Der Versicherer AMB Generali bekommt Ärger mit seinen Kleinaktionären. Die Verbraucherzentrale für Kapitalanleger (VzfK) wirft dem italienischen Versicherungsriesen Generali vor, den Unternehmenswert der Tochter bewusst abzuschmelzen.
HB FRANKFURT. „Damit soll die Abfindung der Kleinaktionäre mittels eines sogenannten Squeeze-Outs zu einem späteren Zeitpunkt billiger werden“, sagte ein VzfK-Sprecher am Dienstag. Die Organisation bündele mittlerweile die Interessen von mehr als fünf Prozent der Aktien von AMB Generali. Dies reiche aus, um nun eine außerordentliche Hauptversammlung zu beantragen.
Die Anteilseigner sollen nach dem Willen der VzfK einen unabhängigen „Besonderen Vertreter“ bestellen, der Schadenersatzansprüche für die Gesellschaft und die Kleinaktionäre prüfen und durchsetzen soll. „Wir sprechen hier voraussichtlich von einem hohen dreistelligen Millionenbetrag“, sagte der VzfK-Sprecher. Die Aktionärsvertreter werfen Generali vor, AMB ohne den dazu nötigen Beherrschungsvertrag zu integrieren. So sei der Vermögensverwalter des Aachener Unternehmens bereits deutlich unter Wert in die Holding Generali Investments eingebracht worden. AMB habe hier zudem keine Kontrollmöglichkeiten mehr, so die VzfK, die die Interessen aller nicht im Aufsichtsrat vertretenen Aktionäre repräsentiert. Generali hält rund 85 Prozent an dem Erstversicherer.
Das Unternehmen hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Die Vermögensverwaltung sei transparent und mit einer angemessenen Gegenleistung in Form einer Beteiligung an Generali Investments eingebracht worden. Zudem sei die Kontrolle weiter vertraglich und versicherungsaufsichtsrechtlich garantiert. Zu den neuen Entwicklungen sagte ein Sprecher lediglich, die Firma werde den Antrag auf eine außerordentliche Hauptversammlung genau prüfen, sobald er vorliege. Im Mai 2008 findet die nächste ordentliche Hauptversammlung statt.
Auf Kritik der Kleinaktionäre stößt auch der Chefwechsel bei AMB im Sommer dieses Jahres. Walter Thießen schied zum 30. Juni nach 22-jähriger Tätigkeit bei dem drittgrößten Versicherer Deutschlands aus. Aus Kreisen hatte Reuters damals erfahren, die Chemie zwischen Thießen und Generali habe nicht mehr gestimmt. Der VzfK zufolge entstand durch das vorzeitige Ausscheiden ein Schaden in Millionenhöhe. AMB sprach von unzutreffenden Spekulationen über den Grund des Chefwechsels und die Höhe der Abfindung.
Die VzfK will eine außerordentliche Hauptversammlung notfalls auch gerichtlich durchsetzen. Die Integration von AMB in Generali schreite weiter voran, sagte der Sprecher der Aktionärsvertreter. „Das ist deshalb ein Rennen gegen die Zeit.“ Das Vorgehen bei AMB erinnert an das Beispiel Unicredit und deren Integration der Münchener HVB. Auch hier haben die Kleinaktionäre einen „Besonderen Vertreter“ durchgesetzt, der den Verkauf der früheren HVB-Tochter Bank Austria an UniCredit unter die Lupe nehmen soll. Die Anteilseigner hoffen auf Schadenersatz in Milliardenhöhe.

