung notwendig gewesen, so Greenbergs Argument, doch habe der Staat dabei überzogen und habe zu hohe Zinsen verlangt. In Wahrheit sei die Aktion nur dazu da gewesen, anderen Finanzhäusern zu helfen.

Pikanterweise hatte der Ex-Chef, der den Versicherer einst zum Weltkonzern geformt und 2005 nach mutmaßlichen Bilanztricksereien aus dem eigenen Unternehmen geworfen wurde, die Grundlage für den späteren Fast-Zusammenbruch selbst geschaffen: Greenberg machte das Geschäft mit verhängnisvollen Kreditversicherungen (Credit Default Swaps) groß.

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Die undankbarste Firma der Welt

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„Beleidigend für die Öffentlichkeit“

Kommentare zu " AIG: Die undankbarste Firma der Welt"

Alle Kommentare
  • Mal ganz im Ernst, läuft das bei uns in Deutschland anders? Siehe das Verhalten von Nonnenmacher und Co. Etwas kleiner zwar, aber immer noch so dreist, von der eigenen Unfehlbarkeit beherrscht zu sein, um zu klagen. Hätte der Staat diese Banken nicht gerettet, wäre keiner dieser Herren auf die Idee gekommen, zu klagen. Denn die Finanzinstitute wären „Pleite“ für die sie einmal verantwortlich gewesen waren, wären abgewickelt worden. Dass die Anteilseigner an der AIG eine Klage gegen die Regierung anstrebte belegt nur deren ungehemmte Raffgier. Wäre die AIG Pleite gegangen so wären ihre Anteile futsch gewesen, jetzt nachdem der Staat den größten Versicherungskonzern mit 182 Dollar gerettet hatte, beklagen sie sich darüber, dass ihre Gewinne ein wenig geschmälert wurden weil sich der Staat für seine Rettung hat Zinsen zahlen lassen.

  • Wo ist eigentlich der Allianz-Artikel hin?

  • bei solchen unverschämten Firmenlenker ist es immer wieder intressant etwas über die Person zu lesen.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Maurice_R._Greenberg
    http://en.wikipedia.org/wiki/Bob_Benmosche

  • Ich nicht, er verfügt eben über das "richtige Parteibuch" mit dem die USA zum Land der unbegrenzted Möglichkeiten werden.

    "They’ve long since bought, and paid for the Senate, the Congress, the state houses, the city halls, they got the judges in their back pockets and they own all the big media companies, so they control just about all of the news and information you get to hear."

    George Carlin

  • Ich bin erstaunt das Greenberg schon wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde.

  • Wie hochg waren die Zinsen? 50%, 60%? Die Firma war so platt, daß ,man sie untert einer geschlossenen Tür durchschieben konnte. Sie hätte nirgendwo Kredit bekommen und da wäre so ein Zinssatz berechtigt!!

    @Theo Lingen
    mit Guatanamo bin ich d'accord. Da sollte der Hosenanzug mal anfragen, ob er auch ein paar Jungs von der deutschen Managerelite dort einquartieren kann

  • "Hank" und seine Exkollegen ab nach Guatanamo!

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