4 Bewertungen *****
23.09.2008 
Versicherer

AIG will mit zügigen Verkäufen Verstaatlichung entgehen

Der von der US-Regierung vor der Pleite bewahrte Versicherer AIG will eine Verstaatlichung mit dem zügigen Verkauf von Unternehmensteilen abwenden. Anleger begrüßten die Entwicklung.

HB NEW YORK. Dazu will der Finanzkonzern schon kommende Woche eine Liste mit Sparten vorlegen, die zur Veräußerung freigegeben werden. "Wir werden die Vermögenswerte nehmen, die wahrscheinlich sehr wertvoll sind, aber von Käufern auch in relativ handlichen Stücken verdaut werden können", sagte der neue Konzernchef Edward Liddy am Montag in einem Interview des Senders CNBC.

Er wolle innerhalb der nächsten sieben bis zehn Tage eine entsprechende Liste veröffentlichen und vielleicht sogar einige der Transaktionen bereits bis dahin ausgeführt haben, sagte Liddy. Der ehemals größte Versicherer weltweit braucht dringend Kapital, um einen 85 Mrd. Dollar schweren Kredit der US-Notenbank Federal Reserve zurückzuzahlen, der den Konzern vor dem Bankrott bewahrt hatte. Liddy sagte, er hoffe, dass der Kredit "so schnell wie möglich" zurückgezahlt werden könne. Andernfalls hat die US-Regierung das Recht, fast 80 Prozent des Versicherers zu übernehmen.

Die Münchner Rück und auch die Allianz haben bereits grundsätzliches Interesse an Sparten von AIG angemeldet. Liddy, der seinen Posten am Donnerstag vergangener Woche antrat, wollte sich nicht dazu äußern, welche Unternehmensteile er abstoßen will. Spekuliert wird, dass die Flugzeugleasingsparte International Lease Finance Corp und der US-Lebensversicherer American General ganz oben auf der Liste stehen.

Liddy sagte lediglich, AIG werde nach der Umstrukturierung kleiner sein und sich auf seine traditionellen Stärken wie die Schaden- und Unfallversicherung sowie sein internationales Geschäft vor allem in Asien besinnen. "Es wird so aussehen wie vor 1998, 1999 mit weniger Abhängigkeit von Finanzdienstleistungen." Mit dem früheren AIG-Chef und Anteilseigner Maurice Greenberg arbeite er im übrigen nicht zusammen. Berichten zufolge versucht eine Gruppe von AIG-Aktionären um Greenberg eigenständig die Verstaatlichung des Versicherers auch mit Hilfe einer Kapitalerhöhung abzuwehren.

Die AIG-Aktien legte in New York am Montag infolge der Entwicklungen um mehr als 22 Prozent zu. Die Papiere von Kunkurrenten wie Chubb Corp und XL Capital verloren dagegen kräftig. Analyst Andrew Barile sagte, als möglicher Käufer der Autoversicherungssparte von AIG komme Allstate in Betracht. Liddy führte den Versicherer von 1999 bis 2006.

Die von AIG ausgegebenen Garantien im Versicherungsmarkt weltweit summieren sich seinen Angaben zufolge auf 180 Mrd. Dollar. Der einst weltgrößte Versicherer war im Sog der Finanzkrise in ernsthafte Schwierigkeiten geraten. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers war die US-Regierung Anfang vergangener Woche eingesprungen, um den Konzern zu retten.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne

Beiträge zum Thema

Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

weiterImmobilien + Vorsorge

Regierung sorgt sich um Immobilienfonds  Artikel in Merkliste

03.12.2008, 13:58 Uhr

Alle Anleger sollen gleich behandelt werden, meint die BaFin und will Immobilienfonds zwingen, ihre Auszahlungspläne zu stoppen. Das sei ein "verheerendes Signal", fürchten Regierungspolitiker. Sie rechnen in einem solchen Fall mit panikartigen Verkäufen der Anleger. Artikel


Anzeige