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09.07.2008 
Ärger um Jean-Paul Votron

Aktionärsvertreter zielen auf Fortis-Chef

Der angeschlagene belgisch-niederländische Finanzkonzern Fortis gerät immer stärker unter Druck. Jetzt haben gleich zwei Aktionärsgruppen dem Vorstand Jean-Paul Votron mit juristischen Schritten gedroht.

Jean-Paul Votron gerät zunehmend unter Beschuss. foto: APLupe

Jean-Paul Votron gerät zunehmend unter Beschuss. foto: AP

BRÜSSEL. Die Gruppen werfen dem Bankenchef vor, ein zu hohes Risiko eingegangen zu sein und damit ihr Geld verspielt zu haben. Die Fortis-Aktie war vor knapp zwei Wochen nach der Ankündigung eines breit angelegten Refinanzierungsplans ins Bodenlose gestürzt. Die Anleger verloren in wenigen Tagen über 20 Prozent. Auch die Dividende für 2008 wurde gestrichen. Die Anleger verlangen nun Schadensersatz für ihre Verluste, die sie Jean-Paul Votron persönlich zuschreiben.

Den CEO zu verklagen, sei ein überlegter Schritt, erklärte der Anwalt der niederländischen Aktionärsgruppe Hendrik-Jan Bos: "Indem wir sein persönliches Portemonnaie ins Spiel bringen, wollen wir zeigen, dass es sich ein Chef nicht erlauben kann, seine Anleger so zu verschaukeln". Bos hat bereits erfolgreich Aktionärsklagen gegen die Dexia Bank und ABN Amro in Holland verteidigt. In Belgien hat der Investorverband Dolor ähnliche Schritte angekündigt. Bei Fortis bemüht man sich um Schadensbegrenzung. Bisher sei keine Anklage eingegangen, und in jedem Fall müsse die erst gründlich geprüft werden, sagte ein Sprecher. Am Donnerstag will sich der Fortis-Vorstand mit Vertretern der niederländischen Aktionärsvertretung VEB treffen, um Auswege aus der Krise zu beleuchten. Zudem, so heißt es in Brüssel, werde intensiv an der Kommunikation mit den Kunden in den Fortis-Filialen gearbeitet.

Vielen reichen informelle Treffen nicht mehr aus. Die belgische Kanzlei Deminor und die Verbraucherschutzorganisation Test-Achats haben alle Gesprächstermine abgelehnt und fordern eine a.o. Aktionärsversammlung. "Zu lange wurde in dieser Sache hinter verschlossenen Türen gewurschtelt. Wir brauchen jetzt endlich Klarheit", sagte der Sprecher Jean-Philippe Ducart. Fortis will den Wunsch prüfen; man werde zu gegebener Zeit darauf reagieren, hieß es in Brüssel. rur

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