12.02.2008

US-Versicherer entdeckt Löcher in der Bilanz: AIG schockiert die Finanzmärkte

Der Kurs des US-Versicherers American International Group (AIG) ist am Montag in New York um rund elf Prozent eingebrochen. Grund war eine Pflichtmitteilung des Konzerns an die amerikanische Börsenaufsicht SEC, wonach AIG "erhebliche Schwächen" in der Bewertung seines Portfolios sogenannter Credit Default Swaps (CDS) entdeckt hat.

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Die AIG-Aktie ist am Montag eingebrochen. Illustration: Lutz Widmaier für HandelsblattLupe

Die AIG-Aktie ist am Montag eingebrochen. Illustration: Lutz Widmaier für Handelsblatt

tor/NEW YORK. Demnach ist der Wert dieser komplexen Finanzprodukte im Oktober und November 2007 mit 4,88 Mrd. Dollar viermal stärker zurückgegangen als ursprünglich gemeldet. Auf einen genauen Preis für die Wertpapiere wollte sich der Versicherer nicht festlegen.

Bei CDS handelt es sich um Finanzinstrumente, mit denen sich Investoren gegen Zahlungsausfälle ihrer Schuldner absichern. Im Falle von AIG dürfte es sich dabei um Schuldtitel drehen, die durch Forderungen aus dem krisengeschüttelten amerikanischen Hypothekenmarkt gedeckt sind. AIG -Chef Martin Sullivan hatte die Investoren noch Anfang Dezember mit der Aussage beruhigt, dass die Verluste aus dem Immobiliengeschäft "handhabbar" seien.

Nigel Dally, Analyst bei der Investmentbank Morgan Stanley, schätzt den Abschreibungsbedarf für das abgelaufene vierte Quartal auf etwa fünf Mrd. Dollar. An der Wall Street kursieren noch weitaus größere Summen.

Die Ratingagentur Fitch stellte AIG nach der überraschenden SEC -Mitteilung unter Beobachtung und drohte mit einer Herabstufung der Bonität. An den Kreditmärkten stiegen daraufhin die Kosten für die Absicherung der AIG -Schuldtitel.

Der Kursverlust für AIG war der stärkste seit 20 Jahren. In den zwei Jahren, seit Sullivan die Führung von seinem legendären Vorgänger Maurice Hank Greenberg übernommen hat, ist der Marktwert des Konzerns bereits 30 Prozent gesunken. Experten vermuten seit langem, dass große Versicherungen wie AIG noch erhebliche Subprime-Risiken in ihren Büchern haben. Verschärft hat sich die Lage in den vergangenen Wochen durch die Schieflage der Anleiheversicherer. Sie garantieren durch CDS strukturierte Finanzprodukte mit einem Volumen von rund 800 Mrd. Dollar. Experten vermuten, dass AIG und andere Firmen mit Hilfe von CDS Versicherungen für Kreditderivate an ihre Kunden verkauft haben. Dabei haben die Assekuranzfirmen jedoch offenbar die Risiken des Immobilienmarktes unterschätzt. So hat Swiss Re, der weltgrößte Rückversicherer, im Oktober rund eine Mrd. Dollar verloren, als er seine Kunden mit Credit Default Swaps vor allem gegen die Tücken des Hypothekenmarktes absichern wollte.

AIG sei noch dabei, die Marktdaten für eine Bewertung zusammenzustellen, teilte der Konzern mit. Erneut in den Blickpunkt gerät dadurch auch der langjährige Wirtschaftsprüfer des Konzerns, PricewaterhouseCoopers. Die Firma hatte die Bilanzen von AIG bereits zwischen 2000 und 2005 abgesegnet. Nach einer Untersuchung des damaligen New Yorker Generalstaatsanwalts Eliot Spitzer mussten Ergebnisse korrigiert werden. AIG zahlte danach eine Strafe von 1,64 Mrd. Dollar.

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