Aktienkurs steigt: Hedge-Fonds will ABN Amro zerschlagen

Aktienkurs steigt
Hedge-Fonds will ABN Amro zerschlagen

Der britische Hedge-Fonds TCI macht seinem Ruf als Unruhestifter wieder Mal alle Ehre. Ziel der Attacke ist dieses Mal die niederländische Bank ABN Amro. TCI fordert die Aufspaltung des Geldhauses. Und obgleich der Hedge-Fonds kaum Anteile hält, ist die Forderung wie eine Bombe eingeschlagen.

HB AMSTERDAM/LONDON. „Wir glauben, dass es im besten Interesse aller Aktionäre wäre, wenn das Management von ABN Amro aktiv eine Aufpaltung, Abtrennungen, Verkäufe oder Zusammenlegungen der verschiedenen Geschäfte verfolgen würde“, hieß in einem am Mittwoch bekannt gewordenen Brief von TCI an ABN Amro. Dies brächte nicht nur den Aktionären Geld, sondern würde auch der unter Konkurrenzdruck stehenden Bank insgesamt gut tun, schrieb TCI.

Die ABN-Aktien reagierten mit einem sechsprozentigen Kurssprung auf die Forderung des Fonds und erreichten mit 27,67 Euro ein Sechs-Jahres-Hoch. Dabei ist die Macht von TCI begrenzt: Der Fonds hält nach eigenen Angaben gerade mal etwas mehr als 1 Prozent der ABN-Aktien.

The Children's Investment Fund (TCI) machte in Deutschland 2005 von sich reden, als er mit anderen Fonds die Pläne der Deutschen Börse zur Übernahme der Londoner LSE torpedierte und den damaligen Vorstandschef Werner Seifert zum Rücktritt zwang. Auf Druck von TCI-Gründer Chris Hohn schüttete der Handelsplatzbetreiber schließlich Millionen an seine Aktionäre aus. Vizekanzler Franz Müntefering – damals SPD-Chef – hatte im Zusammenhang mit den Querelen bei der Börse die Finanzinvestoren mit „Heuschrecken“ verglichen und ihnen vorgeworfen, Firmen rücksichtslos auszuplündern. In der Folge war es zu einer heftigen Debatte um Nutzen und Schaden von Hedge-Fonds und Private-Equity-Gesellschaften gekommen.

Die meist risikoreich agierenden Hedge-Fonds versuchen immer häufiger, Einfluss auf das Management großer Konzerne zu nehmen, um so den Aktienkurs zu steigern. Sie unterliegen keiner Regulierung, sorgen aber für einen beträchtlichen Teil der Zahlungsströme im weltweiten Finanzsystem. Die sieben führenden Industrieländer (G-7) hatten bei ihrem Treffen Anfang Februar deshalb mehr Transparenz bei Hedge-Fonds gefordert.

ABN Amro gibt sich gelassen

ABN Amro erklärte, über die Forderungen des Aktionärs im Bilde zu sein, den Brief jedoch noch nicht erhalten zu haben. „Wir erhalten viele Ideen und Vorschläge von unseren Aktionären und wir behandeln sie immer mit Respekt und Sorgfalt. Dieser Vorschlag wird genauso behandelt“, sagte ein ABN-Sprecher.

Branchenexperten erklärten, dass die gegenwärtige Strategie des ABN-Amro-Managements vor allem bei den Kosten noch nicht die erwünschten Ergebnisse gebracht habe. TCI erinnerte in seinem Brief daran, dass die ABN-Amro-Aktien kaum an Wert gewonnen haben, seitdem der derzeitige Chef Rijkman Groenink im Mai 2000 das Ruder übernommen hat. Die Aktien anderer Banken seien dagegen im Schnitt um 44 Prozent gestiegen.

TCI bemängelte neben den hohen Kosten auch die Akquisitionsstrategie des Managements. So habe die teure Übernahme der italienischen Banca Antonveneta den Aktionären bislang nicht die versprochenen Vorteile gebracht. TCI riet ABN Amro zudem davon ab, die italienische Bank Capitalia zu übernehmen, an der sie bereits knapp 9 Prozent hält.

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